»Die wissen aus Erfahrung, wo sie das Geld finden«

Polizeihauptkommissar Dirk Schubert hielt beim Kneipp-Verein Einbeck einen seniorenbezogenen Vortrag zum Thema Trickdiebstahl

Auf Einladung des Kneipp-Vereins Einbeck informierte Hauptkommissar Dirk Schubert von der Polizeiinspektion Northeim-Osterode die Mitglieder und Gäste in einem auf Senioren zugeschnittenen Vortrag über verschiedene Varianten des Trickdiebstahls und wie man sich dagegen schützen kann.

Einbeck. »Man muss sehr vorsichtig sein«, warnte Schubert zu Beginn seiner Ausführungen. Gerade bei Tricks an der Haustür würden die Hilfsbereitschaft und die Unachtsamkeit der Opfer ausgenutzt. Egal, ob um ein Glas Wasser, das Benutzen der Toilette oder das Auffüllen des Babyfläschchens gebeten werde, viele täuschten eine Notsituation vor. Schnell werde man ins Gespräch verwickelt und abgelenkt, so dass der Komplize unbemerkt in die Wohnung gelangt. »Die Betrüger sind immer freundlich und wollen Ihr Vertrauen gewinnen«, berichtete der Hauptkommissar. Sind diese erst einmal in der Wohnung, gibt es kein sicheres Versteck mehr.

»Die Wissen aus Erfahrung, wo sie das Geld finden«, so Schubert. Das Risiko minimieren könne man als Alleinstehender durch Benachrichtigung eines Nachbarn oder indem man zunächst die Tür schließt und dann das Glas Wasser an den Eingang bringt. »Das ist keineswegs unhöflich«, versicherte der Polizeihauptkommissar. »Ich möchte Ihnen die Hilfsbereitschaft nicht absprechen, aber seien Sie vorsichtig. Lassen Sie sich als Alleinstehender nicht unter Druck setzen. Auch wenn sich jemand als vermeintlicher Bekannter oder ehemaliger Arbeitskollege ausgibt, stellen Sie ruhig mal eine Fangfrage.«

Ebenfalls sehr beliebt in der Szene sei der Enkeltrick, der europaweit bisher für hohe Schadenssummen gesorgt habe. Hierbei suchten sich international operierende Banden gezielt Betroffene über 80 Jahren aus. Mittels eines Telefonregisters würden bevorzugt vierstellige Telefonnummern sowie alte Vornamen herausgesucht. Bei einem Anruf meldete sich ein vermeintlicher Bekannter, der in eine Notsituation geraten sei. Es werde dabei eine glaubhafte Geschichte vermittelt und eine schnellbenötigte Geldsumme verlangt, die immer ein Unbekannter abholt. »Die geschilderte Notsituation und Hilfsbereitschaft sorgen dafür, dass nicht weiter geprüft wird, wer der Anrufer ist«, erläutert Schubert. Wichtig sei in so einer Situation, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und keine familiären und finanziellen Details zu erzählen. »Informieren Sie sich in einem Telefonat bei Verwandten und Bekannten und händigen Sie Fremden kein Bargeld aus«, warnte der Diebstahlexperte. Zudem gebe es heutzutage nicht mehr viele Geschäfte, in denen das Geld so schnell parat sein müsse. Auch bei potenziellen Amtspersonen oder Versorgungsmitarbeitern solle man sich den Ausweis zeigen lassen oder im Notfall die betreffende Dienststelle anrufen. Die Finger sollte man auch vom angeblichen Dachdecker lassen, der »zufällig« vorbeikommt und einen Schaden entdeckt. »Seriöse Unternehmer fahren nicht durch die Gegend und schauen sich sämtliche Dächer an«, erklärte der Polizeibeamte.

Auch bei Haustürgeschäften sei Vorsicht angebracht: »Da wird das Schnäppchen schnell teuer«, berichtete Schubert. Dabei reiche die Palette von »günstigen« Produkten und Dienstleistungen bis hin zu Mitgliedschaften oder Zeitschriftenabonnements. Für diese gelte ein zweiwöchiges Widerrufsrecht, allerdings nur ab einem Betrag von ungefähr 40 Euro. Vermieden werden sollte bei diesen Geschäften, eine Unterschrift zu leisten und bei Telefonaten in ähnlichem Rahmen das Wort »Ja« zu benutzen. »Wir hatten einige Fälle, in denen das Gespräch so zusammengeschnitten wurde, dass es sich nach einer mündlichen Zusage anhörte«, berichtete der Polizeibeamte.

Nicht nur zu Hause lauerten für ältere Menschen Gefahren, auch auf der Straße sei Vorsicht geboten. Ob im Menschengedränge beim Ein- und Aussteigen oder durch gezieltes Ablenken versuchten die Diebe in Besitz der Wertsachen zu gelangen. Deshalb sollte das Portmonee nah am Oberkörper getragen und die Börse beim Bezahlen nicht aus der Hand gelegt werden. »Deponieren Sie ihre Handtasche nicht im Rollatorkorb, da ist sie leichte Beute für Handtaschendiebe«, fügte er an. Ans Herz legte er den Zuhörern, nicht den Helden zu spielen. »Lassen Sie lieber los, bevor Sie sich schwer verletzen.«

Abraten könne er auch von Kaffeefahrten: »Hier bekommen Sie nichts geschenkt«. Zudem seien die Waren nicht nur minderwertig, sondern auch teurer. Auch von sogenannten Wunderpillen sollte man die Finger lassen. »Machen Sie sich nichts vor, die Leute sind Verkäufer und keine Apotheker«, so Schubert.

Im Rahmen des technischen Fortschritts sei auch das Ausspähen der EC-Karten-Daten kein Problem mehr für professionell agierende Banden. So werde versucht, die Geheimzahl durch das Installieren von kleinen Kameras direkt am Terminal oder in Brandmeldeanlagen und veränderten Tastaturen auszuspähen. Ein weiteres Mittel ist das Auslesen des Magnetstreifens durch Aufsätze auf den Kartenlektoren. »Wenn Sie Bedenken haben, rütteln Sie etwas am Lesegerät oder brechen den Vorgang ab«, erläuterte der Hauptkommissar. An der Außenfassade angebrachte EC-Terminals sollten möglichst nicht angesteuert werden, da hier aus Erfahrung das Risiko am Größten sei, dass etwas manipuliert wurde.

Unter der Nummer 116116 könne im Notfall der Sperrnotruf für EC Karten kontaktiert werden. Zudem riet er davon ab, die Pinnummer auf die Karte zu schreiben: »Bei Verlust bekommen Sie kein Geld von der Bank zurück.« Bei weiteren Fragen und Informationen zum Schutz gegen Trickbetrug und -diebstahl verwies Schubert auf die Internetseiten www.polizei-beratung.de und www.pfiffige-senioren.de.thp

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