Den Bierorden hat er sich seit langem verdient

Karnevalistische Auszeichnung an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil verliehen | Pragmatiker mit Humor

Ein glücklicher und würdiger Bierordensträger: Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, wurde von der Gesellschaft der Einbecker Karnevalsfreunde und vom Einbecker Brauhaus ausgezeichnet.

Einbeck. Ein Preisträger wie ein Einbecker Winter-Bock: mit kräftiger Malznote, süffig und stark, mit rundem und voluminösem Abgang, in leuchtendem Rot und mit einer festen Schaumkrone. Wäre der neue Träger des Einbecker Bierordens, Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil, ein Bier, dann ein Winter-Bock, stellte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in ihrer Laudatio auf den zu Ehrenden fest. Und der Politiker erwies sich als würdiger Preisträger, und Biertrinker ist er sowieso, wenngleich bei ihm zuhause, in Peine, vor allem Härke ins Glas kommt. Der Politiker ist am Freitagabend im Alten Rathaus von der Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck und dem Einbecker Brauhaus mit dem Bierorden ausgezeichnet worden.

Was in Einbeck für Diskussionen sorgt, hat Markus Henze als Till Eulenspiegel, Symbolfigur des Einbecker Karnevals, aufgespießt. Hubertus Heil sei möglicherweise ein Heilsbringer für Einbeck. Immerhin habe man einen neuen Baudirektor, und der sei bis vor kurzem noch beim Landkreis Peine beschäftigt gewesen, wo Heil seine Wurzeln habe. Ob die Skulptur an der Marktkirche, die Betrachtern als Brille und  Werbeaktion eines Einbecker Optikers gelten könne, ob die Reaktivierung der Bahnstrecke, der er gar nichts abgewinnen konnte: »Wo man mit Steuergeldern wild jongliert, der Bürger rasch den Überblick verliert.«

»Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal«, der Kurz-Lebenslauf von Hubertus Heil erfahre durch den Rathaussaal eine logische Steigerung, sagte Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch über den Ordensträger. Mit 16 trat er den Jusos bei, seit 22 Jahren sitzt er im Deutschen Bundestag, zweimal war er SPD-Generalsekretär, mit 45 Jahren wurde er Minister für Arbeit und Soziales, und nun, mit 46, erhalte er die Krönung: den Einbecker Bierorden. Damit sei er der jüngste männliche Ordensträger. Niedersachsen sei seine Heimat, er sei begeistert von Heide und Harz, und es könne, das habe er, so Deutsch, gelesen, ziemlich lustig sein mit ihm – er bestehe vollständig aus Anekdoten. Öder werde es allerdings, wenn die Mikrofone angeschaltet seien. In Peine sei er zuhause, so habe er die Einbecker-Tochter Härke im Herzen: Das Bier werde auch im Ministerium ausgeschenkt.

Sie habe ein bisschen gezögert, als sie gebeten wurde, die Laudatio zu halten, verriet Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Die erwartete Bekränzung mit Lorbeer durch ein CDU-Mitglied könnte dem Sozialdemokraten ein Parteiausschlussverfahren oder einen Rapport bei Andrea Nahles bescheren. Er sei, habe er vorab gesagt, bereit, sich von der Einbecker Braukunst überzeugen zu lassen. »Kennen Sie Ihren Luther nicht?«, fragte die Bürgermeisterin, um ihn an das Luther-Zitat von 1521 zu erinnern: »Damit stellt sich die Frage nach dem besten Bier nicht mehr.« Als Jugendlicher wirkte er im Jacket bei den Jusos wie ein Spitzel der Jungen Union.

Er arbeite zielorientiert und gehöre in die pragmatische Mitte, was ihr sehr sympathisch sei, so die Bürgermeisterin. Der zweifache Familienvater engagiere sich für Bildungschancen und Werte, er koche gern, möge Schnitzel/Pommes und Pasta mit Pesto. Generalsekretär sei kein Job für sensible Naturen, sondern ein Platz, an dem man zuspitzen, vereinfachen und provozieren müsse, ohne persönliche Herabwürdigung, »und da haben Sie Recht«, sagte sie unter Beifall. Seit März 2018 gehört er der Großen Koalition als Minister an, und bei der Vereidigung solle er gestrahlt haben wie ein Junge, der einen Kicker zu Weihnachten bekomme. Das Ministerium sehe er als »Herzkammer der Bundesregierung«. Er wolle die Gesellschaft zusammenhalten.

Fußballerisch schlage sein Herz blau-gelb für Braunschweig, rot sei er nur in der Politik. Er habe rhetorisches Talent und Sinn für Humor. Für den Bierorden sei er eine gute Wahl.

