Glaube reicht weiter als Vernunft

Verabschiedung von Pastor Robert Voss | »Verrückte Zeit« in der Region

Am digitalen Gottesdienst zur Verabschiedung von Pastor Robert Voss nahmen mehr als 70 Personen teil.

Lüthorst. Außergewöhnlich war das Format zur Verabschiedung von Pastor Robert Voss. Die geplanten Präsenzveranstaltungen konnten wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, daher feierten die rund 70 Teilnehmer einen digitalen Gottesdienst. Dies passe zu Robert Voss, sagte Superintendentin Stephanie von Lingen, er habe den Gemeinden in den vergangenen Jahre zahlreiche Akzente und einen großen »digitalen Move« gegeben. Engagiert setzte er sich ein und kreierte immer wieder neue Formate wie Schnitzeljagd mit QR-Codes, Weihnachtsreise mit dem Trecker, Weltgebetstagskochen oder tägliche Losungen in den Sozialen Medien. Mit ihm zusammen habe man eine »verrückte Zeit« erlebt, betonte von Lingen.

Sie leitete zusammen mit Robert Voss den Gottesdienst. Die Begrüßung übernahm Peter Zarske vom Kirchenvorstand St. Magnus Lüthorst, das Evangelium las Katharina Czaika. Für die musikalische Untermalung sorgte Stefan Guhl. Mit eingebunden war auch der Kirchenvorstand aus Sievershausen sowie Pastor Christian Coenen.

Das Motto »Lasset das Wort Gottes reichlich unter Euch wohnen« war während des Gottesdienstes neben Robert Voss oft zu sehen. In der Kirche sitzen die Besucher hintereinander und schauen alle nach vorne zum Altar, sagte von Lingen, digital könne man alle sehen. Auch fehle das Glockengeläut vor Beginn, eine Segenskette wurde digital gebildet.

Nach knapp zweieinhalb Jahren Dienst in den Gemeinden Lüthorst und Emmaus-Dassel werde Robert Voss verabschiedet, teilte Peter Zarske mit. Der Pastor wechselt in die Kirchengemeinde Barterode und sei Schulpfarrer an der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel. Noch gut könne er sich an die Ordination 2019 in Lüthorst erinnern, die Kirche war damals voll. Zahlreiche Aktivitäten initiierte Voss, schuf Transparenz, führte neue Gottesdienstformate ein und setzte zahlreiche digitale Impulse. Gemäß des Psalms »Du stellst meine Füße auf weiten Raum« wünschte Zarske dem Pastor und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. Dem schloss sich der Kirchenvorstand Sievershausen passend zum Lied »Vertraut den neuen Wegen« an. Es sei eine Freude gewesen, mit dem Pastor zusammenzuarbeiten, betonte Lutz von Garmissen. Zu Ostern eine beliebte Tradition stelle das Osterlachen dar. Oft habe Voss die Gemeinde zum Lachen und Mitwirken gebracht, das wünschte er ihm auch in Zukunft.

Weitere Grußworte von Kirchengemeinden, Gruppen und Personen folgten. Im Namen des Teams der Pastoren, Diakone und Prädikanten fasste Christian Coenen zusammen: »Schön, dass Du da warst. Alles Gute für Deinen weiteren Weg«.

Nach dem Evangelium über die Auferstehung von Jesus ging Voss in seiner Predigt auf das Paradoxon um Schrödingers Katze ein. Dabei handelt es sich um ein Gedankenexperiment aus der Physik, das 1935 von Erwin Schrödinger entwickelt wurde. In einer Kiste befinden sich eine Katze, ein Atomkern, ein Detektor und eine tödliche Menge Gift, das bei Ansprechen des Geigerzählers freigesetzt wird.

Durch das geschlossene System wisse man nicht, wie der Zustand des Tieres sei, so Voss. Es liege eine Überlagerung vor zwischen »tot« und »lebendig«. Eine solch eine paradoxe Situation erlebten auch die Frauen im Evangelium. Sie glaubten, den toten Jesus in der Grabkammer vorzufinden; doch er war weg. Ihnen wurde gesagt, er sei von den Toten auferstanden und befinde sich bei seinen Jüngern im fernen Galiäa.

Schockiert und verwirrt verließen die Frauen die Grabkammer. Ihre Gemüter waren durch die Geschehnisse überstrapaziert. Nach der Aussage, dass der Tod die einzige Konstante sei, müsste er vor Ort sein. Dies war nicht der Fall. Es lag ein Frontalangriff auf die Vernunft vor, erklärte Voss.
Der griechische Philosoph Heraklit schrieb hingegen: »Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.« Es gebe demnach Dinge, die die eigene Vorstellungskraft übersteigen. Wenn jemand Naturgegebenheiten überwinden könne, dann der Allmächtige. Er lasse sich nicht durch den menschlichen Verstand einschränken. Der erbetene Friede Gottes reiche weiter als die eigene Vernunft.

Ostern könne man nur durch den Glauben komplett erfassen, so Voss. Bei der Auferstehung habe Gott die »Katze aus dem Sack« gelassen und eine Veränderung zu einem endgültigen Dasein geschaffen, das dem Tod nicht mehr unterworfen sei. »Ein Vorgang jenseits unserer Erfahrung – darauf gründet unser Glaube«, erklärte der Pastor. Die Auferstehung Jesu sei kein einmaliges Erlebnis. Der Friede Gottes gehe über das physische Ende jedes Menschen hinaus – er sei höher als jede Vernunft.

Zum Abschluss erinnerte Superintendentin Stephanie von Lingen an die prägende Zeit von Robert Voss in der Region. Viel wurde zusammen erlebt und durchgeführt. »Das pralle Buch des Lebens habe viele Kapitel«, für das nächste wünschte sie Robert Voss und seiner Familie Kraft, Erfolg und Gottes Segen.mru

Dassel

Kranz in aller Stille niedergelegt