»Überzeugend kraftvoll im Abgang«

»Kohorte 13« der Paul-Gerhardt-Schule entlassen | Abiturzeugnisse verliehen, beste Leistung mit 893 Punkte

Dassel. 87 Schülerinnen und Schüler haben an der Paul-Gerhardt-Schule das Abitur bestanden. Die »Kohorte 13«, wie sich der Jahrgang selbst genannt hat, konnte jetzt den Abschluss feiern – im Park des Gymnasiums in Verbindung mit einem Gottesdienst.

Schulpastor Robert Voss lud ein zum Zusammenkommen »zwischen Himmel und Erde«, dieses Motto hatte sich die »Kohorte 13« für die Feier gegeben. Den Abschluss hätten sie sich hart erarbeitet, ein Gemeinschaftsprojekt unter Gottes Regenbogen, dem Symbol für Gemeinschaft und Vielfalt. Die Schüler, die den Gottesdienst gestalteten, stellten fest, dass sie das Ende eines langen Weges feiern und den ersten Stein für einen Neuanfang legen könnten. Über den Wegen stehe der Regenbogen, er bilde Anfang und Ende, er brauche Regen und Sonnenschein, dann werde Unsichtbares sichtbar. Gott liebe alle Menschen gleich. »Das Leben ist bunt, wir sind bunt, und das ist gut so.« »Alles hat seine Zeit«, unter das Salomo-Wort stellte Constantin Tilman Schott die Ansprache: Suchen, behalten, loslassen habe seine Zeit. An der Schule habe man Gemeinschaft, Freundschaft und Wissen gesucht und gefunden. Der Jahrgang sei reich gefüllt mit einem Wissensschatz, damit könne er aufbrechen, mit vielen schönen Erinnerungen. Zu Beginn seien die Schüler aufgeregt und ängstlich gewesen, aber auch voller Vorfreude – und wie beim Regenbogen sei am Ende ein Schatz vergraben, den man nun gehoben habe. Alles hatte und brauchte dabei seine Zeit. Wie sie vergehe, sei relativ, es hänge von ihrer Qualität ab. Und ebenso relativ sei die Ewigkeit. Sie sei Hoffnung, damit fühle sich das Leben anders an. Menschlichkeit im Umgang zeichne die Schüler aus, aus einem christlichen Selbstverständnis heraus, verbunden mit Respekt und Lebensfreude. Was Gott tue, bestehe für ewig, und wer die Ewigkeit erleben wolle, sollte sich die Zeit dafür nehmen.

Ein solcher Gottesdienst sei ein Geschenk, freute sich Schulleiter Matthias Kleiner. »Heute sind Sie die Gefeierten«, wandte er sich an die Abiturienten, aber auch an die Eltern, die Schule jahrelang »erlitten« hätten, richtete er Glückwünsche: »Dank für das in die Schule gesetzte Vertrauen.« Für die Schüler gelte: Sie hätten ihr Ziel erreicht, »Sie Glückspilze.« »Wie ist es mit dem Glück an einer christlichen Schule?«, überlegte er weiter. In der Bibel tauche der Begriff eher selten auf. Das Glück werde auf der Seite der Schwachen gesehen – in der damaligen Gesellschaft galt der Starke als gut. Der Idee der Bergpredigt nach seien Glücksmomente aber auf der Schattenseite zu finden.

Was sollte man tun? Vor allem sollte man die Situation jetzt genießen, forderte er auf, in einer gesunden Mischung aus Demut und positivem Denken. Die gleichen Fakten könnten glücklich oder unglücklich machen, je nach Standpunkt. Das Glück beeinflussen zu wollen, sei ein hohes Ziel, das kaum gelingen werde. Aber man könne Alternativen finden, andere Schwerpunkte setzen, Umwege gehen und so zum Glück finden. Er wünschte den Absolventen, dass sie in der Zukunft viele glückliche Momente erleben könnten. »Vergessen Sie nicht, dass Sie PG-Schüler waren: Am 18. September ist das nächste Ehemaligen-Treffen.«

Für den Kirchenkreis Leine-Solling gratulierte Pastor Christian Coenen. Er verwies auf die Geschichte von Johannes dem Täufer und die Worte »Du bist mein geliebtes Kind.« »Tragt das in euren Herzen, daraus kann man sehr gut leben.«

