Mondsichel begegnet Venus und Jupiter

Im Februar lassen sich am Sternenhimmel alle hellen Planeten beobachten
/ Wie die »Hundstage« entstehen

Im Februar verlÀsst die Sonne die niedrigsten Regionen des Tierkreises. Sie wandert zunÀchst durch den Steinbock und erreicht am 16. das nÀchste Tierkreissternbild, den Wassermann. Die mittÀglichen Sonnenhöhen nehmen im Monatsverlauf um zehn Grad zu, und entsprechend lÀnger werden auch die Tage. Am Monatsletzten bleibt die Sonne schon anderthalb Stunden lÀnger am Himmel als noch zum Monatsanfang.
In diesem Jahr hat der Februar 29 Tage, wir haben also ein sogenanntes Schaltjahr. Unser gregorianischer Kalender, der im Jahr 1582 von Papst Gregor XIII. eingefĂŒhrt wurde, sieht nĂ€mlich folgende Schaltregeln vor: Wenn die Jahreszahl durch vier teilbar ist, wie beim jetzigen Jahr 2012, soll an den Februar mit normalerweise 28 Tagen ein zusĂ€tzlicher Schalttag angehĂ€ngt werden. Eine Ausnahme bilden allerdings die vollen Jahrhunderte: Von ihnen soll nur jedes vierte ein Schaltjahr sein. So war 2000 ein Schaltjahr, nicht aber 1700, 1800 und 1900.
Dass ĂŒberhaupt Schalttage nötig sind, liegt an einer Feinheit des jĂ€hrlichen Sonnenlaufes. Man möchte natĂŒrlich, dass der Sonnenstand mit dem Kalender zusammenpasst. Zum Beispiel sollte die Sonne jeweils im Dezember ihren niedrigsten Stand und im Juni den höchsten einnehmen. Das Problem ist aber, dass die Sonne fĂŒr einen vollen Umlauf im Tierkreis nicht genau 365 Tage (also ein normales Kalenderjahr) benötigt, sondern etwa einen Vierteltag lĂ€nger. Ohne Schalttage wĂŒrde nun Folgendes passieren: Nach vier Jahren hĂ€tte die Sonne gegenĂŒber dem Kalender eine VerspĂ€tung von einem Tag – das wĂŒrde man im tĂ€glichen Leben noch kaum bemerken. Aber nach 120 Jahren ergĂ€be sich schon eine Diskrepanz von einem ganzen Monat, und das wĂ€re nicht mehr akzeptabel. Also legt man Schalttage ein, damit die Sonne ihren RĂŒckstand aufholen kann. Die Schaltregeln des gregorianischen Kalenders sind ĂŒbrigens so genau, dass sich nach 3.000 Jahren erst eine Abweichung von nur einem Tag zum Sonnenlauf ergibt.
Der Mond zeigt sich zum Monatsanfang in zunehmender Phase am Abendhimmel. Am 1. steht er dicht unterhalb der Plejaden. Der Vollmond wird am 7. im Sternbild Krebs erreicht. An diesem Tag kommt die voll beleuchtete Mondscheibe um 17.17 Uhr ĂŒber den Osthorizont, erklimmt dann nach Mitternacht um 0.29 Uhr im SĂŒden ihre grĂ¶ĂŸte Höhe am Himmel und sinkt erst um 7.32 Uhr im Westen wieder unter den Horizont.
In der Nacht zum 10. Februar zieht der inzwischen abnehmende Mond in respektvoller Entfernung am Planeten Mars vorĂŒber. Nach dem 12. kann man den Erdtrabanten nur noch am Morgenhimmel sehen, wo es am 13. zu einer hĂŒbschen Begegnung kommt, wenn der Mond zusammen mit Saturn und Spica ein auffĂ€lliges Dreieck bildet. Einen Tag darauf, am 14., tritt das letzte Viertel im Sternbild Waage ein.

