Die Oberschule kann eine Alternative für die IGS sein

FDP stellt Konzept der niedersächsischen Oberschule vor / IGS in Einbeck fraglich / Antrag liegt Kultusministerium in Hannover vor

Die Oberschule könnte eine Alternative zur IGS oder KGS darstellen, meinte der schulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, in seinem Vortrag zum Thema »Die niedersächsische Oberschule« im Zuge des außerordentlichen Kreisparteitags der FDP.

Einbeck. Ausgangssituation seien ein Schü-lerrückgang bis zu 40 Prozent und ein verändertes Auswahlverhalten der Eltern, das auch dem »schlechten Ruf« der Hauptschule geschuldet sei. Dem gegenüber stehe der Wunsch nach Sicherung von Schulstandorten. »Es werden nicht alle Schulen erhalten werden können«, stellte Försterling (Foto) klar.Eine Alternative zur Integrierten (IGS) oder Kooperativen Gesamtschule (KGS) könne die Oberschule darstellen, führte er aus. Dadurch werde der Fortbestand bestehender Lehranstalten ermöglicht.

»Jeder Schüler muss zukünftig eine Oberschule und ein Gymnasium in zumutbarer Entfernung, also in 60 Minuten Fahrstrecke, erreichen können«, so Försterling. Haupt-, Real- und kooperative Gesamtschulen könnten in der Oberschule aufgehen, ohne gymnasiales Angebot müssten sie mindestens zweizügig, mit dreizügig sein. Als Klassenobergrenze werden 28 Schüler angesetzt, ab August 2011 soll diese Grenze eingeführt werden. Zurzeit sind noch bis zu 32 Schüler pro Klasse zugelassen.

Der innere Aufbau einer Oberschule zeichne sich durch Leistungsdifferenzierung aus. »Dafür setzt sich die FDP seit jeher ein«, sagte der schulpolitische Sprecher. Dadurch entstehe natürlich ein höherer Lehrerbedarf, außerdem sollten Sozialpädagogen eingestellt werden. Die Differenzierung könne in den Kategorien »grundlegendes Niveau«, »ergänzendes Niveau« und »zusätzliches Niveau« erfolgen, diese spiegelten die verschiedenen Schulzweige wider. Die Unterteilung erfolge fächer- und nicht klassengebunden. Durch die Oberschule werde die Struktur demographiesicher und flexibler für die Träger. Durch teilgebundene Ganztagsangebote und Pädagogen werde die Qualität erhöht, durch kleinere Klassen die Förderung. Die verschiedenen Leistungsniveaus erhöhten zudem die Durchlässigkeit.

Die IGS bleibe als ergänzende Schulform erhalten, in der Regel bedürfe es aber der Fünfzügigkeit zur Gründung. Ausnahmen in Landkreisen, in denen lediglich eine Vierzügigkeit erreicht werden kann, sind erst ab dem 1. August 2012 möglich. Ziele der FDP sind, ein wohnortnahes Schulangebot zu erhalten und leistungsdifferenziertes Lernen zu ermöglichen. Außerdem sollen die Perspektiven für die Schüler erhöht und die Bildungsqualität verbessert werden.Der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha eröffnete nun die Diskussion, erläuterte jedoch zunächst die Ausgangslage für Einbeck. In einer Bürgerbefragung sprach sich die Mehrheit der Eltern für die Einrichtung einer IGS aus, der Antrag wurde bereits beim Kultusministerium eingereicht. Die Oberschule stelle lediglich eine weitere Möglichkeit ab dem 1. August 2011 dar. »Die Ausnahmeregelung für IGS wird in Landkreisen, in denen bereits eine fünfzügige Gesamtschule existiert, nicht greifen«, erläuterte Försterling auf Nachfrage.

Der Vorsitzende des Stadtelternrats, Arne Radtke-Delacor, sprach sich auch für kleinere Klassen aus. Dadurch werde eine flexiblere Reaktion auf Unterrichtsausfälle ermöglicht. Außerdem müssten die Kern-Curricula in der Sekundarstufe I überarbeitet werden, wenn das Abitur nach zwölf Jahren beibehalten werde. »Es kommen noch einige Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung auf uns zu«, berichtete Försterling.

Siegfried Pinkepank, Leiter der Wilhelm-Bendow-Schule, meinte, dass »das Potenzial der jungen Leute nicht ausgeschöpft werde.« Ein Missstand sei, dass wesentlich mehr Ab- als Aufschulungen erfolgten. Die Eltern würden sich zu Recht für die beste Schulbildung ihrer Kinder einsetzen. »Viele Abschulungen erklären sich aber dadurch, dass Eltern die Laufbahnempfehlung für ihre Kinder ignorieren«, entgegnete Försterling.

»Wieso nun eine Oberschule zur Wahl gestellt werden soll, obwohl die Umfrage für eine IGS spricht, ist unbegreiflich«, echauffierte sich Pinkepank. Es sei enttäuschend, dass »die FDP offenbar keine Gesamtschule will.« Grascha solle »endlich Rückgrat zeigen.« Dieser glaubt, dass das Kultusministerium den Antrag für eine IGS wohl ablehnen werde.

Eine Sprecherin der Initiative sagte, wenn noch eine Bürgerbefragung durchgeführt werden müsse, in der man auch für eine Oberschule stimmen könne, fühle man sich »veräppelt«.

Irnfried Rabe berichtete anschließend aus der Kreistagsfraktion. Die Wahlbereichseinteilung werde im Kreistag am 17. Dezember festgelegt. Auch die Frage der Gebietsneuregelung sei eine wichtige, die Vorstellungen des Landrats zur Kreisreform seien von SPD und FDP kritisch aufgenommen. »Wir warten noch auf das Gutachten«, so Rabe. Wie man es auch drehe und wende, »die Wege werden wohl länger werden«, egal, ob man mit dem Landkreis Göttingen, Osterode oder Holzminden fusioniere. Grascha erwartet »eine spannende Debatte«. Außerdem bereite man sich mit Hochdruck auf die Kommunalwahl 2011 vor. Der Landtagsabgeordnete freute sich außerdem darüber, dass die Investitionen für die Infrastruktur und Bildungspolitik um jeweils zehn Millionen Euro erhöht wurden. tc

Schüler politisch weiter einbinden