Abstand halten ist die neue Höflichkeit

Bürgermeister dankt für verantwortungsbewusstes Handeln | Beschlüsse in Corona-Zeiten | Zusammenarbeit

Bürgermeister Gerhard Melching im großen Ratskellersaal, in dem die Mitglieder des Verwaltungsausschusses heute notwendige Beschlüsse fassen wollen.

Bürgermeister Gerhard Melching bedankt sich bei den ­Bürgern, die sich in Zeiten des Corona-Virus verantwortungsbewusst verhalten und auf Abstand gehen.

Dassel. Im Dasseler Rathaus sind zahlreiche Arbeitsplätze ins Homeoffice ausgelagert worden, berichtet er auf Anfrage. Nur noch zwölf von 26 Mitarbeitern arbeiten noch im Verwaltungsgebäude. Das Bürgerbüro ist im Rathaus und im Ratskeller in zwei Teams aufgeteilt. Den Bürgern wird nach telefonischer Voranmeldung geholfen. Neue Ausweispapiere abzuholen, sei derzeit nicht notwendig, meint der Bürgermeister, keiner werde Schwierigkeiten bekommen, wenn er einen abgelaufenen Pass habe. Wer den Ausweis natürlich dringend beruflich benötige, der werde ihn auch bekommen.

»Abstand halten ist die neue Höflichkeit«, ist Melching sicher. Werde dieses Verhalten einige Monate eingeübt, werde es auch nach der Krise Bestand haben, schätzt er. Und dann werde vielleicht auch das Nicht-Händeschütteln nicht mehr als unfreundlich empfunden. Jeder müsse sich darauf einstellen, die jetzt gültigen Abstandsregeln zu verinnerlichen. Die Einhaltung werde sicherlich auf lange Zeit notwendig sein.

Im Rathaus müssten nun Überlegungen angestellt werden, wie künftig Kunden mit dem nötigen Abstand bedient werden können – zum Schutz ihrer selbst und der Mitarbeiter. »Kundenfreundlich wird nicht der offene, sondern der geschützte Bereich sein«, meint er. So appelliert der Bürgermeister an alle, die notwendige Distanz einzuhalten und auf diese Weise andere zu schützen. Solches Verhalten könne auch die Angst vor einer Ansteckung mini­mieren.

Großen Respekt hat er vor der Leistung derjenigen, die im Gesundheitssektor tätig sind und vor denjenigen, die im Lebensmittelbereich arbeiten. Denn sie können ihre Arbeitsplätze nicht ins Homeoffice verlegen.

In Dassel ist derzeit eine Notgruppe für Kinder im Lauenberger Kindergarten eingerichtet, drei Kinder werden hier betreut. Ansonsten sind die Erzieherinnen ebenfalls im Dienst, erledigen Liegengebliebenes, arbeiten an Konzepten.

Auf der Homepage der Stadt findet man für in Liquiditätsengpässe geratene kleine gewerbliche Unternehmen und Angehörige freier Berufe den Link zu aufgelegten Förder­programmen des Landes und Bundes. Und wenn es um Gewerbsteuervorausszahlungen gehe, sagt das Stadtoberhaupt: »Das kriegen wir hin.«

Abgesagt ist die für heute geplante öffent­liche Sitzung des Stadtrates. Der Verwaltungsausschuss wird allerdings die notwendigen Beschlüsse fassen. Tagen können die sieben Mitglieder nicht im kleinen Besprechungszimmer im Rathaus, sondern im großen Ratskellersaal, wo genügend Distanz gehalten werden kann. Desinfektionsmittel steht natürlich bereit. Entscheidungen im Umlaufverfahren zu treffen, bedeute hohen Aufwand, sagt er. Und Entscheidungen müssten getroffen werden, denn man könne nicht davon ausgehen, dass »alles 1:1 weitergeht«. Zu sprechen sei über die Auswirkungen der Krise und damit verbunden sei auch eine möglicherweise neue Priorisierung von Projekten. »Es ist wichtig, dass sich der Verwaltungsausschuss weiter zusammensetzt, wir müssen lernen, wie man in Corona-Zeiten weiter verantwortungsvoll handelt.« Neu ist, dass kein Mitarbeiter das Protokoll der Sitzung führt, sondern der Bürgermeister selbst – um möglichst wenig Menschen an einen Tisch zu holen.

Hoffnung des Bürgermeisters ist es, dass Einzelhandel und Gastronomie weiter in Dassel erhalten bleiben. Wenn nötig sollten sie die Unterstützungsmöglichkeiten von Bund und Land nutzen. Eine Idee wäre zudem, dass man eine online-Plattform auf die Beine stelle. »Ein regionaler online-shop Leine-Solling wäre toll.« Dann hätten die Bürger die Möglichkeit, lokal einzukaufen und Bringdienste zu nutzen und damit das Geschäft nicht Amazon überlassen. Gastronomen könnten sich zusammentun, eine Speisekarte entwerfen und die Taxi-Unternehmen als Lieferdienste einbinden – das wäre vielleicht eine Idee.

Anderes Thema ist das Bestattungswesen – Beerdigungen sind in kleinem Kreis machbar. Der Bürgermeister hofft, dass das Corona-Geschehen in der Form an Dassel vorbeigeht, dass das Bestattungswesen nicht gefährdet wird.

Vor allem aber hofft Melching, dass sich der jetzige Dank gegenüber den Pflegekräften auch später in der Bezahlung deutlich niederschlage. Denn die Einnahmeverhältnisse seien bisher nicht gerecht. Jetzt in der Krise zeige sich, welche Berufe wichtig seien – ein Konzernmanager wohl eher nicht. Deutlich werde auch, wie wichtig eine Reinigungskraft sei, die richtig desinfiziere, unterstreicht er.sts

Dassel

Paul-Gerhardt-Schüler befassten sich mit illegalen Drogen

Rathaus im Home-Office