Nach Neumond, am 21. im Wassermann, kann man die haarfeine junge Mondsichel erstmals am Abend des 23. gegen 18.20 Uhr wieder tief im Westen erspĂ€hen. Links von ihr steht an diesem Abend der Planet Merkur. Wesentlich eindrucksvoller sind allerdings die Konjunktionen an den folgenden Abenden. So steht die Mondsichel am 25. dicht am strahlend hellen Abendstern Venus – ein besonders hĂŒbscher Himmelsanblick, der sich von der DĂ€mmerung bis gegen 21.50 Uhr ĂŒber dem Westhorizont bewundern lĂ€sst. Am 26. zeigt sich die Mondsichel zwischen Venus und Jupiter und steht am 27. oberhalb Jupiters.

Im Februar lassen sich alle fĂŒnf hellen Planeten beobachten. Schon in der AbenddĂ€mmerung werden Venus und Jupiter im SĂŒdwesten sichtbar. Wenn es dann völlig dunkel geworden ist, strahlen beide mit einer enormen Leuchtkraft und sind am Himmel gar nicht zu ĂŒbersehen. WĂ€hrend sich der Abendstern Venus zum Monatsanfang noch ein gutes StĂŒck weit schrĂ€g rechts unterhalb von Jupiter aufhĂ€lt, bewegt sie sich im Monatsverlauf immer mehr auf Jupiter zu. Am letzten Februartag trennen beide nur noch zwölf Grad.
Ab dem 22. Februar taucht dann zusĂ€tzlich der kleine Planet Merkur in der AbenddĂ€mmerung auf. Man stĂ¶ĂŸt auf ihn, wenn man die Linie von Jupiter ĂŒber Venus in Richtung Horizont verlĂ€ngert. GĂŒnstigste Zeit, um Merkur zu sichten, verschiebt sich von 18.30 Uhr am 22. auf 18.50 Uhr am 29. Februar. Dabei steht Merkur immer sehr horizontnah und kann an Helligkeit auch nicht mit Venus oder Jupiter konkurrieren.

Bald nach Einbruch der Dunkelheit geht mit dem Mars ein weiterer heller Planet im Osten auf und bleibt dann die ganze Nacht ĂŒber am Himmel. Mars bewegt sich im Sternbild des Löwen. Unser Ă€ußerer Planetennachbar kommt im nĂ€chsten Monat in Oppositionsstellung zur Sonne. Das deutet sich auch an seiner zunehmenden Helligkeit an. Der rötliche Planet gehört schon jetzt zu den hellsten Gestirnen des Nachthimmels.

Als letzter heller Planet erscheint in FebruarnĂ€chten der Saturn. Er steht im Sternbild der Jungfrau, unweit des Ă€hnlich hellen Hauptsterns Spica. Im Monatsverlauf verlagert sich der Aufgang des Ringplaneten von anfangs 0.15 Uhr auf 22.22 Uhr zum Monatsende. Am besten kann man ihn aber in der zweiten NachthĂ€lfte beobachten. Wenn die MorgendĂ€mmerung einsetzt, steht das Gestirnspaar Saturn-Spica auf mĂ€ĂŸiger Höhe im SĂŒdwesten.
Die Karte gibt den Himmelsanblick gegen 22 Uhr wieder. Dann lassen sich die typischen Wintersternbilder mit ihren vielen hellen Sternen noch gut beobachten. Orion und Stier sind jetzt schon nach SĂŒdwesten abgerĂŒckt. Tief im SĂŒden funkelt Sirius, der hellste aller Fixsterne. Er ist der Hauptstern im Großen Hund und zĂ€hlt mit seiner Entfernung von nur 8,6 Lichtjahren zu unseren Sternnachbarn im Milchstraßensystem. Bei den alten Ägyptern spielte Sirius eine große Rolle, zeigte sein Auftauchen in der sommerlichen MorgendĂ€mmerung doch das bevorstehende Nilhochwasser an. Die Griechen und Römer gaben seinem Erscheinen eher die Schuld an sommerlicher Hitze, und noch heute spricht man in diesem Zusammenhang von den »Hundstagen«.

Oberhalb von Sirius zeigt sich der Prokyon im Kleinen Hund. Und noch höher am Himmel stĂ¶ĂŸt man auf die Zwillingssterne Kastor und Pollux. NatĂŒrlich darf bei der abendlichen Sternbetrachtung auch ein Blick zum Großen Wagen nicht fehlen: Er ist jetzt hoch am Nordosthimmel zu finden.
 
Von Volker Kasten