Dem Begriff Heimat ein Gesicht geben

Fachwerk-Fünfeck mit Projekt »Fachwerk allumfassend« in Schulen | Goetheschul-Klasse baut im Wolpeter-Haus

Im Wolpeter-Haus in der Einbecker Innenstadt haben Sechstklässler der Goetheschule mit Lehm und Holz gearbeitet, und sie haben Wände farblich gestaltet: alles im Rahmen des Schulprojekts »Fachwerk all­umfassend« des Fachwerk-Fünfecks.

Einbeck. »Wer will fleißige Handwerker seh’n, der muss zu uns Kindern geh’n«: Das Kinderlied erfährt seine praktische Umsetzung beim Schulprojekt »Fachwerk allumfassend« des Fachwerk-Fünfecks. Schüler beziehungsweise Kindergartenkinder lernen dabei die Baukultur ihrer Heimatstädte kennen. Unterstützt wird die Aktion vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD), von der Denkmalpflege vor Ort und von Handwerkern und Kunstschaffenden. Die Schüler der sechsten Klasse der Goetheschule haben dabei einen interessanten Vormittag verbracht: Nach einer Stadtführung mit Marion Bartels konnten sie auf der »Lernbaustelle« Wolperstraße 23, dem Wolpeter-Haus, praktische Erfahrungen sammeln.

Holz, Holzbau, Lehm, Konstruktion und Technik waren die Inhalte des Projekttags. Unter der Anleitung von Andreas Neugebauer, Tischlermeister und Restaurator, und von Maurer Dennis Lüttge von Leibssle Lehmbau haben die Schüler am Modell einer Fachwerkwand gearbeitet.

»Wir möchten historische Werte der Bausubstanz positiv verankern«, stellte Doris Olbeter, Architektin und Oberkonservatorin beim NLD, fest. Die Kinder sollten die Heimat unter diesem Aspekt kennen und schätzen lernen. Zugleich soll für Handwerksberufe geworben werden, denn sonst hätte man nicht mal ein Dach überm Kopf – das sei schon den Jüngsten in der Kindergartengruppe bewusst gewesen. Nach einer Förderschulklasse in Northeim und einem Kindergarten und einer Grundschule in Duderstadt war Einbeck die dritte Station des Fachwerk-Fünfeck-Projekts. Hann.-Münden und Osterode werden noch folgen. Die Themen sind dabei sowohl auf die Städte als auch die Altersgruppen abgestimmt. »Ziel des denkmalpädagogischen Angebots ist es, Kinder und Jugendliche für ihre gebaute und gestaltete Umwelt zu begeistern und dem Begriff Heimat ein Gesicht zu geben«, so die Überlegungen im Fachwerk-Fünfeck.

Ein großes Dankeschön ging an die Firma Sauter, die das Haus zur Verfügung gestellt hat, aber auch an die weiteren Unterstützer: Gästeführerin Marion Bartels für den altersgerechten Rundgang, an die Handwerker, aber auch an Patricia Keil als Kunst- und Kulturschaffende, die mit den Kindern das Farb- und Druckthema bearbeitet hat, sowie die Lehrerinnen der Goetheschule und die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Einbeck: Krimhild Fricke hat die Planungen koordiniert und die Durchführung unterstützt. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ließ sich eine Besichtigung der Baustelle und der von den Schüler geleisteten Arbeit nicht entgehen, und sie war begeistert von der Idee und deren Umsetzung.

Aus der Theorie konnten die Schüler ins Gestalten kommen beziehungsweise es wieder lernen. Sie sahen, wie früher mit Lehm und Holz sowie Weidengeflechten gebaut wurde; in der Alten Synagoge hatten sie zuvor schon solche Wände beziehungsweise Gefache im Original in Augenschein nehmen können, jetzt wurde nachgebaut. Auch Tapeten-Musterrollen standen zur Verfügung, und die Kinder konnten einiges an Druckmotiven aufs Papier bringen. Ebenso erfuhren sie, wie Holznägel für die Verbindung von Fachwerk eingesetzt wurde. »Und ich habe nicht den Eindruck, dass sich hier jemand langweilt«, war Doris Olbeter mit Juliane Hofmann, Projektleiterin beim Fachwerk-Fünfeck, einig. In vier Gruppen konnten sich die Jugendlichen abwechselnd mit den unterschiedlichen Schwerpunkten befassen.

Sichtlich Spaß hatten nicht nur die Farbexperten bei der Gestaltung schöner Muster, die einen Eindruck vermittelten, wie Häuser früher ausgesehen haben, sondern auch die Lehmbauer: In der »Lehmstube« wurde mit Wasser und einem großen »Mixer« gearbeitet und der zähflüssige Lehm dann mit sichtbarem Vergnügen in die Form »geklatscht«. Wahre Naturtalente zeigten sich dabei beim Verbauen der Lehmziegel, aber auch darin, das Weidengeflecht im Gefach mit Lehm zu bewerfen.

Eine solche Aktion mache auf leere Objekte aufmerksam, man könne über neue Nutzungen nachdenken, hieß es weiter. Sie zeige aber auch, was man beim Umgang mit diesen Häusern richtig und falsch machen könne. »Wir sind sehr dankbar, dass das Fachwerk-Fünfeck das Thema aufgereift«, so die Vertreterin der NLD. Sehr wünschenswert wäre es, solche Aktionen mit der Goetheschule fortzusetzen – einmal im Jahr für alle sechsten Klassen. Von der Lernbaustelle haben die Schüler nicht nur viel neues Wissen mitgenommen, sondern mit Professor »Fabuk« einen neuen »Kumpel« gewonnen, das Maskottchen der Bau- und Kunstdenkmalpflege.ek

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