Bereit für Vertrags-Naturschutz

Landwirte stehen für »ordnungsgemäße Landwirtschaft«: Wegraine

Jens Brandes, Joachim Stünkel und Hartmut Demann mit Enkelin Anna: Sie sind überzeugt, dass die Wegraine rund um Amelsen mittlerweile Inseln der Vielfalt sind.

Wie viele Kilometer es von ihnen gibt, weiß keiner ganz genau: Feld- und Wegraine sind ein so offensichtlicher Bestandteil der Kulturlandschaft, dass man ihnen nicht immer die Beachtung schenkt, die sie verdienen. Aber das ändert sich. Wegränder rücken immer mehr in den Fokus von Naturfreunden, Imkern, Kommunalpolitikern, Landwirten, Jägern und anderen Gruppen. In einer Landschaft, die einem immer höheren wirtschaftlichen Druck ausgesetzt ist, bieten Wegraine – ökonomisch betrachtet – keinen Nutzen. Aber sie sind Inseln der Vielfalt: Heimat von Bienen, Schmetterlingen und anderen Vertretern einer reichhaltigen Pflanzen- und Tierwelt.

Amelsen. Die biologische Vielfalt oder Biodiversität ist weltweit auf dem Rückzug. Eine Renaissance blühender Wegraine allein kann dies nicht verhindern. Aber sie sind ein Beitrag dazu, Pflanzen und Tieren der Heimat ein Refugium zu bieten und damit dem Menschen Naturerlebnisse quasi vor der Haustür zu schenken.Das ist jedoch nur möglich, wenn Wegraine zukünftig nicht nur erhalten bleiben, sondern auch so entwickelt und gepflegt werden, dass sie möglichst vielen landschaftstypischen Arten Lebensraum bieten.

Die Landwirt Jens Brandes aus Krimmensen und Hartmut Demann aus Amelsen sind der Meinung: »Das ist massiv besser geworden.« Früher seien die Wegraine von Nebenbetrieben zur Heunutzung abgeerntet worden, und vor dem Amelser Rezess seien die Feldwege gar verpachtet worden.

Brandes gibt zu, nicht alle Berufskollegen in den Schutz nehmen zu können, doch er verweist beispielsweise darauf, dass er selbst auch auf Bienenbrache setzt, denn Bienen und andere Insekten sind unverzichtbar für eine funktionierende Landwirtschaft und Blühstreifen eine Bereicherung für die Landschaft und deren Betrachter. Er verweist zudem auf gesetzliche Vorgaben: Das EU-Recht verlangt, dass landwirtschaftliche Betriebe seit 2015 grundsätzlich zunächst fünf Prozent ihrer Ackerflächen als ökologische Vorrangflächen bereitstellen. Diese Flächen müssen im Interesse des Umweltschutzes genutzt werden, zum Beispiel auch zum Erhalt von Hecken oder als Pufferstreifen zu Gewässern.

Natur-, Arten und Gewässerschutz seien wichtige gesellschaftliche Anliegen, für die sich auch die Landwirte in Niedersachsen einsetzen. Die Bauern seien bereit, hier noch mehr zu leisten. Deshalb gehe das Landvolk den »Niedersächsischen Weg« der Landesregierung. Im Gegensatz zum Volksbegehren »Artenvielfalt« seien die Landwirte eingebunden von Anfang an.

»Aktionsprogramm Artenvielfalt«

Durch extensive Bewirtschaftung wollen Bauern für blühende Wiesen und Weiden sorgen. Wirtschaftliche Nachteile, die sich durch Biotopschutzmaßnahmen ergeben, sollen ausgeglichen werden. Mit der Aufnahme des arten- und strukturreichen Grünlands und den Streuobstwiesen als gesetzlich geschützte Biotope werde auch ein Beitrag für die Umsetzung europäischer Naturschutzziele geleistet.

Bis Ende des Jahres soll ein »Aktionsprogramm Artenvielfalt« erstellt werden. Es soll konkrete Maßnahmen zum Insektenschutz enthalten. Schwerpunkte sind die Förderung der biologischen Artenvielfalt, die Entwicklung von Artenschutz- und Monitoring-Programmen. »Wir sind bereit für Vertrags-Naturschutz«, so Brandes.

Einsatz für Blühpflanzen und Brachflächen

Landwirte engagieren sich bereits mit freiwilligen Maßnahmen: So wurden im vergangenen Jahr in Niedersachsen auf knapp 19.000 Fußballfeldern aktiv Blühpflanzen eingesät und auf 16.500 Fußballfeldern Brachflächen von Landwirten angelegt. »In Amelsen stehen wir für ordnungsgemäße Landwirtschaft«, unterstreicht Demann.

Landwirte und Bürger der Region sind derzeit mit der Ausweisung des Naturschutzgebiets »Ilme« befasst. Das Verfahren kritisiert Joachim Stünkel als übereilt, als »schnell durchgewunken«. Und: »Es ist nicht fair, Menschen in der Nutzung der Landschaft zu beschränken.« Er fordert die Ausweisung nicht als Naturschutz-, sondern als Landschaftsschutzgebiet, was weniger Beeinträchtigungen nach sich ziehen würde.sts

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