Rat der Stadt Dassel

Die Dasseler sollen künftig zu Grafschaftern werden

Bekenntnis zur Selbstständigkeit / »Gemeinsames Anpacken« für die Stadt / Prägend für Ortschaft / Markoldendorf bleibt Flecken

17 dafür, neun dagegen, eine Enthaltung: Die Dasseler werden Grafschafter. Die Bezeichnung »Stadt« soll in »Grafschaft« geändert werden. Grafschaft soll für den Ortsteil Dassel gelten, Markoldendorf wird weiter als Flecken betitelt. Das entschied der Dasseler Rat in seiner jüngsten Sitzung. Bürgermeister Melching verknüpfte mit der Umbezeichnung der Stadt das Votum für eine Selbstständigkeit, und die Mehrheit folgte ihm in seiner Argumentation.

Dassel. Seit mehr als einem Jahr wird darüber diskutiert, ob sich die Stadt Dassel Grafschaft nennen soll. Eine Änderung der Bezeichnung kann beantragt werden, wenn der Rat der Stadt einen Beschluss fasst – was nun erfolgt ist. Ob das niedersächsische Innenministerium einer Änderung der Bezeichnung zustimmt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob die Bezeichnung Grafschaft für die Kommune prägend ist.

Die touristischen Aspekte wurden in Informationsveranstaltungen ebenso dargestellt wie die geschichtlichen. Referenten hatten herausgehoben, dass der räumliche Zuschnitt der Einheitsgemeinde Stadt Dassel dem zusammenhängenden Gebiet des Eigentums der Grafen von Dassel beinahe exakt entspricht. Das alte Wappen der Grafen von Dassel wird noch heute geführt. Und Rainald von Dassel war eine überaus bedeutende historische Person für Dassel.

Die Abstimmung über die Bezeichnung Grafschaft bezeichnete Bürgermeister Gerhard Melching als wichtig. Er zitierte Historiker wie Berthold Rohmeyer, aber auch Hans Mirus und Professor Dr. Ludger Kappen.
Lüthorst – der Ortsrat hatte die Umbenennung abgelehnt – gehört für Melching zu Dassel – egal, ob als Stadt oder als Grafschaft. Vielleicht trage der Name allein nicht dazu bei, dass der Zusammenhalt der Ortsteile und der Tourismus verbessert würden, meinte der Bürgermeister. Aber welche andere Strategie verfolgten die Kritiker? Einziger Vorschlag für die Weiterentwicklung Dassels im Sinne einer attraktiven Landstadt sei die Bezeichnung »Grafschaft«.
In Dassel habe man viel erreicht, so Melching weiter, beispielsweise die offenen Ganztagsschulen, die Krippe, die Modernisierung von Schulen und Kindergärten, ausgedehnte Öffnungszeiten in den Kindergärten, Selbstbestimmung durch Verantwortung in den Ortschaften, die KES Dassel Süd, die Ortsdurchfahrt Markoldendorf, die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm, den Hochwasserschutz für Lüthorst, die Dorferneuerung in Hilwartshausen oder den Erhalt des Forstamtes Dassel.

»Ich möchte, dass wir weiterhin unsere Zukunft selbst gestalten und hier vor Ort entscheiden«, betonte der Bürgermeister. Nur so könne man Investitionsentscheidungen für Dassel unterstützen und Entwicklungsmöglichkeiten umsetzen. Er sei stolz auf das »gemeinsame Anpacken« für Dassel, und das werde durch die Bezeichnung Grafschaft deutlich. Der Name stehe für die Vergangenheit, aber auch für den festen Willen, die Zukunft selbst zu gestalten. »Wer nicht für die Grafschaft ist, setzt die Selbstständigkeit aufs Spiel.« Dassel müsse nicht nur wachgeküsst, wie früher gefordert, sondern wohl wachgerüttelt werden.

Schließlich müsse man davon ausgehen, dass die kommunale Selbstverwaltung in Niedersachsen bald um ihre Existenz werde kämpfen müssen, blickte Melching in die Zukunft. Nur mit einer klaren Mehrheit für die Grafschaft sah er die Chance für eine Genehmigung und damit den Fortbestand der Eigenständigkeit – denn er will nicht der letzte Bürgermeister Dassels sein.

Für die CDU wiederholte der Fraktionsvorsitzende Joachim Stünkel seine Meinung: Der Name allein mache es nicht. »Es könnte ein Flop werden«, stellte er fest, wenn die notwendigen Strukturen nicht vorhanden seien. Außerdem beschäftige man sich bereits zu lange mit dieser Frage.

Dass es sich lohne zu kämpfen, meinte hingegen der SPD-Fraktionsvorsitzende Achim Lampe. Auch beim Forstamt Dassel habe die CDU gezaudert, dennoch habe sich die Resolution des Rates gelohnt, meinte er. Auch er war sich nicht sicher, ob die Grafschaft Erfolg bringe, doch versuchen solle man es.

Gespalten war die Meinung in der Bürgerforum/FDP-Gruppe. Detlef Muschalla, Bürgerforum, sah keine Vorteile in der Umbenennung, Joachim Kuhle, FDP, wollte damit werben. Petra Kersten, CDU, fürchtete, dass man sich der Lächerlichkeit preisgebe mit der neuen Bezeichnung. Dass die äußere Hülle aber nichts mit dem Inneren zu tun haben müsste, hob Wolf Koch, SPD, heraus. Melching appellierte an die Bürger, die Belange der Demokratie zu stärken und sich für Dassel zu engagieren. »Helfen Sie mit, packen Sie an, und unterstützen Sie die Bemühungen, die Selbstständigkeit der Kommune zu erhalten.«

Bürgermeister Gerhard Melching beantragte bei der Grafschafts-Frage namentliche Abstimmung. Dafür stimmten Cornelia Schmidt (SPD), Gerhard Melching (SPD), Karl Tolle (SPD), Achim Lampe (SPD), Max Schlüter (SPD), Bernd Stünkel (Bürgerforum), Freddy Brackmann (SPD), Helmut Dörger (SPD), Klaus Dumschat (SPD), Wilhelm Fricke (SPD), Heike Hoffmann (SPD), Karl Hütte (Bürgerforum), Karl-Fritz Jörges (CDU), Wolf Koch (SPD), Joachim Kuhle (FDP), Armin Ristau (SPD) und Jobst Volger (CDU). Dagegen waren Karl August Bartels (CDU), Joachim Stünkel (CDU), Harrmut Demann (CDU), Günter Ehling (Bürgerforum), Eckhard Garbe (CDU), Petra Kersten (CDU), Elke Krückeberg (CDU), Detlef Muschalla (Bürgerforum) und Gerhard Ritter (CDU). Ludolf von Dassel (CDU) enthielt sich. Die Dasseler werden – wenn die ministerielle Zustimmung erfolgt – also Grafschafter.sts

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