Bewusster Blick auf Chancen des Sanierungsgebiets

Bundesweit hat jetzt zum ersten Mal der Tag der Städtebauförderung stattgefunden. ZahlreVerschiedene Quartiere wurden im Rahmen des Rundgangs zum Tag der Städtebauförderung besichtigt, etwa an der Häger Mauer, wo es um die Entkernung von Innenhöfen ging.

Bundesweit hat jetzt zum ersten Mal der Tag der Städtebauförderung stattgefunden. Zahlreiche Kommunen haben sich mit verschiedenen Projekten daran beteiligt. Die Stadt Einbeck ist mit den Programmen »Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenwerke und Netzwerke« und »Städtebau-licher Denkmalschutz« in die Förderung aufgenommen worden. Bei einem Rundgang durch das Sanierungsgebiet »Neustadt-Möncheplatz« konnten sich Interessierte über ausgewählte Beispiele für Denkmalschutz- und Sanierungsaktivitäten informieren. Insgesamt gibt es im Sanierungsgebiet 170 Baudenkmale, hinzu kommt eine große Anzahl von Kellern.

Einbeck. Kathrin Fricke vom Sachgebiet Bauaufsicht/Denkmalschutz und Peter Sobeck, Stadtentwicklung/Umwelt, erläuterten Details zum 9,25 Hektar großen Sanierungsgebiet, aus dem sie einige Schlüsselprojekte vorstellten. Über einen Zeitraum von ungefähr zehn Jahren steht ein Gesamtinvestitionsvolumen von 7,5 Millionen bereit. Ein Drittel hat die Stadt zu tragen, die weiteren Anteile kommen von Land und Bund. Gefördert werden sowohl private als auch öffentliche Maßnahmen.

Eines der Schlüsselprojekte ist der Möncheplatz. Auf der Häuserzeile an der Nordseite hat es bis zu einem Brand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hohe Sandsteindächer gegeben. Seither sieht man dort nur teilweise flache »Notdächer«. Gern würde man wieder einen »Eingangsbereich« herrichten, so Kathrin Fricke. Die Gebäude, im Untergeschoss gewerblich vermietet, zeichnen sich durch schöne Räume im Obergeschoss aus; dort gibt es allerdings auch viel Leerstand. Historische Fenster wären es ebenfalls Wert, erhalten zu werden. Darüber hinaus sind Planungen angelaufen, den gesamten Platz neu zu gestalten.

Eine weitere Station des Rundgangs war die Ecke Altendorfer Straße/Rosental. Hier lassen sich an seit Anfang des 19. Jahrhunderts verputzten und heute schieferbehängten Gebäuden verschiedene Bauphasen ablesen. Modernisierungsuntersuchungen werden auch hier angestellt.

Außergewöhnliches sogenanntes Leiterfachwerk findet sich am Haus Baustraße 23, dem ehemaligen Waisenhaus. Eine Sanierung des langen Gebäudes sei, so die Fachleute, unbedingt erforderlich. Voruntersuchungen habe es bereits gegeben. In den 1930er Jahren sind Dachgauben ausgebaut worden; diese Maßnahme würde man gern zurücknehmen. Das Gebäude befindet sich im Besitz der Hospitalstiftungen.

Dass sie in »zweiter Reihe« steht, hat die Alte Synagoge in Einbeck während der NS-Zeit vermutlich gerettet. Im Stil einer Landsynagoge wurde sie um 1800 in der Baustraße errichtet und etwa 100 Jahre lang genutzt. Über die Geschichte des Gebäudes und die laufende Sanierung berichtete der Vorsitzende des Fördervereins Alte Synagoge, Frank Bertram. Das Vorhaben kommt in den Genuss der Förderung durch das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz – als erstes Einbecker Projekt ist es aufgenommen worden. Erst in den 1990er Jahren wurde wiederentdeckt, dass es sich bei dem zwischenzeitlich als privates Wohnhaus genutzten Gebäude um eine ehemalige Synagoge handelte – anhand einer speziellen Balkenkonstruktion. Ein Förderverein, 2004 gegründet, arbeitet daran, das Haus denkmalgerecht zu sanieren – keine einfache Aufgabe, wie der Vorsitzende einräumte. Geplant ist, dass ein Ort der Begegnung und des offenen Dialogs entsteht, etwa für Lesungen, Konzerte und Diskussionen. Im aktuellen Bauabschnitt wird am Nebengebäude gearbeitet, darin werden Infrastruktur und Erschließung untergebracht. Dafür waren 125.000 Euro kalkuliert. Es werde jedoch, so der Vorsitzende, »etwas teurer«. Neben der Förderung aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz gibt es von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim und der Volksbank-Stiftung namhafte Beträge. Wie man Innenbereiche mit neuer Nutzung erfüllen kann, dafür werden Beispiele im Bereich Häger Straße/Häger Mauer ausgearbeitet. Hier gibt es Möglichkeiten, Höfe zu entkernen, ungenutzte Gebäude wie Schuppen zu entfernen, Pflanzinseln, Pergolen oder Hochbeete anzulegen. An zentraler Stelle, stadtnah und trotzdem ruhig, könnte so eine gute Wohnlage für Familien mit Kindern entstehen, mit attraktiven Höfen in Richtung Süden. Ein Problem hier wie an anderen Stellen der Altstadt allerdings auch sind fehlende Stellplätze für Fahrzeuge. Die Grundstücke geben es oft nicht hier, und in der Umgebung findet sich kaum etwas. Das sei, bedauerten Kathrin Fricke und Peter Sobeck, ein echter Nachteil dieses Sanierungsgebiets.

Ein weiteres Schlüsselprojekt ist der Neustädter Kirchplatz. Von der Bebauung mit einem Geschäftshaus hat die Politik inzwischen Abstand genommen; derzeit läuft die Freiflächenplanung für einen Multifunktionsplatz an. Dazu wird es unter anderem einen städtebaulichen Wettbewerb geben. Zu klären sind zudem Fragen nach Verkehrsführung und Erschließung, und da ein Teil des Platzes im Besitz der Kirche ist, müssen entsprechende Gespräche geführt werden. Die Öffentlichkeit wird an den weiteren Planungen ebenso beteiligt wie das Landesamt für Denkmalpflege. Dem Platz, hieß es, komme besondere Bedeutung als Tor beziehungsweise Eingangsbereich zur Fußgängerzone zu. Der Wettbewerb werde sich auch mit angrenzenden Flächen beschäftigen.ek



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