Ländlich und innovativ, aber auch frech und wild

Landfrauen »Am Solling« feiern Jubiläum | Ehrung von Gründungsmitgliedern | vielfältiges Programm

Dassel. Etwas Besonderes seien die Landfrauen »Am Solling«, lobten die vielen Ehrengäste sowie Landesvorsitzende Barbara Otte-Kinast bei der Festveranstaltung zum 50 jährigen Jubiläum in Dassel. Die Mitglieder seien nicht nur weiblich, ländlich und innovativ, sondern auch manches Mal frech und wild. Nach der Begrüßung durch Vorsitzende Carola Creydt gratulierte Bürgermeister Gerhard Melching zum Jubiläum.

In den 50 Jahren des Bestehens habe sich die Landwirtschaft stark strukturell verändert. Auch dank des Einsatzes großer Maschinen ernähren stetig weniger Personen immer mehr Menschen. Die Landfrauen seien ein guter Kulturträger. Sie pflegen die alten Traditionen, würzen sie aber auch oft mit neuen Ideen. Viele Menschen wollen »echte« Produkte mit Heimatgefühl, dafür setzen sich die Landfrauen ein.

Melching dankte für das große Engagement der Mitglieder und wünschte alles Gute für die Zukunft. In 50 Jahren haben sich zahlreiche Frauen ehrenamtlich mit Ideen und Engagement für die Landfrauen »Am Solling« eingebracht, sagte Irene Strohmeyer vom Kreisverband der Landfrauen Einbeck, das sei lobenswert.

Eine tatkräftige und aktive Zukunft wünschte sie. Vom Landvolk Northeim-Einbeck betonte Hartmut Danne, dass die Gesellschaft sehr auf die Landfrauen angewiesen sei. Die Leistung der landwirtschaftlich hergestellten Produkte müsste jedoch mehr gewürdigt werden. Immer bunter und vielfältiger werden die Welt, die Landfrauen auch. Sie stammen aus verschiedenen Berufen; gemeinsam setzte sie sich ein und seien gute Ansprechpartner.

1967 war ein außergewöhnliches Jahr, erläuterte Sabine Aßmann von der Volksbank. Farbfernseher, Mikrowelle und Taschenrechner kamen auf den Markt, die Landfrauen »Auf dem Solling« gründeten sich. Neben der täglichen Hausarbeit und den landwirtschaftlichen Tätigkeiten gab es Treffen. Fahrten und Veranstaltungen folgten. Die Traditionen des ländlichen Bereichs werden gepflegt sowie vielen helfend zur Seite gestanden.

Glückwünsche zum Jubiläum überbrachten auch Heinz und Marie-Luise Voß, ehemalige Vorsitzende der Landfrauen. Gegründet wurde der Verein am 1. Februar, 1967 in Sievershausen, teilte Susanne Schoppe mit, erste Vorsitzende wurde Ursula Schwerdtfeger. 31 Frauen aus Sievershausen, Hilwartshausen und Relliehausen beteiligten sich.

Ab 1971 leitete Else Manthey den Verein, ab 1975 Dietlind Meyer, ab 1984 Marie-Luise Voß, ab 1994 Magdalena Ziegler und ab 2006 die jetzige Vorsitzende Carola Creydt. Zusammen mit dem Kreisverband Einbeck werden viele Aktionen und Fortbildungen durchgeführt. Bei den Landfrauen »Am Solling« gibt es jedes Jahr ein vielfältiges Programm.

Neben Versammlungen an wechselnden Orten sprechen Referenten über interessante Themen wie Hauswirtschaft, Ernährung, Gesundheit, Reisen, Kultur, Frauenpolitik, Umweltschutz oder Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Land. Zahlreiche Fahrten wurden unternommen. Eng arbeite man mit niedersächsischem Landfrauenverband, Landvolk, Landwirtschaftskammer und der ländlichen Erwachsenbildung zusammen.

Für die Zukunft wünschte sich Schoppe, dass die Landfrauen weiter aufgeschlossen bleiben, aktiv an Versammlungen und Aktivitäten teilnehmen sowie neue Mitglieder gewonnen werden, damit der Verein erfolgreich bleibe. Die Landfrauen »Am Solling« seien eine starke Gemeinschaft - »weiblich, ländlich und innovativ«. Barbara Otte-Kinast, Vorsitzende des Landesverbandes, stellte in ihrer Gratulation fest, die Landfrauen seien »frech, wild, wunderbar und pikant«.

