Rückschau und gespannter Blick auf den Vorsitz

CDU-Stadtverband Dassel: Hauptversammlung mit Ehrung, Rückblick und Diskussion über Merkel-Nachfolge

Zahlreiche langjährige Mitglieder konnte der CDU-Stadtverband Dassel bei seiner Hauptversammlung auszeichnen: für 25, 35, 40, 50 und sogar 60 Jahre Treue zur Partei.

Dassel. Zur Jahreshauptversammlung haben sich die Mitglieder des CDU-Stadtverbands Dassel jetzt getroffen. Thema war neben dem Rückblick unter anderem die bevorstehende Wahl einer oder eines Bundesvorsitzenden. Außerdem konnte der Vorsitzende Joachim Stünkel zahlreiche langjährige Mitglieder auszeichnen. Zunächst erinnerte der Stadtverbandsvorsitzende an verschiedene Ereignisse des vergangenen Jahres.

So hat sich die CDU unter anderem zum Schulstandort Dassel informiert beim Besuch der Oberschule. Positiv beurteilt die Partei den Neubau der Sporthalle an der Paul-Gerhardt-Schule. Besuche gab es auch bei Firmen, die sich neu in Dassel angesiedelt haben, etwa bei Pearl-TV, und auch das ehemalige CVJM-Haus, das zu einer Pflegeeinrichtung wird, war von Interesse.

Über touristische Möglichkeiten für Dassel hat der CDU-Stadtverband mit dem Geschäftsführer des Solling-Vogler-Verbands gesprochen. Im Stadtrat habe man sich in den vergangenen Wochen mit den Haushaltsberatungen beschäftigt. Trotz vieler Investitionen konnte man die Beratungen mit einem positiven Ergebnis abschließen. Allerdings sei im Finanzhaushalt einiges zu bewältigen, unter anderem für das neue Verwaltungsgebäude und den Kindergarten in Markoldendorf.

Man denke aber, dass das die richtigen Entscheidungen waren. Die Feuerwehr benötige in der nächsten Zeit jährlich ein neues Fahrzeug, was nicht durch das Budget getragen werden könne. Nach langer Wartezeit werde auch ein neues Feuerwehrhaus gebaut. Man müsse aufpassen, dass man den Haushalt nicht aufblähe, so Stünkel, denn nach guten Zeiten kämen bestimmt auch wieder schlechte Jahre.

Im Landkreis werde zurzeit über das regionale Raumordnungsprogramm diskutiert. Besonders wichtig sei die Planung für Windenergiegebiet mit Ausschlusswirkung. Darüber werde der Kreistag bei seiner nächsten Sitzung entscheiden. Am Freitag, so Stünkel weiter, stehe aber auch noch eine weitere Entscheidung an: Die CDU besetze den Bundesvorsitz neu. Dieses Jahr sei eine bewegende Zeit für die Partei gewesen.

»Der Streit in der Großen Koalition und der Streit mit Seehofer haben uns die Sprache verschlagen«, stellte er fest. Man habe sich daraufhin auch nicht wundern müssen, dass die Umfragewerte der CDU weiter eingebrochen seien. Die Quittung habe es bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen gegeben, dabei habe man eine Talfahrt erlebt. Zugleich habe man das Gefühl bekommen, dass die Groko sich nur mit sich selbst beschäftigte.

Dies alles habe bei der Bundeskanzlerin zum Entschluss geführt, den CDU-Bundesvorsitz nach 18 Jahren abzugeben. Das sei eine respektvolle Entscheidung Angela Merkels gewesen. Für die Nachfolge gebe es mit Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn drei ernstzunehmende Kandidaten.

Schatzmeisterin Petra Kersten erläuterte, dass der Stadtverband gut gewirtschaftet habe, er stehe finanziell ordentlich da. Besonders freute sich der Vorstand, langjährige Mitglieder ehren zu können: Marie-Louise Dictus und Horst Dictus für 25 Jahre, ebenso Detlef Rettberg und Irene Greve. Gerd Ebbighausen gehört der CDU seit 35 Jahren an, Friedrich-Wilhelm Paulmann, Wilfried Herbst und Karl-August Bartels seit 40 Jahren, August-Wilhelm Meyer seit 50 Jahren und Heinrich Schuchart sogar seit 60 Jahren.

Alle hätten sich, so Stünkel, für die Partei engagiert, seien Motor, Ideengeber und Organisator politischer Arbeit vor Ort gewesen. Dafür sei man sehr dankbar. Abschließend bat der Vorsitzende um ein Meinungsbild dazu, welchem Kandidaten die Mitglieder zutrauten, die CDU wieder auf Erfolgskurs zu bringen, und dazu gab es ganz unterschiedliche Beiträge.

Zum einen wurde die langjährige Vorsitzende Angela Merkel zwar für viele richtige Dinge gelobt; es sei aber nicht gelungen, die Jugend mitzunehmen. Und mit »diesem Seehofer« sei es ein »Desaster« gewesen. Friedrich Merz werde es gelingen, die Partei zu stabilisieren und gut zu führen, er sei der klügste der Bewerber.

Dass er Millionär sei, habe nichts seiner Kandidatur zu tun - zum Wohl der Partei wäre er der beste Kandidat. Von anderen Mitgliedern wurde angemerkt, Merz »könne« bisher nur Opposition, das sei ein Unterschied zu den kommenden Aufgaben. Mit ihm erstelle man zudem ein »Aufbauprogramm für die Sozialdemokraten«. Die CDU sollte nicht nur die Konkurrenz von rechts im Blick haben, sondern auch von Seiten der Grünen.

Jens Spahn hielten viele für »indiskutabel«: Er spalte, und er sei möglicherweise nicht einmal der Richtige für sein Ministeramt. Annegret Kramp-Karrenbauer bringe dagegen Regierungserfahrung mit, sie habe im Saarland ein schwieriges Erbe mit Erfolg angetreten. Die Kluft in der CDU müsse sich wieder schließen, und Merz könne nicht einen. Zudem wurde kritisiert, dass es für den Parteitag in Hamburg keine gewählten Delegierten aus dem Kreisverband gebe. Für den Weg der Partei sei es wichtig, die Bürger mitzunehmen.

In einer veränderten Gesellschaft müsse die CDU dafür sorgen, dass sich die Menschen mit ihren Werten wiederfinden könnten. Angela Merkel sei es leider gewesen, die die Partei auf 25 Prozent gebracht habe. Für Europa und die Welt habe sie viel geleistet, nicht aber für den Mittelstand - und unter diesem Aspekt gab es ein weitere Votum für »AKK«. Merz habe sich gerade in letzter Zeit ungeschickt verhalten.

Wenn man die Partei verjüngen wolle, habe man mit dem 63-Jährigen nicht den richtigen Ansatz. Er bringe zwar frischen Wind, aber bei einer möglichen Kanzlerschaft wäre er Mitte 60. Die Entscheidung, so das Resümee im Stadtverband, sei schwierig. Grundsätzlich »in Ordnung« seien alle drei Kandidaten. Er erwarte jedenfalls, so Joachim Stünkel, ein knappes Votum der 1.001 Delegierten in Hamburg.ek

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