Guter Zuspruch zum ersten Landschaftstag

Gelungene Premiere in Hilwartshausen mit vielen Informationen zu unterschiedlichen Natur-Themen

Beim Landschaftstag des NABU in Hilwartshausen waren unter anderem alte Nutztierrassen zu sehen.

Hilwartshausen. Vor kurzem lud die Ortsgruppe Dassel-Einbeck des NABU zum ersten Landschaftstag ein, und viele Interessierte folgten der Einladung zur Wiese an der Scheeve Schüne in Hilwartshausen. Hier wurde bei bestem Hochsommerwetter einiges geboten.

So waren drei Tierhalter anwesend, die vom Aussterben bedrohte alte Nutztierrassen vorstellten, wie die Leineschafe, die deutlich kleineren Skudden, die Weißen Gehörnten Heidschnucken und eine eher moderne Rasse, die Burenziegen, die ebenfalls für die Biotoppflege geeignet sind. Wer sich über Landschaftspflege mit diesen fleißigen Helfern informieren wollte, fand kompetente Ansprechpartner, die unterschiedliche Wiesenstrukturen und Betriebsabläufe haben und somit einen großen Erfahrungsschatz und ein breit gefächertes Wissen weitergeben konnten. Für große und kleine Besucher waren die Tiere, die man aus der Nähe anschauen und streicheln konnte, der Höhepunkt des Tages. Gezeigt wurden der Klauenschnitt bei Schaf und Ziege und die Verarbeitung der Wolle; es wurde vor Ort gesponnen, und es gab Wollprodukte aus biologischer nachhaltiger Herstellung. Der NABU bot an seinem Stand neben diversen Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten auch Futterhäuser unterschiedlicher Bauart an, dazu kostenlose Informationen, ein Gewinnspiel, das gut angenommen wurde und Wissen rund um das Thema Landschaftspflege abfragte.

Eine der Fragen befasste sich mit dem Begriff »Lamm«. Interessant war, dass etwa ein Drittel der Teilnehmer die Antwortmöglichkeit »Ein Lamm ist ein Lamm, solange es bei der Mutter trinkt« angekreuzt hat. Richtig wäre gewesen: »Es ist ein Tier unter einem Jahr«. Lämmer sind ein dreiviertel bis maximal ein Jahr über die Weiden gesprungen, haben gespielt und ihre Rangordnung mit den Artgenossen gefunden und verteidigt, haben Gemeinschaft genossen und gekuschelt, Kräuter und Büsche gefressen, Wind und Wetter erlebt, bevor sie - noch immer als Lamm - schließlich verkauft beziehungsweise geschlachtet werden. Eine andere, vielleicht erheiternde Frage bezog sich auf den Ziegenbock. Auch hier gab es nur wenige richtige Antworten, nämlich dass ein paarungsbereiter Ziegenbock großzügig uriniert. Für den Menschen schwer nachvollziehbar, finden weib­liche Ziegen den daraus folgenden Geruch sehr anziehend.

An der Grillbude konnte man auch Bratwurst vom Leineschaf probieren, die sich zum Verkaufsschlager entwickelte. Die Treckerfreunde Hilwartshausen zeigten einige historische Gerätschaften und Fahrzeuge, die vor allem bei den männlichen Besuchern für Begeisterung sorgten. An den Ständen, Tischen und Bänken im Schatten der Obstbäume kamen gute Gespräche in Gang, nicht nur über extensive Weidetierhaltung, die unter anderem einen großen Kohlenstoffspeicher darstellt und somit interessant auch für den Klimaschutz ist; auch das weiter fortschreitende Vogel- und Insektensterben wurde diskutiert, ebenso die Rückkehr des Wolfs in den Solling. Wieder einmal zeigte sich in den emotional geführten Diskussionen, wie sehr dieses Thema die Bevölkerung spaltet. Der NABU machte jedoch deutlich, dass ein Zusammenleben nicht nur von Mensch und Wolf im selben Lebensraum, sondern auch von Schaf/Ziege und Wolf durchaus möglich ist. Hier flossen Erfahrungen der Schaf- und Ziegenhalter aus der Umgebung ein.

Der erste Landschaftstag in Hilwartshausen war ein Erfolg, und alle Teilnehmer waren so zufrieden, dass man eine zweite Veranstaltung für 2021 ins Auge fasst. Gelobt wurde beispielsweise die angenehme, kollegiale Atmosphäre auf dem Gelände sowie die professionelle und weitgehend stressfreie Unterbringung der Tiere.

Wer sich für die Arbeit der NABU-Ortsgruppe Dassel-Einbeck interessiert, gezielte Fragen zum Naturschutz hat oder Ähnliches, kann sich an das NABU-Büro wenden oder unverbindlich zu einem der monatlichen Info-Treffen kommen. Der nächste Termin ist am Mittwoch, 18. September, ab 18 Uhr im Kunsthaus »Collage« in Dassel, Neue Straße 13. Mitglieder und interessierte Besucher sind willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.oh