Pixelhaufen schießt auf Pixelhaufen

Paul-Gerhardt-Schüler erleben das Stück »Feindberührung 2.0« vom Theater in der List

Achtsam miteinander umzugehen, einander zuzuhören und miteinander zu sprechen – diese Botschaft transportiert das Theater in der List mit seinem Stück »Feindberührung 2.0«, das jetzt an der Paul-Gerhardt-Schule aufgeführt wurde. Für jugendliche Sprache, eindrückliches Spiel und ansprechend in Szene gesetzte Nöte von Jugendlichen erhielten die Schauspieler Willi Schlüter und Tim Schaller viel Applaus.

Dassel. Ein minimalistisches Bühnenbild, pointiert eingesetzte Licht- und Musikeffekte und zwei Schauspieler – mehr braucht es nicht, um Zuschauer in den Bann zu ziehen. Im Dialog, aber ohne erhobenen Zeigefinger, entspinnt sich die Jugendgeschichte: Da ist Ben, der sich durch den Verlust seines Auges, in die »Restgruppe« abgedrängt fühlt. So verbringt er seine Zeit mit Ballerspielen vor dem Computer. Seine Mitschüler mit den »Arschhängerhosen« sind bis auf wenige Ausnahmen blöd. Sein Vater versucht ihm mit Geld zu helfen, auch die Hilfe der Mutter nimmt er nicht an.
Da trifft er den »Scheiß-Ausländer« Baris, der als Hausmeister arbeitet. Nach anfänglicher Ablehnung nähern sich die beiden an. Baris versteht nicht, warum Ben auf die Welt draußen nicht neugierig ist. Ballerspiele am Computer würde er verbieten. Doch für Ben schießen in der virtuellen Welt nur Pixelhaufen auf Pixelhaufen. Und auch wenn man nur Tetris spielt, geht man nicht gleich zu einer Brücke und wirft Steine herunter.

Der Dialog geht tiefer, und mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte nähern sich die beiden Protagonisten den zentralen Themen des Stücks: die Würde des Menschen einerseits und die Rachsucht. Für Ben ist Ehre ein Gefühl der Würde, und die darf nicht verletzt werden – so wie bei ihm. Den Verlust seines Auges kann er nicht verwinden, sein Traum, Fußballprofi zu werden, ist geplatzt. Er sinnt auf Rache. Ganz anders Baris: Auch sein Lebens-Traum wurde zerbombt, aber er ist nicht daran gescheitert. Baris führt Ben vor Augen, dass er verbittert ist. Für Baris ist Ehre, wenn er sich morgens im Spiegel anlächeln kann. Ben kann das nicht. Gewalt ist keine Lösung, denn sie erzeugt Gegengewalt. Am Ende sieht Ben das ein, er findet für sich einen Weg.

Der Sinneswandel beider Figuren wurde eindrücklich dargestellt. Ben entwickelt sich vom spielsüchtigen zu einem verständnisvollen Menschen. Der Hausmeister entfaltet sich zu einem Vorbild – eine besondere Freundschaft entsteht. So erlebten die Schüler eine Stunde voller Nachdenklichkeit, gespickt mit lebensvollem Humor.  Und dafür gab es viel Applaus.

Eine Vorstellungsreihe führt das Stück – eine Kooperation des Theaters in der List und des Hauses kirchlicher Dienste – durch 50 Schulen im Raum der Landeskirche. Gefördert wird das Projekt durch die Hanns-Lilje-Stiftung, die LottoSport-Stiftung, die Stadt Hannover und die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover.sts

Dassel

Hilfe im Notfall

»Das Wassertreten ist zu Ende«