Eine starke Dosis Fernweh mit Weltreise verabreicht

Journalist Michael Scholten berichtet ĂŒber seine Weltreise: 40 LĂ€nder in 413 Tagen / MTV-Clubheim in Markoldendorf gut besucht

Um die Welt reisen, so viele LĂ€nder wie möglich sehen: Einen Traum hat sich Michael Scholten erfĂŒllt. Über seine Weltreise, die ihn in 413 Tagen in 40 LĂ€nder fĂŒhrte, hat er jetzt im MTV-Clubheim in Markoldendorf gesprochen. Normalerweise hĂ€lt er VortrĂ€ge vor bis zu 350 Teilnehmern; dass die Markoldendorfer Zuhörerschar nur sehr klein war, tat seiner Begeisterung und der seines Publikums aber keinen Abbruch. Fesselnd ging er auf die Höhepunkte seiner Tour ein. Breiten Raum nahm Kambodscha ein, ein Land, in dem er sich in zwei Hilfsprojekten engagiert. In »Weltreise. Ein Tagebuch« hat er seine Tour um den Globus humorvoll und kenntnisreich festgehalten.

Journalist Michael Scholten -sitzend- signierte nach dem Vortrag im MTV-Clubheim in Markoldendorf BĂŒcher und Kalender. Mit dem Erlös unterstĂŒtzt er zwei Einrichtungen fĂŒr Kinder in Kambodschas Hauptstadt Phnom Pen.
Journalist Michael Scholten -sitzend- signierte nach dem Vortrag im MTV-Clubheim in Markoldendorf BĂŒcher und Kalender. Mit dem Erlös unterstĂŒtzt er zwei Einrichtungen fĂŒr Kinder in Kambodschas Hauptstadt Phnom Pen.
Markoldendorf (ek). Um die Welt zu reisen und dann in Orte in Deutschland zu kommen, die er sonst nicht besucht hĂ€tte, das sei eine unerwartete Auswirkung seiner Reise, schmunzelte Michael Scholten. Er habe Deutschland nicht um jeden Preis verlassen wollen, sondern er fĂŒhle sich hier wohl – woanders aber eben auch. Eingeladen hatte ihn Willy SchĂŒtze. Auch er ist mit Fernweh infiziert und ĂŒber das Internet zufĂ€llig auf Scholtens Seite gestoßen.

Vor rund dreieinhalb Jahren beschloss Journalist Michael Scholten seinen Ausstieg aus dem Beruf. Die Mitarbeit bei einem großen Kino-Magazin hatte ihn zehn Jahre lang zu Dreharbeiten rund um die Welt gefĂŒhrt; jetzt wollte er sich dem Reisen auf anderer Basis widmen. Er verkaufte seine Wohnung in Hamburg, viel persönliches Hab und Gut und setzte sich ins Flugzeug. Erstes Ziel war China, von dort aus ging es in die Mongolei.

Diesem Land widmete er in seinem Vortrag breiten Raum, zĂ€hlt es doch neben Madagaskar fĂŒr ihn zu den faszinierendsten Regionen der Welt. Ringen, reiten, Bogen schießen, diese drei Sportarten genießen bei den Nachfolgern Dschingis Khans hohen Stellenwert. Der Besucher aus dem Westen konnte am Naadam-Staatsfest mit den SportwettkĂ€mpfen zuschauen, er erlebte mongolische Gastfreundschaft mit der Verkostung vergorener Stutenmilch und beobachtete am Tag der Liebenden, dem 19. Juli, einen Hochzeitsmarathon. »Die traditionelle Bekleidung erinnerte mich an die â€șStar Warsâ€č-KostĂŒme, vermutlich hat George Lucas hier viel abgeschaut« – als Filmkritiker hat Scholten natĂŒrlich einen geschĂ€rften Blick dafĂŒr.

Masken, rituelle TĂ€nze und LanghĂ€user, aber auch Slums und ein Sargtischler mit pinkfarbenen Produkten mit Sichtfenster: VielfĂ€ltige EindrĂŒcke brachte er von Papua-Neuguinea mit. Einen HĂ€uptling mit fĂŒnf Frauen, 25 Kindern und 500 Schweinen konnte er hier ebenso kennenlernen wie Dorfbewohner, die sich fĂŒr einen Skeletttanz die Körper schwarz-weiß bemalten.

Ans Herz gewachsen sind ihm auch die Insel Madagaskar und ihre Menschen. Viele unterschiedliche Kulturen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Arm, aber wĂŒrdevoll, so hat der Reisende die Bewohner erlebt, die Kinder hĂ€ufig von großer Fröhlichkeit. Die Tierwelt ist außergewöhnlich, ebenso die Natur, beispielsweise mit den gewaltigen AffenbrotbĂ€umen.

Den ersten Teil seiner Reise hatte Scholten so terminiert, dass er Weihnachten wieder zuhause in Deutschland verbringen konnte, den zweiten Teil hatte er einer »best of«-Auswahl verschiedener LĂ€nder gewidmet. Mehrere Wochen hat er sich im Kambodscha aufgehalten, dieses asiatische Land ist ihm inzwischen zur zweiten Heimat geworden. Nicht von ungefĂ€hr zeigt die Nationalflagge als einzige der Welt ein komplettes Bauwerk, Angkor Wat. Von dieser ab 1110 erbauten gigantischen Tempelanlage lebe der Tourismus im Land, berichtete er. Unter anderem der »Lara Croft«-Film mit Angelina Jolie, 2001 hier gedreht, habe einen enormen Schub gebracht.

Mit dem Land verbinde ihn, so Scholten, eine Hassliebe. Vieles finde er wunderbar, von anderen Dingen sei er schwer genervt. Dennoch ĂŒbt Kambodscha eine so große Anziehung auf ihn aus, dass der in einem Monat sein Globetrotter-Leben vorerst beenden wird: Eine Schweizer Agentur hat ihn vor Ort als Reiseleiter engagiert. Nach dem finstersten Kapitel der Geschichte, der Herrschaft Pol Pots, erhole sich das Land zusehends. Seit 2004 gebe es einen neuen König, viele internationale Konzerne hĂ€tten sich angesiedelt – mit allen Vor- und Nachteilen. Scholten engagiert sich fĂŒr zwei Hilfsprojekte besonders: Zum einen unterstĂŒtzt er eine Einrichtung, in der Kinder im klassischen Tanz unterrichtet werden, zum anderen ein Haus, in dem 150 Kinder armer Familien beziehungsweise Waisen eine Ausbildung erhalten. Der Erlös seiner Fotokalender kommt den Kindern zugute. Unter www.michael-scholten.com kann man die Bilder ansehen und bestellen, ebenso das 560 Seiten dicke Tagebuch der Weltreise.

Die Zuhörer hatten Gelegenheit, viele Fragen zu stellen, und sie erhielten kompetente Antworten. Der Referent gab interessante Einblicke in ferne LĂ€nder. »Jeder, der heute nicht hier war, hat etwas versĂ€umt«, waren die Besucher, die den Termin wahrgenommen hatten, ĂŒberzeugt.

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