Dörfer wollen mehr Tempo

Ortsräte im Leinetal haben zu Veranstaltungen mit Goetel eingeladen | Mindestanschlussquote, Kosten

Volles Haus in Edemissen: Auf großes Interesse ist die Informationsveranstaltung des Ortsrats mit der Firma Goetel zum Thema Breitbandausbau/Glas­fasernetz gestoßen.

Edemissen. Schnelles Internet ist für die Bürger ein wichtiges Thema, insbesondere für die Ortschaften, die derzeit noch »abgehängt« sind. Der Landkreis hat zwar einen Ausbauvertrag mit einem Unternehmen unterzeichnet, wodurch innerhalb eines Jahres ein geförderter Ausbau erfolgen soll. Einigen Dörfern dauert das zu lange, und sie sind unsicher, welche Leistungen schließlich ankommen. Einige Ortsräte haben sich deshalb um Alternativen gekümmert, beispielsweise der Ortsrat Edemissen, aber auch weitere Dörfer im Leinetal. Das Göttinger Unternehmen Goetel war jetzt eingeladen, seine Ausbaupläne vorzustellen.

Mehrere Versuche, schnelles Internet zu bekommen, seien bisher fehlgeschlagen, kritisierte Ortsbürgermeister Ulrich Vollmer; Verwaltung und Politik hätten die Dörfer immer hängen lassen. Ein privater Anbieter habe sich nun bereiterklärt, Edemissen und weitere Süddörfer in Glasfaser zu erschließen. Damit sei man für die nächsten 20 oder 30 Jahre gerüstet. Die vom Landkreis ausgehandelten Verträge sähen eine garantierte Leistung von 50 Mbit vor, aber vermutlich sei das in einigen Jahren nicht mehr ausreichend. Die Ortsräte des Leinetals hätten sich zweimal getroffen, nun würden die Bürger entsprechend informiert. Er freue sich über die große Resonanz im Ort, zumal auch örtliche Unternehmen dabei seien. Gerade von ihnen komme der Wunsch, dass die Internet-Verbindung besser werde. Aber auch für den Kauf oder Verkauf von Immobilien sei das ein wichtiges Thema.

Mario Stickfort von Goetel stellte zunächst das 1998 in Göttingen gegründete Unternehmen vor, das seit Jahren Erfahrung mit Glasfaserverbindung hat und das in und um Göttingen mehr als 500 Mittelstandskunden versorgt, unter anderem die Universität. Inzwischen werde man auch außerhalb Göttingens aktiv, im Landkreis Northeim unter anderem mit dem Leineweber-Sechseck um Gladebeck, Hevensen, Parensen und Wolbrechtshausen. Das Unternehmen stehe für kurze Entscheidungswege und schnelle Bauzeiten, die beiden Geschäftsführer kämen aus dem Bereich Breitband.

Eine gute Internetverbindung werde immer wichtiger, betonte er. Das gelte nicht nur für die private Nutzung, sondern auch für das Herunterladen von Formularen, für das Arbeiten von Zuhause aus, für Einkauf oder Freizeit. Internet statt Lexikon und Atlas, das sei ebenso Realität wie die Nutzung von TV-Mediatheken. Für die Schule werde Internet vorausgesetzt, ein Studium ohne Internet sei nicht möglich. Auch Online-Banking und Smarthome brauchten vernünftige Verbindungen, genau wie die geschäftliche Nutzung, etwa Fernwartung von Maschinen oder Anlagen. Der Bandbreitebedarf werde steigen, so Mario Stickfort.

Der mit dem Landkreis geschlossene Vertrag sehe ein Kupferkabel bis zum Verteilerkasten und dann weiter ins Haus vor. Goetel lege Glasfaser bis ins Haus, es würden eigene Verteilerkästen gebaut. So entstehe ein komplett neues Netz. Vorteil von Glasfaser sei die Übertragung in Lichtgeschwindigkeit. Bis zu 120 Kilometern gebe es keine Datenverluste. Glasfaserkapazitäten seien nicht absehbar auszurei- zen, im Moment gebe es nichts Besseres, und man gehe von mindestens 50 Jahren Lebensdauer aus. Für den Fall, dass die Faser erblinde, könne man sie mit wenig Aufwand erneuern. Bis 2025, davon sei auszugehen, würden 75 Prozent der Haushalt eine Leistung von 500 Mbit nachfragen.

Nach dem Ausbau im Leineweber-Sechseck sei das Leinetal das nächste Projekt des Unternehmens. Die Orte seien momentan unterversorgt und mit dem Landkreis-Ausbau eventuell nicht zufrieden. Elf Dörfer hätten Interesse angemeldet.

Der Bauleiter bespreche vor Ort, was am Haus vorgenommen werde. Eventuell werde man eine andere Eingangsstelle nehmen als die Post das vor 60 Jahren mit dem Telefonanschluss gemacht habe. Der Kunde, der im Basispaket vier Standardanschlüsse erhalte, könne einen eigenen oder einen Miet-Router nutzen.

Dass ein Unternehmen das Netz neu baue, verursache natürlich Kosten, die müssten gedeckt werden, so der Unternehmensvertreter. So würden Hausanschlusskosten erhoben – je größer das Produkt, das der Kunde abnehme, desto geringer sei der Einmal-Beitrag; er liege zwischen 199 und 499 Euro. Enthalten sei ein Anschluss von 20 Metern ab der Grundstücksgrenze. Was darüber hinaus gehe, müsse in Eigenregie organisiert werden. Sich für einen Anschluss zu den vorgestellten Konditionen zu entscheiden, das sei bis zu dem Zeitpunkt möglich, wenn der Bagger in der Einfahrt stehe – ebenso der Widerruf, der bis Baubeginn erfolgen könne. Spätere Anschlüsse würden nach Aufwand abgerechnet, der liege mindestens bei 1.500 Euro.

Den zeitlichen Rahmen skizzierte er ebenfalls: Bis zum 11. September würden Vertragsabschlüsse entgegen genommen. Das Vertriebsziel liege bei 60 Prozent beziehungsweise in Edemissen bei etwa 100 Aufträgen. Die Bauplanung könne man im Anschluss vornehmen, mit der praktischen Umsetzung sei in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Als realistisches Ziel nannte er das Frühjahr 2019. Es müsse allerdings die Mehrheit der elf Leinetal-Orte mitmachen.

Wenn die Laufzeit bisheriger Verträge noch nicht beendet sei, gehe der Kunde kein Risiko ein: Eine doppelte Berechnung erfolge nicht, die Zwischenversorgung sei ohne Grundgebühr möglich, wobei sich der Kunde nicht um die Kündigung von Verträgen kümmern müsse, und auch die Beibehaltung der Telefonnummer übernehme der neue Versorger. Die Vertragslaufzeit betrage 24 Monate, anschließend könne man den Anbieter auch wechseln.

Das alles sei, war Mario Stickfort mit Ortsbürgermeister Ulrich Vollmer einig, ein Dorfprojekt. Bei weiterem Beratungsbedarf steht der Ortsbürgermeister für die Bürger zur Verfügung.ek

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