Auf der Suche nach dem richtigen Motiv

Lüthorster Ralf Finke zeigt beeindruckende Fotografien in der KSN Dassel und in der St. Laurentiuskirche

Zum zweiten Mal ­organisierte die KSN, vertreten durch Geschäftstellenleiterin Andrea Spickermann, gemeinsam mit der Kirchengemeinde mit Pastor Martin Possner (links) eine Kunstausstellung an zwei Orten. Diesmal zeigt Ralf Finke (Mitte) seine ausdrucksstarken Fotografien.

Ausdrucksstarke Fotografien – dafür ist Ralf Finke aus Lüthorst bekannt. In der  Geschäftsstelle der KSN und in der St. Laurentiuskirche sind unter dem Titel »Tempel, Kirchen & Moscheen« mehr als 25 Aufnahmen aus aller Welt zu sehen – beispielsweise auch Fotos von Notre Dame, die es so erst einmal nicht mehr geben wird, und neue Fotos von St. Lauren­tius. Ralf Finke lässt sich auf die Sprache der Gebäude und Rituale ein und hält sie in ihrer Schönheit würdevoll fest – immer aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Dassel. Bereits als 16-Jähriger hat Ralf Finke zur Kamera gegriffen, damals als Austauschschüler in den USA. Mittlerweile mehr als 40 Jahre, zunächst analog und jetzt digital, fotografiert der Lüthorster. Zusammengekommen ist so eine sehr große Anzahl an Fotografien. Seine Motive sind vielfältig, wobei er gerne Menschen ablichtet, erzählt er, natürlich mit dem gebotenen Respekt und deren Einwilligung. Seine Fotografien sind keine Zufalls­produkte, er bereitet sie gut vor. Die perfekte Symmetrie, das richtige Licht, die passende Farbstimmung oder auch mal eine Nebensächlichkeit – all das fängt der 57-Jährige mit der Kamera ein.

Die Architektur von Gotteshäusern spreche ihn an, sagt er. Kirchen suche er nicht nur auf, weil es dort meist kühl sei. Die prächtige Gestalt, hergestellt mit einfachen Mitteln, ziehe ihn an. »Die Einmaligkeit und Schönheit ist hier sofort greifbar«, und so sollen seine Fotos wirken: ohne Erklärung. Am »meisten gequält«, gibt er zu, habe er sich beim Foto der Sultan Qabus Moschee im Oman. »Ich hätte zehn Zentimeter weiter links stehen müssen«, sieht er beim Betrachten der Fotos. Um das perfekte Foto zu »schießen«, fährt er also nochmals hin und setzt seinen Anspruch um.

Bei der Ausstellungseröffnung fand Pastor Martin Possner die passenden Worte. Finke habe als Pilot einen guten Überblick gehabt, unterstrich er. In seinem Berufsleben habe er viele Male die Erde umrundet, habe Orte und Plätze gesehen, von denen viele nur träumen. Dabei sei der Lüthorster nicht nur über den Wolken geblieben, sondern sei eingetaucht in die Lebenswelten der Menschen, habe recherchiert und beobachtet. Er sei nah herangegangen, habe um Erlaubnis für die Ablichtung gebeten, habe sich Zeit genommen und auf das richtige Licht gewartet, um »wahrlich gute und bewegende« Fotos zu machen.
»Seine Fotos zeigen beeindruckende Stadtansichten, großartige und waghalsige Architektur, aber auch Menschen anderer Kulturen aus fernen Ländern.« Wichtig sei ihm die Liebe zum Detail – seit vielen Jahren sei er ambitioniert unterwegs mit dem Blick fürs Motiv.

Der Ausstellungstitel »Tempel, Kirchen & Moscheen« sei in diesen Tagen kein unumstrittenes Thema, fuhr Possner fort. Die Fotos aber stellten Religionen dar – beeindruckende und über die Zeit weisende Gebäude, aber auch religiöse Menschen. Religion sei der Raum, wo Urfragen des Menschen formuliert werden dürfen. Orte der Religion seien oft Zufluchtsorte. Glaube, Kunst, Architektur und Ästhetik gehörten zusammen. Das spüre man, wenn man sich diesen Fotografien aussetze.

Zum anderen gebe es aber auch berechtigte Vorbehalte gegenüber Religion, beispielsweise den Machtmissbrauch. »Die Fanatiker und Falschdenker unter den Religiösen machen uns große Sorgen«, so Possner, sie würden einengen, keine Weite zulassen. Sie wollten kontrollieren und wüssten nichts von der Größe Gottes. Mit diesen Fotos wolle man die Weite zeigen, die schöne, starke und existentiell nötige Seite von Religion. Dass Fotos verschiedener Religionen präsentiert werden, soll untermauern, »dass wir als Christen respektvoll mit der gebotenen Demut uns gegenüber anderen Religionen verhalten«. Das Geheimnis Gottes  könnten Religionen und Menschen nur ver­suchen zu beschreiben, zugleich müsse sich jede Religion aber auch immer hinterfragen und bereit sein, von der anderen etwas aufzunehmen.

Finke dankte KSN und Kirchengemeinde für die Möglichkeit zur Ausstellung. Und er freute sich über den zahlreichen Besuch. Dank galt auch Frank Pape, der die musikalische Umrahmung der Vernissage übernommen hat.

Die Ausstellung »Tempel, Kirchen & Moscheen« wurde bereits vor zwei Jahren in ­Fredelsloh gezeigt. Ein Drittel der nun ge­zeigten Bilder aber sind neu. Ralf Finke präsentiert seine Fotografien zum siebten Mal, unter anderem hat er in Berlin ausgestellt. Die St. Laurentius-Kirche ist verlässlich geöffnet von 10 bis 18 Uhr, die Bilder sind in der KSN während der Öffnungszeiten bis zum
22. August zu sehen.sts