Der schleichende Untergang einer Kaufmannsfamilie

Komplexe Familienchronik »Die Buddenbrooks« von Thomas Mann wurde in Einbeck aufgeführt / Umsetzung gelungen

Das Tourneetheater Landgraf erzählte im Wilhelm-Bendow-Theater Einbeck nun die bekannte Lebensgeschichte der Lübecker Kaufmannsfamilie »Buddenbrooks« nach. Thomas Manns Familienchronik, auf der das Theaterstück von John von Düffel basiert, gilt als Klassiker der Weltliteratur.

Einbeck. In dem bürgerlichen Geschwisterdrama ist die Familie gleichzeitig Kapital und Bürde. Für Patriarch Johann von Buddenbrook (Klaus Mikoleit) steht der wirtschaftliche Erfolg seiner Firma an erster Stelle. Seine Frau Elisabeth sowie die Söhne Thomas (Hans Machowiak), Christian (Jörg Walter) und Tochter Tony (Nadine Nollau) sind zweitrangig, obwohl er sie liebt.

Eines Tages kommt der Hamburger Geschäftsmann Bendix Grünlich (Ulrich Westermann) zu Besuch und heiratet Tony, nachdem sie sich lange Zeit sträubt, da sie ihn »widerlich« findet, schlussendlich doch. Sie möchte ihrem Vater zu Liebe durch die Ehe dem Unternehmen Gutes tun. Unterdessen bereitet sich Thomas auf die Übernahme der Firma Buddenbrook vor, deren Umsätze stagnieren. Anders als sein Bruder, der  vor allem als Lebemann auffällt und sich gern in zwielichtigen Gegenden Londons herumtreibt, hat Thomas den Ehrgeiz seines Vaters geerbt. Tonys Ehe scheitert jedoch, und es stellt sich heraus, dass Grünlich sie nur geheiratet hat, um an das Vermögen der Buddenbrooks zu gelangen.

Nach der Scheidung von Tony und Bendix stirbt Johann. Thomas ist fest entschlossen, weiter Erfolgsgeschichte zu schreiben. Er vermählt sich mit der Millionärstochter Gerda Arnoldsen (Irene Jacoba Holzfurtner) und wird zum Senator gewählt, sogar Stammhalter Hanno (Felix-Jasper Holzfurtner) wird ihm geboren. Mittlerweile ist auch die zweite Ehe seiner Schwester gescheitert, Christian ist ständig krank und bankrott, und seine Mutter Elisabeth (Heidemarie Wenzel) spendet wichtige Vermögensteile der Kirche. Als es ganz schlecht um die Firma bestellt ist, zieht der kleine Hanno einen  Schlussstrich unter den Stammbaum in der Familienchronik: »Ich glaube, da kommt nichts mehr«, sagt er.

Die Mammutaufgabe, das umfangreiche Literaturwerk von Thomas Mann, dass Mitte des 19. Jahrhunderts spielt, auf die Bühne zu bringen, ist gelungen. Die karge Bühnendekoration, die lediglich aus drei Stühlen und einem Tisch bestand, war gewöhnungsbedürftig, jedoch den vielen Ortswechseln des Stücks geschuldet. Die Schauspieler zeigten allesamt famose Leistungen, besonders Nadine Nollau als Tony und Hans Machowiak als Thomas ragten hier heraus. Dessen Wandlung vom liebevollen Sohn zum knallharten Geschäftsmann und schließlich zum erkrankten, gebrochenen Mann war hervorragend gespielt.

Teils witzig, teils traurig und oftmals bitterernst spielte das Ensemble alle wichtigen Schlüsselszenen der Romanvorlage. Die Zuschauer zollten den Darstellern mit großem Applaus ihren Dank.tc

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