»Auch eine Pandemie kann euch nicht stoppen«

Abschlussfeier der Löns-Realschule auf dem Festplatz | Erfolg unter schwierigen Bedingungen

Roter Teppich, Abstand und Zeugnisse in Tüten: Die Klassen 10a und 10b der Löns-Realschule haben auf dem Einbecker Festplatz ihre Schulent­lassung gefeiert und angesichts der schwierigen und lange unsicheren Situation, was überhaupt möglich wäre, war es eine gelungene und fest­liche Veranstaltung.

Einbeck. Keine Umarmungen, kein Händeschütteln, keine Kuschel-Erinnerungsfotos mit den besten Freunden, stattdessen Zeugnis-Tüten, aber immerhin ein roter Teppich für die Stars des Tages: Die Löns-Realschule hat für ihren Abschlussjahr 2020 das Beste aus der Situation gemacht. Die Absolventen der 10a und 10b wurden auf einer Freiluftveranstaltung auf dem Einbecker Festplatz verabschiedet. Ein letztes Mal konnten sie hier auf den – mit Abstand – aufgestellten Stühlen ihrer Schule Platz nehmen. Als Zeugnisvergabe-Bühne diente ein offener, festlich dekorierter Lkw-Anhänger – eine Verabschiedung, die die Jugendlichen und ihre Familien nicht vergessen werden.

Sehr kurzfristig habe man das alles organisiert, sagte Schulleiter Jörn Kretzschmar in seiner Begrüßung, wofür er insbesondere Lehrerin Meike Splittgerber und der Klasse 8b für den Aufbau dankte. »Ihr seht schick aus«, lobte er die beiden Abschlussklassen, die auf dem Festplatz Platz genommen hatten. Er freue sich, dass die Schule die Feier hinbekommen habe, im neuen Theatersaal der Schule, Außenstelle Twetge, lachte er.

Manchmal, stellte er fest, hätten winzige Dinge großen Einfluss auf das Leben, und normale Dinge müsse man neu bedenken. Immerhin wäre es vor kurzem noch gar nicht erlaubt gewesen, eine solche Feier durchzuführen. Viele Gespräche seien erforderlich gewesen, diesen Weg zu finden. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Abschluss sei groß gewesen, den habe man erfüllen können, und nun biete sich doch ein wunderschönes Bild. Sketche, Gesang und Videos werde es diesmal nicht geben. Es sei keine Zeit gewesen, dafür zu planen, die Krise sei dazwischen gekommen. Somit stehe die Zeugnisübergabe an diesem Tag im Mittelpunkt. »Niemand kann euch stoppen, auch eine Pandemie nicht«, lobte er. Die Schüler hätten an ihrem Abschluss festgehalten, als Unterricht in Teilgruppen probiert wurde. Sie hätten ihr Bestes aus der Situation gemacht und Neues gelernt, etwa, dass 1,50 Meter nur eine Schätzgröße sei.

Der Grundstein für die Schullaufbahn sei vor sechs oder sieben Jahren gelegt worden, blickte er zurück. Damals sei die Zukunft der Schule unsicher gewesen, aber man habe trotzdem zwei »schnuckelige« Klassen mit je 19 Schülern bilden können. Einige hätten die Klassen inzwischen verlassen, neue Schüler seien dazu gekommen. Die Klassenlehrer Silvia Duwe-Sander und Stefan Holzkamp seien dabei geblieben. An der Entwicklung der Kinder seien auch die Eltern beteiligt gewesen, sie könnten zufrieden sein. Meilensteine der Schulzeit gab es diesmal nicht per Beamer, sondern Fotos steckten den Abschlusstüten. Alle Schüler, berichtete der Schulleiter, hätten trotz der schwierigen Situation die Prüfungen geschrieben, und sie seien mit guten Noten belohnt worden; 26 mal gab es den Erweiterten Sekundarabschluss 1, jeder Schüler verlasse die Schule mit einem Abschluss. Jetzt sei es an ihnen, den Lebensweg selbst zu gestalten, die Schulpflicht sei erfüllt. Für manche gehe die Schulzeit weiter, andere würden eine Ausbildung beginnen. Das Zeugnis sei eine solide Grundlage für künftige Erfolge, »und ich wünsche euch besonders viele davon.«

Den Feuerwehren Greene und Einbeck sowie der katholischen Gemeinde St. Josef dankte er für die Bierzeltgarnituren; jeweils eine stand den Familien zur Verfügung. Die Spedition Vollmer aus Salzderhelden hat den Lkw zur Verfügung gestellt, der Treppenmeister Leinetal den Zugang gebaut. Ebenso ging ein Dankeschön an das Organisationsteam für den Abschlussball, wobei der große Einsatz letztlich nicht erfolgreich war.

