Naturhörner in großer Klangfülle

Begeisterte Zuhörer beim Auftritt der Deutschen Naturhornsolisten in St. Laurentius

Begeisterungspfiffe in der Kirche gibt es wohl eher selten, und wenn doch, dann muss etwas Besonderes geboten werden. Die Deutschen Naturhornsolisten haben in Dassel wieder einmal ein Konzert gegeben, und die Zuhörer in der gut besuchten St. Laurentiuskirche waren sozusagen aus dem Häuschen.

Dassel. Sie freue sich, dass das Festival zum neunten Mal hier stattfinde und dass neben vielen bekannten Gesichtern auch neue Gäste interessiert seien, hieß Ortsbürgermeisterin Elke Krückeberg die Besucher willkommen. »Hoffentlich werden Sie von unserer Begeisterung angesteckt«, wünschte sie sich. Dank sprach sie dem Organisator des Bläserseminars im CVJM-Haus »Solling«, Dr. Karsten Schulze, und dem künstlerischen Leiter Wilhelm Bruns aus. Mehr als 100 Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik haben sich hier mehrere Tage lang der Musik gewidmet. »Und fürs nächste Jahr steht der Termin auch schon fest«, freute sich Elke Krückeberg.

Mit einem schnellen und fröhlichen Auftakt gestalteten die sechs Naturhörner, Dozenten des Seminars für Es-Hornbläser in Dassel, den ersten Teil des Abends. Inzwischen, erläuterte Wilhelm Bruns, der informativ und unterhaltsam durchs Programm führte, sei das Naturhorn nicht mehr so exotisch wie früher. Entwickelt aus dem Jagdorn, schreite seine Verbreitung voran, unter anderem bei Berufshornisten. Die Hubertusmesse in verschiedenen Variationen stellt dabei immer wieder einen Kern des musikalischen Repertoires dar.

Umfangreiches Material für Hörner hat Anton Reicha geschrieben. Anfang des 19. Jahrhunderts war er ein bekannter Lehrer. Seine 24 Trios für drei Hörner von 1815 sind selten gespielte Stücke. Davon hatten sich die Naturhornsolisten fünf Trios ausgesucht. Trotz des Fehlens von Ventilen sei viel möglich, stimmte Wilhelm Bruns die Zuhörer auf eine sehr anspruchsvolle Darbietung mit einem temperamentvollen Schluss ein - das Publikum war sofort hingerissen. »Reicha ist ein Fest für Hornisten, dankbar zu spielen«, betonte Bruns. Doch auch seine historischen Vorläufer, etwa Jean Joseph Kenn, ein Lehrer Reichas, hätten interessante Trios komponiert. So bewegte sich das Ensemble mit Wilhelm Bruns, Lars Michelke, Tilman Schärf, Oliver Kersken, Stefan Berrang und Christoph Moinian bei den vier ausgewählten Stücken aus seinen 36 Trios chronologisch rückwärts - und ebenso virtuos wie bei Reicha.
Vorläufer des Naturhorns sind die Jagd- oder Parforcehörner. Aus dem ursprünglichen Horn wurde im Lauf der Zeit ein Blechblasinstrument, handlich für die Jagd und groß genug, um es über den Hut zu stülpen, schmunzelte Bruns.

Inzwischen habe leider das i-Phone das Horn in der jagdlichen Kommunikation ersetzt, aber beispielsweise in Frankreich werde auf der Jagd noch immer geblasen, und es gebe neben einer Vielzahl von Signalen geradezu gehobene Unterhaltungsmusik aus diesem Genre. »Sie liegt uns auch besonders am Herzen«, hob er hervor.

Hatte die Naturhorn-Formation zuvor im Halbkreis gestanden, den Zuschauern zugewandt, stellten sich die Parforcehörner, ergänzt um Ludger Holtmann, Johannes Röhl und Karsten Schulze, nun im Keil und mit dem Rücken zum Publikum auf. Angesichts der halligen Atmosphäre in der Kirche bringe das die beste Beschallung, hieß es.
Der Ausschnitt aus der Hubertusmesse von Charles Tyndare endete mit einem Stück, der Kirchenglocken nachempfunden war. Den Start in die Jagdsaison feierte »La Jovial«.

Wilhelm Bruns hat »Le Mort de Roland« von Tyndare bearbeitet: mit Notruf, Echo, Trauermarsch, einem kleinen Tumult und einem jagdlichen Kehraus hat er die Legende vom Tod des Neffen Karls des Großen nachempfunden. Ideen aus seinem »persönlichen Hornleben« hat Bruns in »Poème« zusammengefasst. Wer ein geübtes Ohr hatte, konnte im anschließenden Stück sogar einen Walzer erkennen, bevor ein »Bolero« von Charles Tyndare den Abschluss bildete. Nach einem »Marche« erklatschten sich die restlos begeisterten Zuschauer zwei weitere Zugaben.ek

Dassel

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