Eine lebendige Vorstandsarbeit herrsche vor Ort, viele neue Ideen fließen ein, ein vielfältiges Programm werde angeboten, die Lust auf Neues sei groß. Jeder trägt zum guten Gelingen bei. Betrieb, Familie, Ehrenamt und Politik unter einen Hut zu bringen, »wir Frauen schaffen das in der Regel.« Frech zu sein, habe dabei Tradition: Von Beginn an musste man es sein, um Ideen umzusetzen. Das gelte immer noch. Man müsse auch streitbare Themen öffentlich machen.

Die Landfrauen hätten mit 70.000 Mitgliedern Macht als Verband. Es sei ihnen wichtig, öfter mal gehört zu werden, gerade bei Entscheidungen, die sonst in Hannover am Schreibtisch getroffen würden. Den Landfrauen gehe es darum, den ländlichen Raum in vielen Bereichen zu stärken und zu stützen. Sie seien dabei bodenständig, ließen gesunden Menschenverstand walten und seien es gewohnt, effektiv zu arbeiten.

Da müsse man gelegentlich auch mal laut und fordernd auftreten, statt nur ruhig dabei zu sitzen. »Mein Herz schlägt für die Landwirtschaft«, versicherte Otte-Kinast, die mit ihrer Familie einen Milchhof bewirtschaftet. Es ärgere sie, wenn Politiker vor Wahlen auf den Höfen auftauchten, hinterher aber immer wieder gebettelt werden müsste, beispielsweise um jährliche Zuschüsse für das Erfolgsprojekt »Kochen mit Kindern.« zu bekommen.

Dieses sei zum Glück jetzt für drei Jahre gesichert. Singen, kochen, backen, Erntekronen binden, das könnten die Landfrauen super, aber auch anderen Inhalten gegenüber seien sie aufgeschlossen. So werde unter anderem die Schulung »Erfolg wird weiblich« angeboten sowie auf Dialog statt auf Konfrontation gesetzt. »Redet mit uns, statt über uns«, dazu rief die Landesvorsitzende auf. Großartig seien auch die Projekte wie »Kochen mit Kindern«; freche und wilde Angebote gebe es.

»Wir sind wunderbar und ‘der’ Bildungsträger im ländliche Raum«, betonte die Landesvorsitzende. »Integration mit Herz und Verstand« laute das Drei-Jahres-Thema, das jetzt anlaufe. Auf die Auftaktveranstaltung am 29. März in Friedland freute sie sich. Die Aufmerksamkeit für Randgruppen sei zu steigern. »Wenn in der Zukunft die Hoffnung liegt, ist die Kraft in der Gegenwart«, das gilt auch für die Landfrauen, sie werden immer gebraucht.

»Sie tragen dazu bei, dass die Arbeit der Landfrauenverein frech, wild und wunderbar in die Zukunft geht«, sagte die Vorsitzende. Für die Bereitschaft, ein Vorstandsamt zu übernehmen, dankte sie wie für die Tätigkeit der Ortsvertrauensfrauen: »Sie haben den Ort im Blick. Sie sind die Basis für die Vereinsarbeit.«

Während Günter (Marain Hasselmann) und Frida (Christina Creydt) die Zuschauer tänzerisch faszinierten, sorgte Bauer Frank (Frank Gattermann) für humoristische Kurzweil. In den vergangen 50 Jahre habe es viel Fortschritt gegeben. Schon vor dem ersten Computer bot seine Bäcker eine »Mehlbox« an.

Viele Männer möchten eher eine wacklige Theke als eine feste Freundin. Mit der Nachbarschaft müsste man sich als Bauer gut verstehen, vor allem mit der Nachbarin. Carola Creydt ehrte zusammen mit Stellvertreterin Ulrike König langjährige Mitglieder. Seit der Gründung aktiv bei den Landfrauen sind Magdalena Ziegler, Ingrid Klöpper, Inge Aßmann, Edith Melching, Herta Schoppe, Christa Ebbighausen und Ruth Sievert. Zum Abschluss dankte König allen, die zum Gelingen der Jubiläumsveranstaltung beigetragen haben und sich aufopferungsvoll für den Verein engagieren, bevor gemeinsam das »Landfrauenlied« erklang.mru



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