»Bewährt in der Arbeit und in der Zusammenarbeit«

Pastorenehepaar Annegret Bettex und Gunnar Jahn-Bettex aus Markoldendorf für dritte Pastorenstelle der Region Dassel eingeführt

»Von der Kraft der Entscheidung« predigte Pastorin Annegret Bettex jetzt in der Markoldendorfer Martinskirche zur Eröffnung der Predigtreihe »Sprücheklopfen geht anders«. Eine Entscheidung haben auch Annegret Bettex und ihr Mann Gunnar Jahn-Bettex getroffen, denn in diesem Gottesdienst wurden sie in die dritte Pfarrstelle in der Region Dassel eingeführt.

Markoldendorf. Die Einführung des Pastorenehepaares Annegret Bettex und Gunnar Jahn-Bettex nahm der stellvertretende Superintendent Karl-Otto Scholz vor. Die Berufung nach der mehrjährigen Probezeit gelte für die dritte Pfarrstelle in den Kirchen in Dassel, Lauenberg/Hilwartshausen, Sievershausen, Lüthorst, Markoldendorf und Hoppensen. »Stellt euch der Welt nicht gleich«, dieses Wort aus dem Römer-Brief wählte er als Motto seiner Ansprache. Sich nicht gleich zu stellen, sei nicht einfach, so Pastor Scholz, und er nahm Bezug auf Joachim Gauck, der Vorträge über innere und äußere Freiheit halte.

Als einer der Wegbereiter der friedlichen Revolution von 1989 wisse er, wovon er spreche. Er habe sich dafür eingesetzt, Verfolgten ihre Akten zu geben und Transparenz zu schaffen – Voraussetzung für Versöhnung. Scholz stellte die Frage, ob Ethik von Pastoren besser sei als die der Welt. Anders sei sie, und die Maßstäbe des Handelns seien bei Jesus selbst zu suchen. Zu Christian Wulff fragte er, ob die Presse Recht habe, die alles von der Familie offen lege. Die Kanzlerin wolle das Amt schützen und die Person des Präsidenten.
Pastoren, so Scholz weiter, würden in ihren Rechten und Pflichten ebenfalls geschützt. Sie müssten sich dabei auch dem Anspruch des Römerbriefs stellen, sich der Welt nicht gleich zu stellen. Dabei sei zu bedenken, dass die Welt nicht gleich sei, es gebe immer Situationen, in denen die Freiheit mit Füßen getreten habe. Christen würden aber Vergebung kennen, aus der Freiheit und Gemeinschaft entstehen könnten. Das Vermitteln in einer Gemeinde, in der es unterschiedliche Strömungen gebe, sei Aufgabe des Pastors, und dafür wolle man Gott um Segen und Geduld bitten.

Annegret Bettex und Gunnar Jahn-Bettex hätten hier unterschiedliche Aufgaben gefunden. Die Pastorin habe sich beispielsweise um Kindergartenarbeit gekümmert, und die konzeptionellen Ideen des Pastors bezeichnete der stellvertretende Superintendent als »genialen Entwurf«. Dazu zählten auch die Nutzung der Marienkapelle als Kolumbarium oder die Ehrenamtlichen-Gottesdienste. »Ihr habt euch bewährt in eurer Arbeit und in der Zusammenarbeit«, bestätigte er, es gebe ein kollegiales Miteinander. Das Amt sei mit besonderen Rechten und Pflichten verbunden, und geschützt werde es von Konvent und Landeskirche. Beides solle, wie ein weiter Talar, nicht einengen, sondern Gottes Freiheit spüren lassen.

Mit ihrer Predigt zum Thema »Von der Kraft der Entscheidung« eröffnete Annegret Bettex die Predigtreihe in der Region Dassel. »Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?«, dies sei eine beliebte Frage bei Einstellungsgesprächen. Sie solle Zielstrebigkeit zeigen und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Das sei nicht einfach, denn es gebe immer einen alternativen Weg. Jede Entscheidung sei ein Wagnis, ein Sprung ins Ungewisse. Viele Abzweigungen nehme man auch nicht bewusst, aber dennoch könne einem die Suche nach dem richtigen Weg den Schlaf rauben. Bleiben oder gehen, diese Frage habe auch sie und ihren Mann beschäftigt. Gelockt habe ein neuer Anfang jenseits schwieriger Entscheidungen. Das sei interessant gewesen, aber vieles sei der Familie hier ans Herz gewachsen. Was man gemeinsam begonnen habe, wolle man zusammen zu Ende führen, »und unsere Töchter fühlen sich hier zuhause.« Es sei gut gewesen, als die Entscheidung getroffen war: »Es fühlte sich richtig an.«

Auch Kirchenvorstände müssten viele wichtige Entscheidungen treffen: zur Fusion, zur verlässlich geöffneten Kirche, zum Abendmahl mit Kindern, zur Kirchenvorstandswahl – und ein Ende der Entscheidungen sei noch nicht gekommen. Entscheidungen zu fällen, erfordere Mut, denn sie könnten falsch sein. Mut, die Zukunft aktiv zu gestalten, könne man beispielsweise aus der biblischen Weisheit des Alten Testaments nehmen, die Thema der Predigtreihe sei. »Der Mensch denkt, Gott lenkt«, so lasse sich der Inhalt schlicht zusammenfassen. Das bedeute nicht, dass man alles offen halten müsse, bis ein Thema entschieden sei, sondern man sollte sich der Wahl stellen und den Spruch als Ermutigung auffassen. Beherzt in eine Richtung zu gehen, bedeute auch, dass die Wege in Gottes Heilsplan mit berücksichtigt seien. Man könne sicher sein, dass kein Weg so falsch sei, dass er in einen Abgrund ohne Gott führe. »Gott steht zu seiner Entscheidung zu uns, und dieses Wissen kann uns Mut machen«, betonte Pastorin Bettex. Wer sich nie zu etwas bekenne, habe im Nachhinein immer gut Reden. Besser sei es, Farbe zu bekennen, auch unter Sachzwängen. »Wir haben uns für Sie entschieden, um das Gemeindeleben gemeinsam zu gestalten«, wandte sie sich an die Gottesdienstbesucher.

Das Wort Gottes wolle man mit Freude unter die Leute bringen. In zehn Jahren sehe man die Gemeinde dort, wohin Gott ihre Schritte gelenkt habe.ek