Mit einem Zitat der Mutter von Filmfigur Forrest Gump – und Mamas hätten in 99,8 Prozent der Fälle Recht – wandte sich die Elternratsvorsitzende Lene Garus-Jochumsen an die Abschlussklassen: Das Leben sei wie eine Schachtel Pralinen, man wisse nie, was man kriege, sondern sehe nur das Äußere. Manchmal erwische man eine Niete. Für dieses Jahr hätten fast alle Träume gehabt: Prüfungen, Ausflüge, Abschlussfeiern. Aber dann kam alles anders mit Homeschooling, kein chillen mit Freunden. Man habe den Alltag ohne Aufsicht strukturieren müssen und das trotz aller Hindernisse geschafft. Sie hatte jeweils eine Feder in die Tüten gelegt: Wohin der Wind einen auch treibe und welche Praline man bekomme, man sollte das Beste aus jeder Situation machen und positiv denken. An die Lehrer ging ein Dankeschön, weil sie sich mit viel Herzblut gekümmert hätten, ebenso das Team der Schule.
»Ihr seid die letzten ..., die ich von Klasse 5 bis 10 begleitet habe«, berichtete Silvia Duwe-Sander fest. Es sei ein guter, quirliger Jahrgang gewesen, mit viel

Bewegung. Aus den mitteilungsbedürftigen Kindern der 5a sei eine Gruppe geworden. Es gab eine Radtour, eine Klassenfahrt in den Harz, früh konnten die Schüler soziale Verantwortung zeigen. Gemeinsam ging es zum Schlittschuhlaufen und nach Hamburg ins Musical. Ein Höhepunkt war die Abschlussfahrt nach London, da hätten die Schüler erneut bewiesen, dass sie mutig und aufgeschlossen seien. »Wer nicht wagt, der nicht gewinnt«, gab sie ihnen mit auf den Weg, und »es gibt nichts Gutes, außer man tut es.«

Er sei stolz auf seine 10b, betonte Stefan Holzkamp. Abwechslungsreiche Jahre habe man zusammen verbracht, die Zeit sei schnell vergangen bei gemeinsamen Aktivitäten. Schlittschuh laufen, wandern im Harz, Bootstour auf der Leine, grillen in Vogelbeck – auch Neue hätten schnell ihren Platz gefunden. Bei Ausflügen nach Hannover, Hamburg oder Dresden habe er sich auf die Schüler verlassen können. Es sei nie langweilig gewesen, immer wieder gab es Zwischenfälle. Unvergesslich bleibe etwa der gemeinsame Tag in Prag. Er wünschte ihnen dass sie stets den richtigen Gedanken bei schwierigen Problemen hätten und viel Freude an dem, was vor ihnen liege.

»Welche Zeit liegt hinter euch!«, wandte sich Elternvertreterin Dorothee Franke an die Abschlussklasse. Vor sechs Jahren seien sie als aufgeregte Kinder gestartet. Geblieben seien die Klassenlehrer, für die 10b Stefan Holzkamp, dem sie sicher manches Haar geraubt hätten. Aber man hätte sich keinen besseren Klassenlehrer wünschen können. Ihm sowie den weiteren Lehrern dankte sie für Mühe und Geduld. Sie hätten nicht aufgegeben, sie bei Naturwissenschaften oder Klassenfahrten unterstützt. Es sei eine Zeit gegewesen mit vielen Erfahrungen, Aktivitäten und schönen Erinnerungen gewesen, »eine coole Zeit, und nebenbei habt ihr auch was gelernt.« Die Schüler sollten sich keine Steine in den Weg legen lassen. Eine richtig tolle Abschiedsparty, kündigte sie an, werde man als Ersatz für den Ball nachholen.

Jahrgangssprecher Benedikt Reichhardt sprach – coronabedingt allein auf der Bühne – den Dank der Schüler an die Lehrer aus. Geschenke, bedauerte er, gebe es diesmal nicht persönlich: Ein Tisch mit Blumen und Präsenten stehe aber bereit.

Als Jahrgangsbeste wurden Jonathan Franke und Leandra Raue ausgezeichnet, beide mit einem Notendurchschnitt von 1,64. Für ihren Einsatz im Löns-Café wurde Emily Abel, Sophia Capela, Johannes Kellner, Julian-Maurice Rose und Benedikt Reichhardt, ihm auch für die Mitwirkung in der SV, gedankt, für das Engagement im Schulsanitätsdienst Julia Teresa Kipp, Sebastian Resch, Jason-John Westphal, und Lisa Russinow.

Mit Wasser und Radler 0,0 wurde anstelle des traditionellen Sektempfangs angestoßen, und mit heliumgefüllten, biologisch abbaubaren Luftballons schickten die Schüler ihre Grüße in den Himmel.ek

Brandruine an der Saline abgerissen und geräumt

Unverdiente Aufmerksamkeit

Werbung für die Blutspende