Möglichst viele sollen die App nutzen

Einfaches Herunterladen | Bürgermeister: Datenschutz nicht über Gesundheitsschutz stellen

Schon installiert: Die Corona-Warn-App auf dem Handy des Bürgermeisters.

Dassel. Bürgermeister Gerhard Melching hat sie schon installiert, und er hat ausdrücklich erlaubt, die Corona-Tracing-App auf dienstlichen Handys zu installieren. Seit wenigen Tagen kann sie heruntergeladen werden, sie soll helfen festzustellen, ob man mit einer infizierten Person in Kontakt geraten ist und daraus ein Ansteckungsrisiko entstehen kann. So sollen Infektionsketten schneller unterbrochen werden. Die App ist ein Angebot der Bundesregierung. Download und Nutzung der App sind freiwillig. Sie ist kostenlos im App Store und bei Google Play zum Download erhältlich.

App macht Smartphone zum Warnsystem

Die App macht das Smartphone zum Warnsystem. Sie dokumentiert die digitale Begegnung zweier Smartphones. So kann die App den Nutzer besonders schnell darüber informieren, falls er Kontakt mit einer Corona-positiv getesteten Person hatte. Je schneller man diese Information erhält, desto geringer ist die Gefahr, dass sich viele Menschen anstecken. Deshalb ist die App neben Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, Abstandhalten und Alltagsmasken ein Mittel, um das Coronavirus einzudämmen, schreibt die Bundesregierung.

Die Corona-Warn-App informiert den Nutzer, wenn er sich längere Zeit in der Nähe einer Person aufgehalten hat, bei der später eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt wurde. Die App erkennt andere Smartphones in der Nähe, auf denen die App ebenfalls aktiviert ist. Die App speichert dann deren zufällige Bluetooth-IDs (Zufallscodes) für begrenzte Zeit. Diese verschlüsselten IDs (Zufallscodes) erlauben keine Rückschlüsse auf den Nutzer oder seinen Standort.

Projekt im Auftrag der Bundesregierung

Die Corona-Warn-App nutzt die Bluetooth-Technik, um den Abstand und die Begegnungsdauer zwischen Personen zu messen, die die App installiert haben. Werden Personen, die die App nutzen, positiv auf das Coronavirus getestet, können sie freiwillig andere Nutzer darüber informieren. Dann werden die Zufallscodes des Infizierten allen Personen zur Verfügung gestellt, die die Corona-Warn-App nutzen.

Das eigene Smartphone hat keine Informationen darüber, wer infiziert ist. Es weiß lediglich, dass es in der Nähe eines anderen Smartphones war, auf dem ein verifiziertes positives Testergebnis hinterlegt wurde. Ob ein positives Testergebnis geteilt wird oder nicht, entscheidet grundsätzlich jede Person für sich.
Die Corona-Warn-App ist ein Projekt im Auftrag der Bundesregierung. Basierend auf einer dezentralen Softwarearchitektur haben die Unternehmen Deutsche Telekom und SAP die Anwendung entwickelt. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum CISPA standen hierbei beratend zur Seite. Um die notwendigen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit zu gewährleisten, wurden das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sowie der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und Informationsfreiheit eingebunden.

Innerhalb weniger Tage erfreut sich die App großer Resonanz: bereits im zweistelligen Millionenbereich liegt die Zahl derer, die sie heruntergeladen haben. Und: Die Anwendung läuft batterieschonend im Hintergrund.

Es gibt aber auch Kritik: Eine Installation ist auf Apple-Geräten erst ab dem Betriebssystem iOS 13.5 möglich. Ältere Modelle wie das iPhone 5, 5s oder 6 reichen dafür nicht aus. Auch bei Android sind nicht alle Smartphones kompatibel für die App. Auf dem Gerät muss mindestens Android 6 installiert sein, zudem müssen die Google Play Services laufen.

Die Nutzung der Corona-Warn-App ist freiwillig und dient dem persönlichen Schutz sowie dem Schutz aller Mitbürger. Die App ersetzt nicht vernünftiges Verhalten. Heißt:: Die Menschen sollen weiter Abstand halten und Maske tragen.

Nur nationale Apps

Das Herunterladen habe gut funktioniert, berichtet Bürgermeister Gerhard Melching. Er bemängelt allerdings, dass die App der Bundesregierung im Google Play Store nicht die erste App sei, die man finde, sondern viele irrelevante Apps davor angeboten werden.
Bedauerlich sei, dass die App nur auf aktuellen Betriebssystermen laufe. Er hofft trotzdem, dass viele die App nutzen, weil »der Zweck wichtig ist«: dass man sich wieder frei bewegen könne und Kontakte möglich seien.

Er beanstandet, dass es keine europaweite Lösung gegeben gebe. Es sei traurig, dass es nur nationale Apps gebe und die EU sich nicht auf ein System habe einigen können.

Geradezu lächerlich findet er es, wenn Fragen des Datenschutzes über den Gesundheitsschutz gestellt werden. Die kritisierte Überwachung der Bürger auf Schritt und Tritt sei keinesfalls Ziel. Und dabei würden bereits viele Menschen es akzeptieren, dass der Konzern Google über alles Bescheid wisse.
Auch der Spitzenverband, der Städte- und Gemeindebund hat die App empfohlen.sts

Dassel

»Personell können wir das nicht stemmen«