Mauerfall 1989

Aus Neubrandenburg nach Einbeck

Ein Fußballtrainerleben in Ost und West: Andreas Göhlich

»Es hat eben alles gepasst: Zeit, Verein, Wohnung, Arbeitsstelle für die Ehefrau und mich und der Kindergartenplatz für den Sohn«, freut sich Andreas Göhlich, fragt man ihn heute nach der Wendezeit. Am 5. Dezember 1990 war er das erste Mal in Einbeck. Dieses Datum blieb ihm im Gedächtnis.

Einbeck. Göhlich und seine Frau Petra Voigt, beide Diplom-Sportlehrer und Voigt außerdem noch Physiotherapeutin, arbeiteten in der DDR bis 1990 im Leistungssport, sie im Handball, er im Fußball. Als ausgebildeter Fußballlehrer gehörte der gebürtige Forst-Lausitzer auch zum Reisekader und konnte mit der Mannschaft zu Spielen nach Skandinavien oder West-Berlin fahren. Zuletzt trainierte er den FC Neubrandenburg in der zweiten Liga – elf Spieler wechselten nach und nach in den Westen. Dazu kam, dass sich der Verband, der die Trainer bezahlte, der DTSB, in Auflösung befand und Göhlich ein halbes Jahr ohne Bezahlung arbeitete.

In dieser Zeit suchte die SVG Einbeck mit Vorstandsmitglied Jürgen Sörries und dem Teammanager und Masseur Peter Ternedde in Verbindung mit dem Vorsitzenden Gerhard Schramm »einen Trainer, der von Grund auf« den Job gelernt hatte. Dieses Angebot der SVG nahm Göhlich samt Familie im Januar 1991 an.

Der damals 40-Jährige konnte noch einmal durchstarten. Alles fügte sich: Petra Voigt stieg auf selbstständiger Basis bei Ternedde ein, dessen Praxis sie später übernahm. Neben dem Trainerberuf arbeitete Göhlich noch bei Firma Schramm. Der Vereinsvorsitzende gab dem Mitarbeiter auch die nötige Zeit für die SVG. Einer der Höhepunkte seiner Laufbahn kam 1998. Mit ihm gelang es der SVG, den Verbleib in der Oberliga zu retten. Von einem »blaugelben Menschenmeer der Glückseligkeit« und Ovationen schrieb dazu die Einbecker Morgenpost am 25. Mai.

Etwa zur gleichen Zeit wie Göhlich kamen aus Ostdeutschland unter anderem noch die Spieler Thomas Spitschka (jahrelang Kapitän der Oberliga-Mannschaft), René Nord und Roland Zentgraf hinzu, später dann noch der bereits verstorbene Heiko Losse, den Göhlich schon zu DDR-Zeiten kannte. Losse kickte auch für Heide in Schleswig-Holstein und St. Pauli. »Ohne Gerhard Schramm wären viele En­gagements nicht möglich ­gewesen«, resümiert Göhlich heute. Um diese hervor­ragenden Leistungsträger ­he­rum baute der Trainer eine Mannschaft auf, die bis 2003/2004 in der niedersächsischen Oberliga spielte.

Göhlich selbst blieb der SVG 20 Jahre treu, zuletzt als Teammanager. Dass er niemals den Verein wechselte, das habe er »nie bereut«. Die Familie fühlt sich hier zuhause. Der Sohn, Steven Voigt, war einer der talentiertesten SVG-Spieler, so Göhlich, und spielte später höherklassig in Jena und Sachsen-Leipzig. Natürlich spielen drei der fünf Enkel auch gern Fußball.

Und am 9. November ‘89? Just bei Verwandten in Berlin gewesen und natürlich am 10. November gleich in den Westteil ‘rübergeschaut. Nur die ständigen Bananen-Angebote, die nervten ihn...des

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