Nicht passend und zu unflexibel

Auswertung der Haushaltsbefragung zu »Mobilität im ländlichen Raum« vorgestellt

Dassel. Dassel verfügt über ein für die Bürger unzureichendes und in vielerlei Hinsicht ausbaufähiges ÖPNV-System. Hauptsächliche Hindernisse sind die Faktoren Zeit, Flexibilität und Verfügbarkeit. Diese Faktoren gelte es anzupassen, damit die Dasseler Bürger zufrieden sind und damit die Nachfrage zum ÖPNV verbessert wird.

Dieses Fazit zieht die Betriebswirtschaftlerin Inken Dulce, die im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut (MPI) für Dynamik und Selbstorganisation, betreut von Professor Thomas Kneib, die Anforderungen an ein modernes öffentliches Verkehrssystem ermittelt hat. Der entsprechende Fragebogen als Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit wurde im vergangenen November über die Einbecker Morgenpost verteilt.

Gefragt wurden die Dasseler in dem Fragebogen nach ihren Hauptanfahrtsorten, den benutzten Verkehrsmitteln und den zurückgelegten Entfernungen, nach den Stopps (möglicherweise zum Einkaufen) an den Hauptwegen. Untersucht wurde zudem, welche Gründe es dafür gibt, dass der ÖPNV nicht genutzt wird und welche Anfahrtsorte gerne mit dem ÖPNV erreicht werden sollen.

Ermittelt wurde weiter der Bedarf, an welchen Tagen und zu welcher Zeit der ÖPNV benötigt wird. Die Möglichkeit mobil und unabhängig vom motorisierten Individualverkehr zu sein, stelle ein Grundbedürfnis der Menschen dar, formulierte Dulce. Gerade für Bewohner der ländlichen Regionen sei die Mobilität über die Grenzen des eigenen Wohnorts hinaus ein großes Bedürfnis.

Allerdings sei diese Möglichkeit der Bewegungsfreiheit nicht überall gegeben.Zusammenfassend konstatiert Dulce, dass Dassel über ein für die Bürger unzureichendes und in vielerlei Hinsicht ausbaufähiges ÖPNV-System verfügt. Der Großteil der Bevölkerung lege eine Strecke zwischen null und fünf Kilometern zurück, um an den Hauptanfahrtsort oder das Hauptanfahrtsziel zu gelangen.

Für diese Strecke werde hauptsächlich das Auto genutzt. Aufgrund des hohen Zeitaufwands, der Inflexibilität und der schlechten Verfügbarkeit werde dem ÖPNV das Auto vorgezogen. Momentan werde das Auto im Vergleich zum ÖPNV als wesentlich komfortabler empfunden. Die meisten Befragten gaben an, den ÖPNV vor allem aufgrund der schlechten Verfügbarkeit aktuell nicht genutzt zu haben.

Ein möglicher Bedarf, den ÖPNV zu nutzen, besteht auf Strecken zum Arzt, zu Freizeitaktivitäten oder zum Einkauf. Diese Strecken sind unter der Woche besonders zwischen 8 und 10 Uhr und zwischen 16 und 18 Uhr gewünscht. Bezüglich der Zahlungsbereitschaft lässt sich konstatieren, dass die Befragten einen höheren Preis für einen angepassten ÖPNV zahlen würden.

Hauptsächlich wurden in der Auswertung die Faktoren Zeit, Flexibilität und Verfügbarkeit als hindernd empfunden, den ÖPNV zu nutzen. Dementsprechend gilt es diese Faktoren anzupassen, um einen Anstieg der Zufriedenheit der Bürger und Nachfrage des ÖPNV in Dassel zu erreichen.

Ein wichtiges Ergebnis aus der Auswertung der Angaben der Befragten ist, dass die Personen, die bereits bis zu 20 Euro für ihre ÖPNV-Nutzung bezahlen, ebenfalls bereit wären 20 bis 50 Euro für ein verbessertes System auszugeben. Hier könnte erforscht werden, unter welchen Voraussetzungen das System verbessert werden muss, um eine höhere Zahlungsbereitschaft zu erzielen.

In der vorliegenden Studie wurden die Anfahrtsziele, die Wochentage und die Uhrzeiten des möglichen Bedarfs des ÖPNV analysiert. Das Ergebnis von zwei Stoßzeiten innerhalb der Woche mit dem Ziel des Einkaufs, könnte in weiterer Forschung genauer ermittelt werden. Zum Beispiel kann durch Testfahrten zu den ermittelten Stoßzeiten eruiert werden, ob die Bürger dadurch einen Mehrwert ihrer Lebensqualität haben.

Forschungsbedarf besteht ebenfalls in der Preisgestaltung der ÖPNV-Tickets. Zum Abschluss stellte Dulce fest, dass mithilfe dieser Untersuchung die Faktoren Zeit, Flexibilität und Verfügbarkeit als zu ändernde Faktoren des ÖPNV-Systems in Dassel definiert wurden.

Nach der Anpassung dieser Faktoren an die Mobilitätsbedürfnisse der Bürger Dassels, können sie zu einer höheren ÖPNV-Nachfrage und einer höheren Zufriedenheit der Nutzer führen. Das MPI bedankte sich bei allen, die an der Umfrage teilgenommen haben.

Und Bürgermeister Gerhard Melching bedankte sich bei Inken Dulce für ihre Grundlagenforschung. Auf Basis dieser Fakten könne man nun weiterarbeiten: »Mobilität ist ein ganz dickes Brett, das wir bohren werden.« Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen arbeitet am Projekt »EcoBus«.

Per Zentralrechner soll »EcoBus« geschickt Fahrten zusammenstellen und diese an die Betriebspartner vermitteln, die die eigentlichen Fahrten durchführen. So werden in der Regel Kleinbusse die Fahrgäste an den gewünschten Orten abholen und absetzen. Ob Dassel später als Ort für ein »EcoBus«-Pilotprojekt geeignet ist, steht nicht fest. Um aber den späteren Transport von Tür zu Tür mit Reisezeitpunkten nach Kundenwunsch zu verwirklichen, wird wissenschaftliches Arbeiten vorgeschaltet.sts



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