Kluger Analytiker mit warmem Herzen

Gerhard Wittkugel, Schulleiter der PGS, in den Ruhestand verabschiedet: Tüftelnde Ingenieurshaltung

Bei seiner letzten Tour durch die Schule verabschiedete sich der Schulleiter – die Schüler hatten sich dafür die verschiedensten Aktionen ausgedacht – bei einer siebten Klasse musste er Fische angeln und dabei Fragen beantworten.

Dassel. Er hat die Segel gesetzt – Gerhard Wittkugel, seit 2007 Leiter der Paul-Gerhardt-Schule, geht in den Ruhestand. Vorher aber nahm er viele gute Wünsche von den Schülern entgegen, und auch im Schuljahresabschlussgottesdienst und bei der offiziellen Entlassung wurde ihm große Wertschätzung entgegen gebracht.

Schüler und Lehrer der PGS sorgten für einen besonderen Abschied. Mit seinem »Arche-Schiff« zog der Schulleiter vormittags über das Schulgelände, verabschiedete sich von allen Schülern. Dabei musste er sich Rückenwind beziehungsweise Segel »verdienen«. Die einzelnen Jahrgangsstufen hatten – passend zum Motto – verschiedene Aufgaben vorbereitet – so musste er sein »Schiff« sicher durchs Bermuda-Dreieck manövrieren, Seemannsknoten legen, Fachvokabular übersetzen und Lieder gurgeln.

Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track ging im Schuljahresabschlussgottesdienst  auf Wittkugels Leben ein, der zwei Studiengänge und eine Ausbildung absolviert hat, der musikalisch und sportlich interessiert ist und der auch Kabarett macht. »Welch eine Lebensfülle«, urteilte sie, »Wie wunderbar, dass Sie mit diesen Begabungen Pastor und Schulleiter in dieser Landeskirche geworden sind.« Der Ruhestand nun dürfe aber nicht dazu führen, die Gaben »einzumotten«.

Sie war sicher, dass Wittkugel die Segel neu setzen werde, immer mit dem christlichen Kreuz auf dem Segel. Wittkugel habe die Menschen im Blick und nehme sich selbst zurück. Auf großen Schiffen wie Schule könnten die Segel nicht alleine gesetzt werden, und so stehe Wittkugel auch für Teamwork. Die Kompassnadel des 60-Jährigen zeige nun in Richtung Ruhestand, wo neue Häfen warteten. »Ihr Schiff ist klar zum Auslaufen in neue Lebensgewässer. Gott wird dabei sein.« Und so entpflichtete Gäfgen-Track Wittkugel nach zwölf Jahren als Schulleiter in Dassel, Pastor wird er sein Leben lang bleiben.

In Richtung der Schüler unterstrich die Oberlandeskirchenrätin, dass Gott ihnen viele Gaben schenke. Der scheidende Schulleiter habe die Schule zu einem guten Ort des Lernens gemacht, an dem sie sich entdecken und sich selbstständig entwickeln konnten.

Superintendentin Stephanie von Lingen verabschiedete den »Kapitän, der von Bord geht«, wollte aber vorher die »Kombüse füllen für Leib und Seele«. Gäfgen-Track bescheinigte Wittkugel großes pädagogisches Geschick. Offen, vertrauensvoll und engagiert habe man zusammengearbeitet. Von 1986 bis 1989 war Wittkugel Vikar in Buxtehude, legte auch die erste Staatsprüfung im Lehrberuf ab, arbeitete dann als Pastor im Kirchenkreis Stade, nahm bewusst Kindererziehungszeit und absolvierte eine Ausbildung als Gestalttherapeut. 1997 wurde er evangelischer Schulpastor an einer IGS, danach Beauftragter für Schule und Kirche in Ostfriesland. Zum 1. August 2007 wurde er zum Schulleiter in Dassel berufen.

Verknüpfung  von Theorie und Praxis sei für Wittkugel wichtig gewesen, ebenso die Evaluation. Das Wichtigste aber seien die Schüler, auf sie gelte es zu achten. »Sie haben ein ­pädagogische und didaktisches Kleinod geschaffen«, urteilte Gäfgen-Track, eine »sich für andere einsetzende Schule«. Die Oberlandeskirchenrätin schätzte ihn als Gesprächspartner, lobte seine »kluge Analyse und warmherzige Art«. Hartnäckigst habe er für die Turnhalle gekämpft. Der Landeskirche und dem Schulwerk habe Wittkugel einen großen Dienst erwiesen: »Sie waren ein prima Schulleiter.«

