Natürliche Verjüngung bevorzugt

Mischwaldanteil ist von 42 auf 53 Prozent gestiegen, mehr Laubholz

Wie der künf­tige Wald aussieht, da­rüber entscheiden auch die Pflanzungen aus diesem Jahr.

Der Wald und seine Entwicklung inter­-essiert alle Bürger, meint die BUND-Kreisgruppe Northeim (Bund für Umwelt- und Naturschutz) und fragt, wie die künftige Baum­artenverteilung auf den Wald­scha­dens­flächen in den Landesforsten aussieht.

Dassel. In dem Info-Blatt »Waldi« haben die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) die genauen Pflanzenzahlen veröffentlicht, die im Herbst 2019 und Frühjahr 2020 auf den Waldschadensflächen bisher gepflanzt worden sind – insgesamt rund 4,5 Millionen Stück. Die oberste Leitlinie für den Landeswald heißt LÖWE-Programm (Langfristige ökologische Waldentwicklung). Ein Kernelement ist, dass in Zukunft zwei Drittel Laubholz und ein Drittel Nadelholz im Landeswald wachsen sollen, es soll keine naturfernen und instabilen Nadelholzmonokulturen mehr geben, sondern strukturreiche Mischbestände.

Zurzeit sei der Anteil an Nadelholz in den Wäldern jedoch noch deutlich höher, kritisiert der BUND. Künstlich gepflanzte Fichten­reinbestände würden durch Sturm und Borkenkäfer dahingerafft. Naturnahe Laubholzwälder böten eine viel größere Artenvielfalt, seien stabiler und damit besser für Mensch und Natur, für Klima und Trinkwasserbildung.

Stabile, heimische Baumarten

Die durch Sturm und Käfer entstandenen Freiflächen seien die Gelegenheit, naturnahe Laub- und Laubmischwälder aus stabilen, einheimischen Baumarten zu begründen. Jürgen Beisiegel, Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe, hat sich die Pflanzenzahlen genauer angeschaut und ausgerechnet, wie viel Fläche pro Baumart tatsächlich bepflanzt worden ist. Dabei müsse man wissen, dass man am Beispiel der Eiche 9.000 Setzlinge braucht, um einen Hektar aufzuforsten, während es bei ­Lärche, Douglasie oder Fichte nur 2.500 Stück sind. Der BUND rechnet, dass nur 38 Prozent der Schadfläche tatsächlich mit heimischem Laubholz bepflanzt werde, aber 62 Prozent wieder mit Nadelhölzern oder amerikanischer Roteiche. Dazu kämen weitere Flächenanteile, die nicht bepflanzt werden und sich von alleine wieder mit Fichte verjüngen. Nach Ansicht der BUND-Kreisgruppe müssten so viel Flächen wie möglich in heimisches Laubholz umgewandelt werden und nicht in Nadelholz, schon gar nicht in Baumarten aus anderen Kontinenten, die sich unter anderen ökologischen Bedingungen entwickelt haben. Sollte Nadelholz oder Roteiche gepflanzt werden, dürfe dies nur in kleinflächiger Mischung geschehen.

Eichenwald ungemischt verjüngen

Wie die Niedersächsischen Landesforsten auf Anfrage mitteilen, ist es bei der Eiche das Ziel, diese möglichst rein, das heißt ungemischt, zu verjüngen. Auf einem Hektar mit Eichen sollen möglichst wenige Mischbaum-arten mitwachsen. Hintergrund: Die Eiche sei nicht besonders konkurrenzkräftig – alle Mischbaumarten, die sich noch in dem noch jungen Eichenwald einfinden, bedeuten Pflegebedarf. Die Landesforsten müssten ständig eingreifen, damit die Eiche nicht von den Mischbaumarten überwachsen wird. Später, in einem älteren Eichenwald, der meist relativ licht ist, fänden sich Mischbaumarten wie Buche oder Hainbuche oft von allein ein oder werden gepflanzt, wenn die Eiche ausreichend Vorsprung hat.

Nadelhölzer ergänzen ältere Anpflanzungen

Anders sehe es bei Nadelhölzern aus: Hier würden absichtlich nur wenige Pflanzen je Hektar gepflanzt, um auch Laubhölzern wie Birke, Eberesche, Weide, Aspe und anderen Sträuchern, die sich von allein einfinden, Platz zu geben. Die Landesforsten verfolgen auch hier das Ziel, einen Mischwald zu entwickeln. Hinzu komme, dass die gepflanzten Nadelhölzer häufig bereits ältere Anpflanzungen, vor allem aus Buche, ergänzen.

Mit den gepflanzten Nadelhölzern würden auf großer Fläche keinesfalls ungemischte Nadelwälder angelegt, so die Landesforsten. Die sich auf natürlichem Wege einfindende Verjüngung aus Fichte aus Gründen der Kostenersparnis würde nicht billigend in Kauf genommen. Immer dann, wenn sich durch natürliche Ansamung Wald entwickeln kann, verpflichtete das LÖWE-Programm, diese »natürliche Verjüngung« einer Pflanzung vorzuziehen.

Richtig sei, dass sich die jetzt geschädigten Fichtenwälder bei Nichteingreifen wieder in Fichtenwälder entwickeln. Daher setzen die Landesforsten auch an diesen Stellen auf Anreicherung mit Mischbaumarten, um die Entstehung des ungemischten Fichtenwaldes zu verhindern.

30 Jahre Programm LÖWE

30 Jahre LÖWE bedeuten: Knapp 74 Prozent der seit 1991 verjüngten Fläche ist mit Laubbäumen bewachsen. Die Buche hat einen Gesamtanteil von 50 Prozent an der gesamten Verjüngungsfläche der letzten 25 Jahre. Der Mischwaldanteil ist von 42 Prozent in 1987 auf 53 Prozent zur dritten Bundeswaldinventur angewachsen. Der Laubholzanteil lag bei der Bundeswaldinventur 1 bei 40 Prozent; bei der Bundeswaldinventur 3 bei 44 Prozent.sts

Dassel

»Personell können wir das nicht stemmen«