Die Volksbank-VorstĂ€nde Andreas Wobst -rechts- und Helmut SchlĂŒter blickten auf ein gutes GeschĂ€ftsjahr 2011.
Die Finanzkrise von 2008 sei von einer Staatsschuldenkrise abgelöst worden. Die europĂ€ischen Banken als Hauptfinanzierer der Staaten wĂŒrden unter deren Defiziten leiden, erlĂ€uterte Wobst. Allerdings sei der Wirtschaftsaufschwung von 2010 noch deutlich zu spĂŒren, die AuftragsbĂŒcher des Mittelstandes seien gut gefĂŒllt. Man werde nun sehen, welche Auswirkungen Eurokrise und weltweit nachlassende Konjunktur auf die Unternehmen der Region hĂ€tten. Dabei sei die Volksbank Einbeck sehr gut aufgestellt. Die durch Basel III verschĂ€rften Eigenkapitalregeln fĂŒr Banken wĂŒrden bereits sehr deutlich erfĂŒllt. »In unserem Haus gab und gibt es keine Kreditklemme«, hob Wobst mit Blick auf die Wirtschaft hervor. »Jeder vertretbare Kreditwunsch wird erfĂŒllt.« Das gleiche gelte fĂŒr private Haus- und Umbaufinanzierungen. »Es ist eindeutlich festzustellen, dass Genossenschaftsbanken und auch Sparkassen an keiner Stelle die Probleme, die Banken europaweit aktuell haben, ausgelöst oder verstĂ€rkt haben«, machten Wobst und SchlĂŒter deutlich. Im Gegenteil sei es absolut unverstĂ€ndlich, warum »die Banken« in einen Topf geworfen wĂŒrden â das sei nicht sachgerecht.
Aus eigener Kraft ein Plus von 5 Millionen Euro erzielt
Die Bilanzsumme der Volksbank ist 2011 um rund 35 Millionen Euro auf 352 Millionen Euro gestiegen. Dahinter stehen organisches Wachstum, aber auch Sondereffekte; aus eigener Kraft wurde ein Plus von fĂŒnf Millionen Euro erzielt. Die Bankeinlagen haben sich um 3,6 Millionen Euro oder 1,5 Prozent auf 239 Millionen Euro verringert. Da wirke sich vor allem die Zinspolitik aus â bei historisch niedrigen Zinsen gehe das Geld hĂ€ufiger in Renovierungsvorhaben oder Konsum als in eine Anlage.Die Kundenforderungen sind um 2,3 Millionen Euro oder 1,3 Prozent auf 181 Millionen Euro gestiegen. Nach wie vor werde von den heimischen Unternehmen investiert. Es flieĂe mehr Eigenkapital in Finanzierungen. Weiter hoch sei die Bereitschaft, in erneuerbare Energien zu investieren, trotz nachlassender Subventionen.
Das Eigenkapital der Volksbank betrug 35 Millionen Euro, im GeschĂ€ftsjahr erfolgte eine erneute Steigerung. Die Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 13,64 Prozent, das sei ein komfortables Ergebnis, freute sich Wobst. Die Quote, die man beim Stresstest im Herbst erreichen sollte, habe bei neun Prozent gelegen. Etwas gesunken sei der ordentliche ZinsĂŒberschuss, es wurden 9,6 Millionen erzielt. Das Provisionsergebnis lag mit 2,7 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Das VermittlungsgeschĂ€ft konnte ausgebaut werden, wobei die Volksbank speziell im Bereich Bausparen mit einer Summe von 31,5 Millionen Euro ihr sehr gutes Ergebnis von 2010 erneut steigern konnte. »Im BauspargeschĂ€ft sind wir seit 20 Jahren MarktfĂŒhrer in der Region«, so Helmut SchlĂŒter. Einen Zuwachs gab es, bedingt durch die betriebliche Altersvorsorge, bei den Lebensversicherungen. Betriebliche Altersvorsorge, fĂŒhrte Wobst aus, werde nicht nur fĂŒr Arbeitnehmer immer wichtiger, sondern auch Arbeitgeber könnten dies als Mitarbeiterbindungsinstrument einsetzen, gerade in einer Region, die sich verstĂ€rkt um FachkrĂ€fte bemĂŒhen mĂŒsse.