Für die Eltern stellte Stefanie Wilkens fest, dass deren Anteil am Erfolg groß sei. Sie seien immer da gewesen, um zu helfen, zu trösten zu stärken. Eltern seien so viel: »Sie haben einen Applaus verdient«, bat sie die Schüler um Beifall. Das Abitur sei eine Startrampe für die jungen Erwachsenen, der Startschuss in ein Leben nach der Schule, das ein »Wow« oder ein »Puh« verdienen könne. Die Schüler sollten auf ihr Herz hören, »denn das Leben ist vor allem ein: deins.«
Der erste Schultag sei gefühlt ein ganzes Leben her, überlegt Kai Beddies in der Ansprache für den Jahrgang. Viele Veränderungen habe es gegeben, man habe sich und die Umwelt immer besser verstanden. Die Zeit hier sei einzigartig gewesen, etwa wegen der Lehrer: »Danke für Ihr Engagement. Wir waren Ihnen wirklich wichtig.« Alle könnten ziemlich stolz aufeinander sein, und bestens vorbereitet gehe es hinaus in die weite Welt. »Viel Erfolg wünsche ich uns.«
»Habe nun, ach …« aus dem »Faust«-Monolog zitierte die stellvertretende Schulleiterin Monika Fahrenbach in ihrer Abschlussrede. iPad und Alexa könne man für Magie nutzen, virtuelle Wirkungskraft schauen. Die Gelehrtentragödie Goethes sei aktueller denn je. Die Wissenschaft sei in Erklärungsnot, gerade im vergangenen Jahr, als man nicht helfen konnte. Inzwischen könne man, unter anderem wegen der Impfungen, etwas durchatmen und deshalb heute feiern. Man habe viel geschafft, mit einer Menge Disziplin, und auch die nächste Welle werde man wuppen. Die Schule sei immer durchorganisiert gewesen, man wusste, was auf einen zukam. Corona habe eine Anpassung in hohem Maß erfordert. Nicht immer hätten die Maßnahmen beziehungsweise ihre fehlende Sinnhaftigkeit für gute Laune gesorgt. Sich Wissen anzueignen, der Kern der Schulbildung, ein mündiger Bürger zu werden: Die Lehrkräfte hätten im vergangenen Jahr mehr diskutieren müssen als sonst, die mündliche Beteiligung sei stärker geworden.

Gedanken steuern zu können, sei ein Akt der Freiheit und ein Zeichen seelischer Gesundheit. In der Krise habe man sich stark fokussieren müssen. Sie ermunterte dazu, aus der Filterblase rauszukommen und sich auch mit anderen Dingen zu befassen. Es lohne sich, auf Innenleben zu hören, und es müsse nicht immer stimmig und schön sein, sondern man sollte zulassen, dass es Missklänge gebe. Es sei wichtig, ein kritisches Bewusstsein für Gedanken und Gewissheit zu haben, die eigenen Einstellungen zu überprüfen und Geduld zu haben, wenn etwas nicht gelinge: »Das darf sein.« Die PGS sei »irre stolz« auf diesen Jahrgang. Er habe herausgefordert und genervt, aber dafür sage sie Dank. Beim Wein würde man davon sprechen, dass er »überzeugend kraftvoll im Abgang« sei. Sie sei, stellte Monika Fahrenbach fest, die erste Frau, die hier seit 1998 die Abschlussrede halte. »Wartet nicht darauf, dass euch jemand bittet nach vorn zu gehen, macht es einfach.« Sie verabschiedete sich mit einer Parabel und der Feststellung, dass das Offensichtlichste am schwersten zu erkennen sei. Bildung zeige sich in Offenheit für das Wesentliche. Ihre Wünsche: magische Momente und frischen Wind um die Nase.

87 Schülerinnen und Schüler wurden zum Abitur zugelassen, alle hätten bestanden: Er könne sich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben habe, sagte Oberstufen-Koordinator Manfred Renger. Bei einem Viertel der Abgänger sei eine Drei vor dem Komma, bei der Hälfte eine Zwei, und 18 Absolventen hätten eine Eins vorn – ein ungewöhnlich hoher Anteil. Dreimal gebe es sogar eine 1,0, und das beste Zeugnis weise 893 von 900 möglichen Punkten aus, eigentlich ein Notendurchschnitt von 0,6 bis 0,7. So etwas habe er noch nicht erlebt. Mit 2,43 wurde die beste Durchschnittsnote der letzten 15 Jahren erzielt.
Die fünf besten Abiturzeugnisse haben Kai Beddies und Lara Wedemeyer mit einem Notendurchschnitt von 1,2 sowie Lucia Bohnsack, Luisa Oerke und Constantin Schott mit 1,0 erreicht, wobei Constantin Schott das Abitur mir 893 Punkten geschafft hat. 14 oder 15 Punkte in Religion erreicht und eine Auszeichnung der Landeskirche bekommen Nele Wittkowski, Lara Wedemeyer, Isabell Öhls und Lia Megerle. Für die besten Leistungen in Deutsch wurden Melina Henke und Imke Jordan geehrt, und die besten naturwissenschaftlichen Leistungen in Chemie, Physik und Mathematik lieferte Constantin Schott ab. Er habe sich zudem über die Schule hinaus engagiert, etwa mit »abgedrehten Ideen« bei »Jugend forscht«, wo er sogar Bundessieger wurde, wie Dr. Carsten Winkler erinnerte. Dabei habe er die Bodenhaftung nicht verloren und den Schulalltag in vieler Hinsicht sehr bereichert.

Verabschiedet haben sich auch die Schülervertretung, und die Schule dankte Justus Hake, Hannes Seitz und Kai Beddies für ihr Engagement für die Schulgemeinschaft.ek

Dassel

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