Nach dieser »wunderbaren Laudatio« verlieh Präsident Albert Eggers Orden, Urkunde und Krug, und ein flüssiges Präsent gab’s ebenfalls. Schön wäre es, würde Heil bei den Kabinettssitzungen den Orden tragen.

Bei der sogenannten »Morgenlage« im Ministerium habe er auf den bewegten Tag geblickt, verriet Hubertus Heil. Die Staatssekretärin bekomme einen Wissenschaftspreis, »ich einen Orden – so unterschiedlich sind die Talente.« Einen Bierorden habe er sich aber bei aller Bescheidenheit schon lange verdient. Seit seinem 16. Lebensjahr habe er einen Beitrag dafür geleistet, »ich kann Sie nur loben.« Und die Bundeskanzlerin lasse grüßen. Sie mache sicher nicht alles richtig, habe aber ihre guten Seiten, und hier biete sich auch ein Luther-Zitat an, das mit dem verzagten Hintern und dem fröhlichen Furz.

»Sollte man vielleicht auch mal Ralf Stegner mitteilen«, der gucke immer so traurig. Die Arbeitsmarktzahlen seien gut, darauf könne man anstoßen. Die Umfragewerte der SPD seien dagegen so, dass man Trost im Bier suchen müsse. Auch im Kabinett sei Bier ein Thema. Er weise Horst Seehofer immer darauf hin, dass Bayern ohne Niedersachsen nicht mal eine Hauptstadt habe, und Katharina Barley stamme aus Köln: Der Karneval hier sei besser, »und die haben nicht mal Bier.« Zwischen Einbeck und Peine wünsche er sich friedliche Koexistenz. Peine produziere noch Bier, da habe Einbecker mitgeholfen. »Ihr füllt es ab und verkauft das dann, wie in der GroKo: Die SPD liefert, die Merkel verkauft es.«

Er sei dankbar für die Ehre, und er freue sich kultureller Botschafter des Bieres zu sein. In Berlin verstehe man vom Brauen so viel wie vom Flughafen. In einem Ausblick sagte er, er habe Hoffnung, dass Donald Trump aufhöre, Unfug zu machen und dass er sich eine ordentliche Frisur leiste, dass die Briten den Brexit ließen und wieder einen Niedersachsen zum König machten und dass Friedrich Merz der Regierung eines seiner Flugzeuge schenke.  Die SPD, und das meine er ernst, solle sich mit endlich mit dem beschäftigen, was im Land wichtig sei. Weiter sah er neue Gesetze, in Brandenburg etwa die 3S-Strategie zum Wolf: schießen, schaufeln, schweigen. »Ich hoffe, ich mache Ihnen keine Schande«, bedankte er sich. »Wenn ich gewusst, dass es hier so viel zu saufen gibt, wäre ich viel früher gekommen.«

Unterhaltung von Michael Beyer, Tanzmariechen Janina Kalinowski, der Funkengarde und den Prosecco-Schwalben, die den Minister mit »Er macht ‘nen glücklichen Wähler aus mir« anschmachteten, das war Teil des fröhlichen Programms. Als »Rösselwirtin« bezauberte Louisa Mose mit Musical-Melodien. Das Zeitgeschehen nahm Albert Eggers als Bierkutscher aufs Korn. Bei Hannover 96 erhalte jetzt jeder Spieler ein Fahrrad, um das Absteigen zu lernen.

Den Neustädter Kirchplatz könne man nach der Beseitigung des Urwalds leider nicht mehr als Drehort fürs »Dschungelcamp« nutzen, aber der Möncheplatz biete sich an für eine Klettergarten-Datingshow vor Waschbetonromantik. Das Kunstwerk an der Marktkirche ähnelte auch für ihn einer Brille, vielleicht zum Durchblick für den Ausbau der Tiedexer Straße. Damit die Zusammenarbeit besser klappe, empfahl er der Bürgermeisterin, die Fraktions-Gockel zum  Stuhlkreis zu versammeln. Mit dem »Brauhauslied« von Gundi Eggers endete ein spritziger Abend.

Die Karnevalisten wollen nicht nur feiern, sondern Gutes tun. Die Spenden, die während der Session gesammelt werden, kommen den Kinder- und Jugendwehren im Stadtgebiet sowie der THW-Jugend zugute. Das Geld soll zum Aufbau der wichtigen Jugendabteilungen beitragen. Der Präsident appellierte an die Besucher, es sollte in den Sammelbüchsen lieber rascheln statt klingeln. Mit einer Spendensumme von 1.339 Euro ist ein guter Anfang gemacht.ek

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