Die Betriebsaufwendungen lagen bei 9,2 Millionen Euro, ein RĂŒckgang um rund 400.000 Euro. Nicht gespart werde an den Ausbildungskosten: Ausbildung finde seit vielen Jahren auf hohem Niveau statt. Das GeschĂ€ftsjahr konnte mit einem Bilanz-ergebnis von 460.000 Euro abgeschlossen werden, was im Schnitt der letzten zehn Jahre liege, so die VorstĂ€nde. Wenn Aufsichtsrat und Vertreterversammlung Anfang Juni dem Vorschlag folgen, kann erneut eine Dividende von sechs Prozent ausgeschĂŒttet werden.
Trotz des demografischen Wandels konnte die Volksbank 522 neue Mitglieder gewinnen; nach Abzug von SterbefĂ€llen und KĂŒndigungen waren es netto 95 Mitglieder mehr. Mit 13.508 Mitgliedern bleibt die Volksbank die gröĂte regionale Personenvereinigung. »Das ist ein eindeutiger Vertrauensbeweis unserer Kunden«, zeigte sich Andreas Wobst zufrieden. Rund 50 Prozent der Kunden seien auch MiteigentĂŒmer der Bank.
Gerade in Zeiten leerer Kassen hat die Bank wieder bĂŒrgerliches Engagement bewiesen und rund 55.000 Euro an Spenden und Zuwendungen fĂŒr soziale, kirchliche und kulturelle Zwecke ausgeschĂŒttet. Viele Projekte konnten dadurch erst angeschoben oder ĂŒberhaupt durchgefĂŒhrt werden.
Neben der Freude ĂŒber das gute Ergebnis steht aber auch Kritik: Zunehmend Sorgen bereiten dem Vorstand die durch die Finanzmarktkrise entstandene Regulierung beziehungsweise die undifferenzierte Umsetzung internationaler Empfehlungen in Deutschland:âHier sehen SchlĂŒter und Wobst eine Ăberregulierung an der falschen Stelle, zum Teil deshalb weil das deutsche Regionalbankensystem wenig bekannt sei in Europa. Es sei richtig, die sogenannten systemlevanten Banken stĂ€rker zu ĂŒberwachen.
Es mĂŒsse jedoch auch anerkannt werden, dass das deutschen System mit Genossenschaftsbanken und Sparkassen das stabilisierende Element sei. »Deutschland hat es international nicht einfach, sein nahezu einzigartiges, aber sehr effizientes System zu erklĂ€ren. Hier ist die deutsche Politik sehr gefordert«, waren beide VorstĂ€nde einig. Erst Ende 2011 habe die genossenschaftliche Bankengruppe mit dem Rating AA- die beste Bewertung aller deutschen Banken erhalten: Das sei ein eindeutiger Beweis fĂŒr die LeistungsfĂ€higkeit des Systems, und das mĂŒsse im eigenen Land uneingeschrĂ€nkt anerkannt werden.
Der Volksbank-Vorstand wĂŒnscht sich deshalb von der Bundespolitik ein engagierteres Eintreten fĂŒr die deutschen Regionalbanken als bislang. Lokal- und Landespolitik seien nah am regionalen Mittelstand â hier habe man UnterstĂŒtzung gefunden. »Wir begrĂŒĂen das Engagement zum Verbraucherschutz«, so die Volksbank-VorstĂ€nde, allerdings sei einiges ĂŒberzogen, und es fehle die Alltagstauglichkeit der BĂŒrokratie.


