Abschluss mit vielseitigem Konzert-Doppelpack

Beo Brockhausen mit Weltmusik und »The Catuna Jam« mit Oldies zum Mitsingen beenden »Alarmstufe Rot!«-Reihe

Mit einem Doppel-Konzert hat der Verein StadtpARTie am Sonnabend seine erfolgreiche Reihe »Alarmstufe Rot!« auf dem Einbecker Hallenplan beendet. Beo Brockhausen mit seinem Programm »Wolkenmeer« und »The Catuna Jam«, Marcus Kümmerling und Tatjana Kusheva, beide Gitarre und Gesang, verstärkt durch Sängerin Adriana de Paduanis, verbreiteten gute Stimmung bei den wiederum zahlreichen Besuchern – alles vor dem ernsten Hintergrund, dass die Corona-Krise mit ihren Beschränkungen sowohl Künstlern als auch Veranstaltern Auftrittsmöglichkeiten und damit die Lebensgrundlage nimmt.

Sonst oft in Einbeck und der Region zu hören, in diesem Jahr sind Auftritte wie dieser selten:  Marcus Kümmerling und Tatjana Kusheva, »The Catuna Jam«, verstärkt durch Adriana de Paduanis, mit einem Querschnitt der letzten Jahrzehnte Musikgeschichte sowie – als Premiere – Eigenkompositionen.

Einbeck. Beo Brockhausen aus Göttingen, Multiinstrumentalist und Gründungsmitglied der Gruppe »Ganz schön feist« faszinierte mit kreativer Musik, einer folkloristischen Mischung mit Improvisation – Weltmusik. Verschiedene Länder und Musikstile mixte er mit Eigenkompositionen. Dabei war er vielseitig wie ein Orchester: Neben Sopran- und Tenorsaxophon, Bassklarinette, Gitarre, Percussion, Traversflöte, verschiedenen folkloristischen Flöten und irischem Dudelsack war der Computer mit sogenannter Loop-Technik ein wichtiger Teil seines Konzerts: Live gespielte Rhythmen wurden auf Abruf wiederholt, machten die Darbietung vielschichtig und zugleich technisch höchst anspruchsvoll. Auf diese Weise ließ er die Zuhörer seiner Reise durchs »Wolkenmeer« mit »Green Island« teilhaben an einem Ausflug nach Irland, er spielte »Tulatula«, ein südafrikanisches Wiegenlied, und er erinnerte an Jim Pepper, der es 1971 mit »Wichi tai to«, einer Interpretation eines indianischen Kultgesangs, in die Hitparade schaffte. Alles war entspannt, manches weniger heiter, vieles fröhlich, etwa die jüdisch inspirierten Klänge, die sich hinaufschrauben in die Luft. Eingängig und melodisch, dabei durchaus ungewöhnlich, war das Schlussstück aus Marokko. Das Publikum konnte gelassene und entspannte, dabei aber auch spannende Klänge genießen, wofür es großen Applaus gab.

Ein Gefühl von Sommer sei an diesem Vormittag auf dem Hallenplan zurück, freute sich »Catuna Jam«-Sängerin Tatjana Kusheva; passend dazu gab es Sommer- und Sonnenschein-Lieder, die unbedingt zum Mitklatschen gedacht waren: »Crazy«, »New Shoes« oder »Only wanna be with you«. Es sei großartig, so das Duo, begleitet von Sängerin Adriana de Paduanis, wieder vor Publikum zu spielen. Eigentlich sei man sonst jedes Wochenende unterwegs, aber in diesem Jahr sei alles anders.

Schon lange, verriet Tatjana Kusheva, habe sie davon geträumt, eine eigene Platte zu machen. Geschrieben und aufgenommen war alles – durch Corona fehlte bisher die entsprechende Bühne für eine Präsentation, und so kamen die Zuschauer in den Genuss einer Doppel-Premiere: An »Carpe Diem« und das augenzwinkernde »Was man nicht alles tut« hatte das Publikum viel Spaß.

Zum Kernprogramm von »The Catuna Jam« gehören Oldies der letzten Jahrzehnte, und mit »Leaving on a jet plane« von John Denver bis zu »Sympathy for the devil« von den Rolling Stones wurde ein weiter Bogen geschlagen. »Ihr seid großartig«, lobte die Sängerin fürs Mitmachen. Bei »Nur ein Wort« war das weite und gut gefüllte Rund auf dem Hallenplan aber ebenfalls ziemlich textsicher.

»Bekannt als ›Melissa‹, das ist das, was immer alle hören wollen«, so die Ankündigung für »Like the way I do« von Melissa Etheridge, stimmgewaltig vorgetragen. Keine Termine in den vergangenen Monaten, sich weiterentwickeln, aber schließlich doch etwas Positives erleben: »Mit euch zusammen «Westerland” singen«, und hier ging das Publikum ebenso mit wie bei der Zugabe »Proud Mary«.

Mit »Alarmstufe Rot!« hat die StadtpARTie in den vergangenen zehn Wochen jeden Sonnabend ab 11 Uhr auf die Notlage von Künstlern und Veranstaltern aufmerksam gemacht. Vereinsvertreter waren zu erkennen an roten

T-Shirts, die die Gefahr für die Unterhaltungsbranche signalisierten, die Existenzgefahr für freischaffende Künstler, die auf Konzerte und Auftritte angewiesen sind. So gab es, dank der Unterstützung von Sponsoren, für die Künstler eine Gage, und es ging der Hut herum. Mitgetragen wurde die Aktion auch von Anliegern des Hallenplans, die auf unterschiedliche Weise zum Gelingen beigetragen haben – als gemeinsames Zeichen für das Ziel, die kulturelle Vielfalt in der Region zu erhalten.

In ihren Abschiedsworten sagte Vorstandsmitglied Britta Grastorf, dass Künstler von ihrer Musik lebten – entsprechend seien viele derzeit in die Grundsicherung gerutscht. Ganze Tourneen mussten abgesagt werden. Es sei schön, dass man Künstlern aus der Region hier eine Bühne bieten konnte. »Bleiben Sie der StadtpARTie treu«, so ihr Wunsch. Wer Musik wieder live erleben möchte, hat dazu Gelegenheit am Freitag, 30. Oktober: Dann lädt die StadtpARTie ins Alte Rathaus ein zum Konzert mit »Paddy Goes To Holyhead«, einer deutschen Folkrock-Band mit irischem Programm. Karten gibt es unter stadtpartie-einbeck.com. »Und im Frühjahr kommt die nächste StadtpARTie«, war der Vorstand zuversichtlich.ek

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