Beste Unterhaltung für einen guten Zweck beim Lions-Benefiz

Heeresmusikkorps 1 Hannover spielt im Bendow-Theater einen bunten Strauß: Musical, Filmhits, Opernszenen und natürlich Märsche

Beste Unterhaltung für einen guten Zweck: Erneut hatte der Lions-Club Einbeck zu einem Benefizkonzert mit dem Heeresmusikkorps 1 Hannover ins Wilhelm-Bendow-Theater eingeladen, und die Besucher konnten einen abwechslungsreichen Abend genießen. Unter der Stabführung von Oberstleutnant Manfred Peter – und bei einigen Stücken von Hauptmann Harald Sandmann – spielte das Orchester eine bunte Mischung, in der Märsche ebenso ihren Stellenwert hatten wie Opernmelodien, Filmhits oder Musicalszenen.

Einbeck. Lions-Präsident Dr. Wolfgang Scharnefsky stellte dem Publikum zunächst den Serviceclub vor: Lions sei eine weltweite Vereinigung freier Menschen, die in freundschaftlicher Verbundenheit bereit seien, sich gesellschaftlichen Problemen zu stellen und uneigennützig an deren Lösung aktiv mitzuwirken. Als größte private Serviceorganisation habe Lions weltweit mehr als 1,3 Millionen Mitglieder, die in rund 200 Ländern in mehr als 46.000 Clubs organisiert seien. In Europa gebe es etwa 10.000 Clubs mit 280.000 Mitgliedern, 49.000 Lions seien es in Deutschland. Als »kleiner« Club mit mehr als 30 Mitgliedern veranstalteten die Einbecker jetzt zum fünften Mal eine Benefizkonzert mit dem Heeresmusikkorps 1 Hannover. Der Erlös soll drei Einbecker Einrichtungen zugute kommen: der Rettungsbereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes, dem Altenheim Deinerlinde und der Mendelssohn-Musikschule. »Der beste Weg, sich selbst eine Freude zu machen, ist es, anderen Freude zu bereiten«, zitierte er Mark Twain, und so wünschte er allen Gästen einen genussvollen Abend.

Der »Marsch der Medici«, vom niederländischen »Marschkönig« Johan Wichers, nicht der einflussreichen florentinischen Familie, sondern den Medizinern gewidmet, bildete den schwungvollen Auftakt. Die Ouvertüre aus Albert Lortzings komischer Oper »Der Wildschütz« spiegelte anschließend in flotten Rhythmen die wesentlichen Themen dieser Verwechslungsgeschichte bis hin zur Erschießung eines Esels, akustisch dargestellt durch die große Trommel. Handfeuerwaffen, schmunzelte der Dirigent, dürfe man im Saal nicht abfeuern. Ruhiges im Anschluss: »Wir spielen gern farbig«, betonte Oberstleutnant Peter. Das »Intermezzo« aus der Oper »Cavalleria rusticana« von Pietro Mascagni erzählt vor dem Hintergrund des Osterfestes eine Dreiecksgeschichte um Liebe und Leidenschaft – mit tödlichem Ausgang im Duell.

Orchestermitglied Raoul Lothar Ewler hat mit »Hocuspocus« eine fantasievolle Geschichte über eine kleine Hexe erdacht. Sie fliegt auf ihrem Besen durch eine imaginäre Orchesterprobe und animiert die Musiker zu besonderen Leistungen. Den begeisterten Beifall hatte sich das Ensemble verdient, »das Stück ist schweineschwer«, lachte der Dirigent.

Mit Klavier-, Klarinetten- und Akkordeonunterricht nahm die Karriere von Bert Kaempfert ihren Anfang. Ein Medley mit beliebten und bekannten Melodien, echten Dauernbrennern, spielte das Musikkorps für die Einbecker. »Wonderland by night« war ebenso dabei wie »Spanish eyes«, »Strangers in the night«, »Swinging Safari« oder »Dankeschön«. Bei einem Konzert der Militärmusiker dürfen natürlich Märsche nicht fehlen, so umrahmten der »Exzellenz von Bernhardi«-Marsch und die »Deutsche Kaisergarde« als Traditionsmarsch die Pause.

Rasant wie die (animierte) Filmvorlage ist »The Incredibles«, »Die Unglaublichen«, Oscar-Gewinner von 2005, eine Superhelden-Persiflage. Danach wieder das – historische – Kontrastprogramm, der »Marsch des Soldaten Robert Bruce«, ein schottisches Traditional in der Bearbeitung von Hans Orterer. Zu den Klängen dieses Marsches aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts soll Jeanne d’Arc 1429 in Orleans einmarschiert sein. Der schöne Marsch steigerte sich langsam von eher verhaltenen Flötenklängen, bis schließlich das gesamte Orchester kraftvoll eingebunden war. Das bisher meistverkaufte weibliche Duett, »I know him so well« aus dem Musical »Chess«, stammt aus dem Jahr 1984, gesungen von den Hauptfeldwebeln Ragna Seinecke und Katharina Pooch, als Instrumentalistinnen sonst an Klarinette und Waldhorn im Einsatz. Die Komponisten Anderson/Ulvaeus stellten die Frau und die Geliebte des russischen Schachgroßmeisters dar – ein beeindruckendes Stück, das die Zuhörer begeisterte. Barbra Streisand hat es einst gesungen, Hauptfeldwebel Jens Soethe interpretiert es nun auf dem Flügelhorn: Das romantische »Feelings« zeigt auf bewegende Weise, wie verflossene Liebe schmerzen kann.

Ein Stück eines mittelamerikanischen Komponisten über eine südeuropäische Stadt in der Bearbeitung eines japanischen Arrangeurs, gespielt von einem bekannten mitteleuropäischen Klangkörper: »Wir sind ganz international heute«, kündigte Dirigent Peter »Granada« an. Geschrieben wurde der feurige Klassiker von Augustin Lara, bearbeitet von Kazuhiro Morita.

Wie in den Vorjahren, glänzten die Musiker auch diesmal wieder im Glanz von Film-Sternen. »Hollywood« war das Potpourri betitelt, das unter anderem Stücke von John Williams oder Henry Mancini bot. Dazu zählten Melodien wie »Star Trek«, »Moon River«, »Over the rainbow«, »Immer wieder sonntags« sowie der »Rainders Marsh« aus »Indiana Jones«.

Nach so einem gloriosen Finale durfte noch nicht Schluss sein. So erklatschten sich die Zuschauer zwei Zugaben, unter anderem die Nationalhymne. »Wir kommen im nächsten Jahr gern wieder«, versicherte der Dirigent dem begeisterten Publikum. ek