Dassels Bürgermeister Gerhard Melching, stellte fest, dass sich das Gesicht der PGS dank des Schulleiters inhaltlich und baulich verändert habe. »Die Zusammenarbeit war immer vertrauensvoll und gut«, unterstrich er. Pastor Martin Possner hätte gerne den Anker geworfen, um Wittkugels Schiff in den Ruhestand zu stoppen. Zur Kirchengemeinde und zur Region habe der 60-Jährige herzliche Nachbarschaft gepflegt. »Der Draht war immer sehr kurz.« Possner nannte viele gemeinsame Projekte und dankte für die gute Zusammenarbeit. Gerd Brinkmann und Bernd Dralle vom Schulwerk bedankten sich in Versform für das Engagement Wittkugels für den Sporthallenneubau. Wittkugel habe die Menschen achtsam wahrgenommen, sei »fehlerfreundlich« und »inspirierend«.

Einen besonderen Gruß schickte die Goibei-Girls-High-School aus Kenia. »All the best for the future« wünschte die Partnerschule mit rhythmischem Beifall. Die Schülervertretung bedankte sich für ein immer offenes Ohr und die große Unterstützung. Dem Dank schlossen sich Hartmut Bertram, ehemaliger Schulleiter der Einbecker Goetheschule, die ehemalige Schulpastorin Brigitte Bittermann, die Mitarbeiter- und die Elternvertretung, die eine »Heimatbank« übergab, an. Monika Fahrenbach, die nun kommissarisch die Schule leiten wird, stellte besonders das unter Wittkugel entwickelte Schulprofil heraus. Das »Außerhalb-der-Reihe« und »der Mensch im Mittelpunkt« machten die PGS aus. Wittkugel habe für »Freiräume« für Schüler und Lehrer gesorgt.

Geduld, Zuversicht und Beharrungsvermögen bescheinigte sie Wittkugel, der sich für das selbstgesteuerte Lernen eingesetzt hat. Das selbstgesteckte Schulentwicklungsprofil habe er erreicht: die Schüler zu selbständigen Menschen erziehen, die die Zukunft verantwortlich gestalten. Und nebenher habe es viele Aktionen gegeben, beispielsweise Schüleraufführungen im Deutschen Theater oder Kunst-Auktionen. Entwickelt habe sich so etwas wie eine »Lex PGS«, denn trotz Aussichtslosigkeit habe Vieles ein gutes Ende genommen – dank der »tüftelnden Ingenieurshaltung« von Wittkugel. Der Schulleiter habe den Pädagogen »immer Rückenwind gegeben«, lobte Fahrenbach Und sie bekräftigte, dass es sicherlich eine »große Leere« nach dem Weggang gebe, aber vielleicht auch ein neues Miteinander.

Das Schulleitungsteam mit Birgit Witte, Martin Spiegel, Kathrin Muhs-Braun und Monika Fahrenbach bedankte sich ebenfalls, und am Ende musste Wittkugel alle Mitarbeiter abklatschen. Er dankte für den »wunderbaren Tag«. Zwölf »herausfordernde Jahre« habe er erlebt, die PGS sei ihm »tief ins Herz gewachsen«, unterstrich er. Manches sei gelungen, manches müsse überprüft und verändert werden. Schule sei ein Prozess, müsse immer neu erfunden werden, damit sie gut sei für die Schüler von heute. Wittkugel dankte seinen Kollegen, dass sie  »mit Augenmaß und Herz« bereit gewesen seien, die Schule zu entwickeln. Sein Dank galt Schülern, Eltern und Erziehungsberechtigten, dem Schulleitungsteam und allen Mitarbeitenden, dem Schulwerk und dem Bildungsdezernat, ebenso wie seiner Frau Jutta. Er habe sich Mühe gegeben, betonte er, zugleich wisse er um seine Beschränktheit als Mensch.

Man könne sich immer sicher sein, dass Wittkugel durchkomme, stellte Superintendentin Stephanie von Lingen fest. Viele Projekte hätten in den Kirchenkreis hinein gewirkt. »Du wirst uns fehlen.«

Bilder aus den vergangenen zwölf Jahren flimmerten über die Leinwand, so dass die Gäste Rückschau auf zwölf Jahre PGS unter Wittkugel halten konnten. Wie vor einiger Zeit vom Schulleiter angeregt, wurde erstmals gemeinsam ein Schullied gesungen: »Es steht in Laub und Blüte.« Für den musikalischen Rahmen sorgten die Bläserklassen und die Concert-Band. Karl-Richard Kappey und Kevin Runge lockerten die Feierstunde mit dem Poetry-Slam »Abschied gegen Neuanfang« auf. Verabschiedet wurden von Schulpastor Torsten-Wilhelm Wiegmann im Gottesdienst auch die Lehrkräfte Ralf Tost und Dr. Horst Worm sowie Alonso Heise.sts