Ermöglicht wurde die Grabung durch Spenden der Volksbanken und Raiffeisenbanken-Stiftung Norddeutschland ĂŒber die Volksbank Einbeck. FĂŒr die Zustimmung zur DurchfĂŒhrung ist dem GrundstĂŒckseigentĂŒmer, die GLL Braunschweig-DomĂ€nenamt sowie den Herren Christoph Rabbethge und Andreas Cramm zu danken. Das Zelt wurde freundlicherweise von der Ortschaft Rotenkirchen, OrtsbĂŒrgermeister Dieter Schrader, zur VerfĂŒgung gestellt.
Die Entdeckung der Fundstelle im Jahr 1975 ist der ehemaligen ehrenamtlichen Beauftragten fĂŒr ArchĂ€ologie, Ursula Werben, zu verdanken. Von ihr durchgefĂŒhrte systematische Begehungen ergaben eine unĂŒblich groĂflĂ€chige rĂ€umliche Ausdehnung des Fundplatzes. Die Ausdehnung erstreckt sich auf rund 1.200 Meter LĂ€nge (Nordost auf SĂŒdwest) und bis zu 300 Meter Breite (Nordwest auf SĂŒdost).
Die Ă€ltesten Funde datieren in das Zeitalter der JĂ€ger- und Sammler-Gruppen des Mesolithikums (Mittelsteinzeit). FĂŒr die Zeit des darauf folgenden Neolithikums (Jungsteinzeit) sind verschiedene Kulturgruppen belegt, beginnend mit der ersten sesshaften und Ackerbau treibenden Kultur der Linienbandkeramik (so benannt nach der typischen bandförmigen Verzierung auf der GefĂ€Ăkeramik) um 5.400 vor Christi. WĂ€hrend der Bronzezeit und der Ă€lteren vorrömischen Eisenzeit ist derzeit keine Besiedlung festzustellen. SpĂ€testens in den letzten Jahrzehnten vor Christi Geburt, in der SpĂ€tlatĂšnezeit, setzt wieder eine bis in das SpĂ€tmittelalter hinein feststellbare SiedlungskontinuitĂ€t ein, wobei der Zeitraum des fĂŒnften bis siebenten Jahrhunderts nur spĂ€rlich durch Funde belegt ist. Am Ende des 15. Jahrhunderts bricht die Besiedlung endgĂŒltig ab beziehungsweise hat sich zum heutigen Ort Rotenkirchen verlagert. Ob die Siedlungsaufgabe mit der Zerstörung der Dörfer bei der Belagerung des Grubenhagen im Jahr 1448 zusammenhĂ€ngt, ist noch nicht geklĂ€rt, aber wahrscheinlich.
Die sich andeutende SiedlungskontinuitĂ€t vom ersten vorchristlichen bis in das 15. nachchristliche Jahrhundert ist eine seltene Erscheinung. Die Fundstelle Rotenkirchen 7 erbrachte mehrere FundstĂŒcke ĂŒberregionaler Bedeutung, Viele Funde deuten auf die örtliche PrĂ€sens einer sozial gehobenen FĂŒhrungsschicht und eine Zentralortfunktion. Möglicherweise gab es einen karolingisch-mittelalterlichen Herrenhof. AnzufĂŒhren ist an erster Stelle eine mĂŒnzartige Fibel nach dem Vorbild eines Denars Heinrichs III. (1039 bis 1056) aus Buntmetall mit beidseitiger Goldplattierung. Um das stilisierte KaiserportrĂ€t findet sich die Umschrift »PENNO ME FECIT«, »Benno hat mich gemacht«. Der Legende nach kann es sich um Bischof Benno von OsnabrĂŒck (um 1020 bis 1088) gehandelt haben, der zuletzt am Domstift in Goslar tĂ€tig und ein ParteigĂ€nger Kaisers Heinrichs III. war.
Ein silbervergoldeter Schwertgurtbeschlag datiert in das neunte Jahrhundert. Ein LochgĂŒrtelhaken ist in die Zeit um Christi Geburt oder in das frĂŒhe erste Jahrhundert zu datieren. Glasperlen sind oftmals schwer zu datieren, von Rotenkirchen liegt jedoch eine Perle mit Wellenverzierung vor, die fĂŒr die Zeit vom ersten bis zum fĂŒnften Jahrhundert typisch sind. Eine Millefiorieperle (Mosaikaugenperle) datiert in die Zeit um 800. Ein Armring gehört möglicherweise in das achte Jahrhundert und ein halbmondförmiger Ohrring aus Buntmetall in das elfte Jahrhundert. ErgĂ€nzt werden diese explizit genannten Funde durch weitere Metall-, SteingerĂ€t- und Keramikfunde, welche in der Gesamtschau die ĂŒberregionale Bedeutung der Fundstelle ausmachen.
Die Grabungen wurden am 25. August begonnen und mussten in den ersten Tagen wegen starken Regens mehrfach unterbrochen und auch abgebrochen werden. Dennoch gelang es der Grabungsmannschaft, alle aufgebaggerten FlĂ€chen von Hand nachzubearbeiten und zu dokumentieren. Erst anschlieĂend wurden die ersten Befunde tiefergehend ausgegraben.
Erfasst wurden Gruben und Pfostengruben der Linienbandkeramik sowie der Nordwestteil eines der fĂŒr diese Kultur typischen HĂ€user. Aus der sogenannten Römischen Kaiserzeit (Christi Geburt bis 375), der Völkerwanderungszeit und dem Mittelalter liegen weitere Befunde vor. Zumeist Siedlungsgruben mit Siedlungsabfall und einzelne Pfostengruben. HĂ€user dieser Zeitepoche konnten in den kleinen FlĂ€chenausschnitten jedoch keine erkannt werden.
Zu den Funden gehören hauptsĂ€chlich Silexartefakte (FeuersteingerĂ€te und AbschlĂ€ge von deren Herstellung) und KeramikgefĂ€Ăscherben. Einige Metallfunde bedĂŒrfen noch Restaurierung und lassen noch keine endgĂŒltigen Aussagen zu. Der GroĂteil der Funde konnte wĂ€hrend der laufenden Grabung noch nicht weiter gewaschen und bearbeitet werden, so dass sich nach Grabungsabschluss Ende September noch die eine oder andere Ăberraschung einstellen kann.



