Ehemalige Kaserne und Stadtmauerverlauf am Einbecker Mühlenwall
Einbeck. Die Lithographie von C. Diedrich aus dem Jahr 1860 zeigt die ehemalige Einbecker Kaserne an der Baustraße vom Mühlenwall aus gesehen. Diedrich vermerkte: »N. d. Nat. gez. u. lith.« (nach der Natur gezeichnet und lithographiert). Im Hintergrund rechts erkennt man den Pulverturm. Der Kartenausschnitt von 1750 (oben) weist das Gebäude noch als Fabrique aus (Anfang des 18. Jahrhunderts als erster Industriebetrieb in Einbeck errichtet), der Komplex wurde später um- und angebaut und diente vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg als Kaserne. Auf dem Hof exerzieren die Soldaten.
Sie ahnen noch nicht, dass sie sechs Jahre später vergeblich um den Erhalt des Königreiches Hannover kämpfen werden. Was erst auf den zweiten Blick auffällt, ist der Verlauf der Stadtmauer: Auf dem kleinen Kartenausschnitt sieht man den Verlauf der Mauer im Jahr 1750. Zu dieser Zeit befanden sich zwischen dem Pulverturm und der kleinen Brücke links unten noch drei weitere Türme: ein halbrunder, ein eckiger, zur Stadtseite hin offener Turm und der eckige Trucken-Turm (Trocken-Turm) in geschlossener Bauweise. In der Erläuterung des alten Stadtplanes heißt es dazu: »Von diesem kommt alle Jahr Recognition an die Cämmerey«. Auf der Lithographie von 1860 ist von allen drei Türmen nichts mehr zu sehen.
Das liegt daran, dass ein großer Teil von Einbecks östlicher Stadtbefestigung wenige Jahre, nachdem die Karte gezeichnet wurde, durch eine Sprengaktion von französischen Truppen zerstört wurde. Nur ein Stück Mauer im Vordergrund scheint übrig zu sein. Aber vielleicht waren ja zu der Zeit, als die Abbildung entstand, noch Turmreste hinter den Bäumen und Büschen vorhanden. Wenn man ganz genau hinsieht, erahnt man hinter dem Baum vor dem Pulverturm dunkle Umrisse. Vergleicht man diese mit dem Kartenausschnitt, so könnte es sich um die Reste der äußeren Ecke des Trucken-Turms handeln.
Zwischen dem Trucken- und Pulverturm (ungefähr da, wo die Baustraße in den Sonnenhaken abbiegt) führte ein Torweg aus der Stadt. Links unten sieht man eine Holzbrücke, die über den Kanal zur Kaserne führt. Die heutige Brücke befindet sich ein Stück weiter links. Weitere Details: die Treppe ganz links unten. Die Steigung zur Benser Mauer hinauf ist heute noch vorhanden, die Treppe ist verschwunden. Ganz rechts steht ein kleines Häuschen, das »Gerbehaus«. Hier wurden Tierfelle bearbeitet und im Mühlenkanal gewaschen. Die Gerberei existierte ungefähr so lange wie die Kaserne – bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.wk