Aufrüttelnde Worte zum Abschied

Peter Traupe gibt Vorsitz der Kernstadt-SPD ab / René Kopka zum Nachfolger gewählt

Rechenschaftsberichte und Vorstandswahlen standen bei der Mitgliederversammlung der SPD-Abteilung Einbeck-Kernstadt auf dem Programm. Vorsitzender Peter Traupe gab sein Amt nach insgesamt 16 Jahren ab; Nachfolger wurde René Kopka.

Einbeck. In seinem letzten Rechenschaftsbericht blickte der Vorsitzende der SPD-Abteilung Einbeck-Kernstadt durchaus kritisch auf die vergangenen zwei Jahre zurück. Sie waren gekennzeichnet von vielfältigen Aktivitäten der SPD in der Kernstadt. Projektsommer, Himmelfahrtsgrillen, die Reinigung des Wilhelm-Messerschmidt-Platzes und das Grünkohlessen seien Veranstaltungen, die erheblich zur positiven Darstellung der Gesamt-SPD in Einbeck beitragen würden. Eine großartige Feier sei das 140-jährige Jubiläum im August 2009 gewesen.

Die Kernstadt-SPD, das könne er mit Stolz sagen, sei immer noch der Aktivposten der Sozialdemokratie in Einbeck. Das ändere nichts an der Tatsache, dass es um die Partei insgesamt nicht gut bestellt sei, gab Traupe zu bedenken. Im September 2009 habe es bei der Bundestagswahl die erwartete »Klatsche« gegeben, die Quittung für Gerhard Schröders Sozialpolitik und deren Fortsetzung in der Großen Koalition. Umso unverständlicher sei es, wenn sich Parteiführungen nach klaren Verlusten bei Landtagswahlen wie Wahlsieger vor die Kamerad stellten. So müsse man sich nicht wundern, wenn man auch vor Ort immer weniger Zuspruch erhalte. Die Mitgliederzahl sank von 150 auf 143. »Wir sind als Partei nicht mehr attraktiv«, lautete die Analyse des Vorsitzenden.

Da helfe es wenig, dass man im Landkreis als gestaltende politische Kraft entscheidende sozialpolitische Weichen gestellt habe mit der Schaffung von Krippenplätzen, Jugendförderung oder guter Entlohnung von Tagesmüttern. In Einbeck habe man zudem glaubwürdige Gegenentwürfe zur Chaos-Politik der jetzigen Ratsmehrheit vorgelegt. Doch trotz guter kommunalpolitischer Arbeit werde der SPD auch hier der Wind stärker ins Gesicht blasen, nicht zuletzt durch die Gründung einer Wählergemeinschaft.

Auch wenn viele Mitglieder im konservativen Wählerklientel zuhause seien, müsse man sehen, dass die Gruppierung Charme habe, der auch auf SPD-Anhänger wirke. Umso mehr empfehle er, sich damit seriös auseinanderzusetzen. Die übliche Rituale der Beschimpfung des politischen Gegners hätten ausgedient. Vielmehr müsse man das ernsthafte Gespräch mit allen suchen, die für andere politische Ideen werben würden, und zu einer vernünftigen Gesprächskultur kommen. Auch das könne dazu beitragen, Misstrauen und Verdrossenheit gegenüber Politik und ihren Handelnden abzubauen. Nach nunmehr insgesamt 16 Jahren an der Spitze der Kernstadt-SPD werde er nicht erneut für das Amt des Vorsitzenden kandidieren, kündigte er an.

Es sollte nicht soweit kommen, dass das Umfeld denke, ein Amtsinhaber müsse nun »endlich« seien Hut nehmen oder dass er durch Abwahl nach Hause geschickt werde. Nach 16 Jahren seien neue Gesichter und neue Ideen erforderlich. Zudem habe er als Vorsitzender des Lokalen Bündnisses für Familie eine neue Aufgabe übernommen, die viel Kraft und Zeit fordere, aber auch Freude bereite. Die SPD als politische Heimat werde er nicht verlassen, sondern sich sowohl im Kreisvorstand und auch für Kreistag und Stadtrat weiter engagieren. Als Nachfolger schlage er René Kopka vor, der seit vier Jahren sein Stellvertreter sei. Wie er die Abteilung gestaltet habe, habe ihm, so Traupe, gut gefallen. Er selbst wolle weitere zwei Jahre seinem Nachfolger als Stellvertreter mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Peter Traupe schloss mit einem Dank an alle, die ihn in den vergangenen Jahren aktiv unterstützt haben. Er habe mit seiner Meinung nie hinterm Berg gehalten, sei immer direkt gewesen. Wenn er jemandem auf die Füße getreten habe, entschuldige er sich für diesen Stil – inhaltlich mache er keine Abstriche. Er bitte weiterhin um ein offenes Wort in den Reihen der Partei, denn wer nicht mehr spreche, sei tot. »Die SPD in Einbeck ist sehr lebendig, lasst uns daran arbeiten, dass es so bleibt. Wir stehen gemeinsam in der Pflicht.«

Gegen die Arbeit des Finanzbeauftragten Wolfgang Sckopp, der die Entwicklung in der Abteilung erläuterte, hatte Revisor Martin Wehner keine Bedenken. Der Vorstand wurde in finanziellen Angelegenheiten entlastet. Zum neuen Vorsitzenden wurde René Kopka mit deutlichem Votum gewählt. Sein Vorgänger, erkannte er an, habe die Latte sehr hoch gelegt; er werde sich bemühen, die Anforderungen zu erfüllen. Stellvertreter sind Ruth Leinen-Hafermann und Peter Traupe. Finanzbeauftragter bleibt Wolfgang Sckopp, Schriftführer Hans-Dieter Loycke. Beisitzer wurden Ulrich Arendt, Dieter Fischer, Dominik Helmker, Bettina Hillmer, André Iwanow, Rudolf Lupp, Dietlind Ostermann, Hans Radke, Paul Traupe und Rüdiger Voß. Die Kasse prüfen Thomas Döhrel, Helmut Ostermann und Martin Wehner.ek

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