Arbeiterwohlfahrt verabschiedet ihre letzten Zivis

Einbeck. Sie haben viel gelernt in der Zeit ihres Zivildienstes, sind mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt gekommen, haben ihren »Kunden« gern zugehört und persönlich etwas gewonnen: Als letzte Zivildienstleistende hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Einbeck jetzt Oliver Heisig aus Einbeck (rechts) und Kevin Meyer aus Echte (Zweiter von rechts) verabschiedet. Sie seien, betonte AWO-Vorsitzender Rolf Hojnatzki (Dritter von rechts) bei diesem »historischen Anlass«, eine besondere Stütze, geradezu eine tragende Säule des Dienstes »Essen auf Rädern« gewesen. Seit vielen Jahren habe der AWO-Ortsverein Zivildienstleistende, »wir wissen, was wir an Ihnen und Ihren Vorgängern hatten«, sagte der Vorsitzende, und so lasse man sie nun mit einem weinenden Auge gehen.

Die beiden jungen Männer, die sich auf Empfehlung von Mitschülern bei der AWO um die Stelle beworben hatten, berichteten übereinstimmend, die Zivi-Zeit habe ihnen viel gebracht: Sie seien kontaktfreudiger geworden, könnten einfacher auf Menschen zugehen. Bei der Auslieferung der Mahlzeiten sei es immer wieder zu netten Gesprächen gekommen, blicken sie zurück. So kann Kevin Meyer von einer 105-jährigen Kundin berichten: Es sei sehr beeindruckend, was sie alles erlebt habe, immerhin zwei Weltkriege – und sie wundere sich oft, worüber die Menschen sich heute aufregten. Gespürt haben beide aber auch die Einsamkeit vieler Älterer:

»Sie stehen am Fenster und warten, dass wir kommen, denn häufig sind wir für sie der einzige soziale Kontakt.« Wenn es mal ein paar Minuten später wurde, gab es schon Sorgen, ob denn vielleicht etwas passiert sei. Allerdings haben sie auch die weniger schönen Seiten des Älterwerdens gesehen, etwa körperlichen Abbau innerhalb weniger Monate. Insgesamt, so bilanzieren sie, könnten sie nun mit dem Thema besser umgehen. Sie hätten wichtige Erfahrungen gemacht und seien gefestigter geworden.

Für beide beginnt jetzt nach ein paar Ferienwochen der Einstieg ins Berufsleben: Kevin Meyer nimmt ein Studium auf, Oliver Heisig beginnt mit einer Ausbildung bei der Sparkasse. »Auch nach Ihnen wird es in diesem Bereich weitergehen«, kündigte Hojnatzki gemeinsam mit AWO-Geschäftsführerin Kerstin Droste (Dritte von links) sowie den Vorstandsmitgliedern Paul Traupe, Angelika Froböse und Jutta Wolter (von links). Sowohl der Bundesfreiwilligendienst als auch das Freiwillige Soziale Jahr sind bei der AWO möglich.

Hier könnten die Schwerpunkte stärker auf betreuerische Maßnahmen gelegt werden. ek