Museum »Grafschaft Dassel« öffnet

Uwe Riedel aus Holzminden an der Spitze des Fördervereins will mit neuen Ideen Besucher anlocken

Uwe Riedel ist der neue Vorsitzende des Fördervereins Museum »Grafschaft Dassel«. Mit frischem Schwung geht er an die ehrenamtliche Arbeit.

Dassel. Frischer Wind zieht in das Museum »Grafschaft Dassel« am Teichplatz in Dassel ein. Professor Dr. Ludger Kappen, der sich jahrelang um das Museum verdient gemacht hat, hat sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Der neue Vorsitzende des Fördervereins heißt Uwe Riedel. Mit neuem Konzept möchte er mehr Besucher anlocken, vor allem auch Familien mit Kindern.

Uwe Riedel ist vor eineinhalb Jahren nach Holzminden gezogen und als Lehrer für Kunst seitdem an der Rainald-von-Dassel-Schule tätig. Vorher war er Leiter Museumspädagogik und Öffentlichkeitsarbeit im Museum Abteiberg in Mönchengladbach und hat dort verschiedene Austellungen realisiert und Museumsführungen konzeptioniert. Ehrenamtlich setzt er sich nun für das Museum ein. Er hofft auf jüngeres Publikum, möchte das Museum als Erlebnis gestalten. Ganz wichtig ist für ihn dabei ein Museumscafé. Derzeit laufen Gespräche, wie man mit der nahegelegenen Blankschmiede in diesem Bereich zusammenarbeiten kann.

Auf vier Geschossebenen werden im Museum dargestellt: die Geschichte Dassels, das Geschlecht der Grafen von Dassel und ihre Grafschaften, die Papierproduktion in Dassel bereits seit 1584, Dassel als Standort von Eisengießereien seit 1690, Zeugnisse des Bürgertums und der Handwerksinnungen und eine Episode aus dem Ersten Weltkrieg. An einem 200 Jahre alten Webstuhl kann das Weben von Textilien vorgeführt werden. Hervorgehoben wird das, was Dassel nach außen bekannt gemacht hat: Rainald II, Graf von Dassel, Kanzler Barbarossas und Erzbischof von Köln, Wissenswertes zur Herstellung von Bütten- und Spezialpapieren seit 1584 oder zur Herstellung von Eisengussprodukten seit 1690 und die Dasselöfen im 20. Jahrhundert. Die Sammlung sei da, freut sich der 60-Jährige, »mit wunderbaren Schwerpunkten wie dem Eisenguss oder dem Papier.

Um Besucher anzulocken, soll ein neuer Prospekt erstellt werden, der gezielt ausgelegt werden soll. Außerdem möchte Riedel »Pakete schnüren«, die den Museumsbesuch für Schulen, Kinder und Familien zum Erlebnis machen. Eine erste Idee ist beispielsweise eine Taschenlampenführung. Thematisch könnten der Eisenguss, die Ritterzeit oder die Papierherstellung gut aufgegriffen werden.

Der Verein braucht neue Mitglieder, vor allem auch jüngere, damit die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Jede Unterstützung sei willkommen, sagt Riedel, sei es beim Kuchen backen, bei Führungen oder mit handwerklichem Geschick.. »Viel verändern wird sich nicht«, meint Riedel und rückt damit auch den engen finanziellen Spielraum des Fördervereins und damit des Museums in den Blick. Aber mit »Manpower« lasse sich sicher einiges bewegen.
Erstmals geöffnet wird am Sonntag, 27. März, von 15 bis 18 Uhr. Während der Saison bis Dezember wird das Museum verlässlich offen sein.

Riedel hat »viele Ideen«. Zunächst wird am 26. Juni die Ausstellung »Dassel von oben« mit großformatigen Fotos von Felix Hein eröffnet. Riedel verspricht »wahnsinnig tolle Fotos«, die ganz neue Einblicke ermöglichen. Zur Ausstellung wird auch ein Bildband erscheinen.

Im September folgt dann die nächste Ausstellung: »Wanderbücher – auf der Walz« zeigt, wie Dasseler Burschen in früheren Zeiten – auch schon vor 200 Jahren – auf die Walz gingen. Fünf persönliche »Abenteuer« werden dabei in den Fokus gerückt und zeigen, welchen Weg die Handwerksgesellen damals beschritten haben, was sie erlebt haben. Auch zu dieser Ausstellung soll ein kleiner Katalog erstellt werden, möglichst mit ISBN-Nummer.

Für 2023 ist ein Blick in Dassels Wirtschaftswunderjahre geplant. Mit Hilfe der Dasseler, die aufgerufen werden, Fotos bereitzustellen, könnte man eine schöne Ausstellung organisieren, die die Wirtschaftswunderjahre aufleben lässt. Damals, erinnert sich Petra Kersten vom Vorstand, habe es beispielsweise drei Kegelbahnen im Ort gegeben. Und wer weiß schon, dass damals auch die bedeutende Eisenbahnverbindung von Aachen nach Berlin hier entlang führte? Kersten freut sich, dass die bedeutende Arbeit von Professor Dr. Ludger Kappen fortgesetzt werden kann und nun neuer Wind im Museum weht.
Geöffnet ist das Museum »Grafschaft Dassel« sonntags von April bis Dezember. Individuelle Führungen sind nach vorheriger Vereinbarung mit dem Förderverein an allen Tagen möglich. Der Eintritt ist frei, Spenden für den Erhalt und Ausbau des Museums sind erbeten.

Im September 2007 wurde das Museum feierlich eröffnet. Seither ermöglichen die Beiträge der Mitglieder des Fördervereins, dass das Museum von März bis Dezember sonntags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr geöffnet sein kann. Der Verein finanziert größtenteils die Bewirtschaftungskosten und stellt engagierte Mit­glieder, die das Museum während der Öffnungszeiten unentgeltlich betreuen und Führungen anbieten. Weitere Informationen findet man unter http://www.museum-grafschaft-dassel.de.sts

Dassel

»Das Internet vergisst nie«