»Ein Mittelständler wie Sie ist ein Schatz«

SPD-Projektsommer bei der Firma Oppermann | Traditionsunternehmen ist inhabergeführt und innovativ

Andreas, Beate und Falk Oppermann (von rechts) am Aufsteckroboter. Das Gerät, dessen Software individuell für das Unternehmen entwickelt wurde, ist eine wegweisende Innovation: Körperlich schwere Tätigkeiten sind damit entfallen.

Weltweit tätig, inhabergeführt, aber oft »unter dem Radar«: Die Kernstadt-SPD hat im Rahmen ihres Projektsommers jetzt die Firma Oppermann besucht. Andreas, Beate und Falk Oppermann stellten das Unter­nehmen vor: »Wir freuen uns, dass wir immer noch interessant für Sie sind«, sagte Andreas Oppermann mit Blick darauf, dass die Partei bereits zum wieder­holten Mal an der Hullerser Landstraße zu Gast war.

Einbeck. Das Familienunternehmen habe sich gut entwickelt, erfuhren die Besucher beim Rundgang durch Garnlager, Weberei, Färberei und Aufmachung. 400 Tonnen Garn im Monat beziehungsweise 5.000 Tonnen pro Jahr werden in Einbeck verarbeitet. Die zehn bis zwölf Kilogramm schweren Spulen werden inzwischen von einem Aufsteckroboter in Position gebracht. Die Software dafür wurde im Unternehmen selbst innerhalb von drei Jahren entwickelt und passgenau eingerichtet, um die Gatterwagen zu bestücken.

Innerhalb der vergangenen Jahre hat es erhebliche technische Erneuerungen im Unternehmen gegeben: Neben den roboterbetriebenen Garnladesystemen wurden effizientere Webmaschinen, energiesparende Färbeverfahren, vollautomatische Online-Videoinspektion, vollvernetzte Software und einiges mehr in Einbeck entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Auch werden laufend neuartige Gurtbandprodukte entwickelt, um den ständig steigenden Erwartungen der Kunden zu entsprechen.

Dieses umfassende Know-how und deutsche Kompetenz, damit sehe es für den Standort Einbeck gut aus, stellte Andreas Oppermann fest. Gegründet wurde die Gurt- und Bandweberei 1848 in der Einbecker Marktstraße. Inzwischen ist das Unternehmen mit Standorten auf drei Kontinenten das einzig weltweit tätige seiner Branche.

Dabei legt Andreas Oppermann mit seiner Familie Wert auf die regionalen Wurzeln. Vertreten ist Oppermann in China, in den USA, in Großbritannien, in der Slowakei und seit kurzem befindet sich ein Werk in Vietnam im Aufbau, um auf diese Weise die US-Strafzölle für Waren aus China zum umgehen. »Die treffen uns nämlich sehr.« Die drei chinesischen Firmen, die man seit 2002 gegründet habe, seien eine Erfolgsgeschichte, berichtet er. Ohne China stünde das Unternehmen nicht dort, wo es heute sei. Aber auch die 2014 erfolgte Gründung des US-amerikanischen Standorts in Piedmont, South Carolina, sagen, war von großer Bedeutung: Zusammen mit der 2017 vollzogenen Übernahme des damaligen Marktführers in USA, Southern Weaving Inc, erfolgt von hier aus mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes der Gruppe.

2006 folgte die Expansion in die Slowakei. Im gleichen Jahr wurde in Einbeck Oppermann Automotive Webbing gegründet. Nach Großbritannien ging es 2014 und 2016; gerade der letzte Zukauf sei aufgrund der Brexit-Sorgen entstanden, so der Unternehmer. Wenn das Pfund in diesem Szenario zusammenbreche, könne man den britischen Markt vom Inland aus beliefern. Im Vergleich zu den Strafzöllen sei der Brexit aber eher ein kleines Thema.

Das Unternehmen betont, dass jedes denkbare Gurtband an mindestens einem Standort hergestellt werden kann. Insgesamt verfügt die Unternehmensgruppe über 735 Mitarbeiter und 75.850 Quadratmeter Produktionsfläche.

Einbeck wurde 1994 im Rahmen eines Management-Buyouts von Beate und Andreas Oppermann übernommen, zunächst für einen Neustart ohne Autogurte. Aber Qualität hat die Kunden überzeugt: »In unserer Nische sind wir Weltmarktführer«, stellt er fest. Und gerade diese Nische sei günstig: Die Großen hätten kein Interesse daran.
Den wesentlichen Teil der Produktion machen, weltweit gesehen, Hebebänder mit einem Anteil von einem Drittel aus. 20 Prozent entfallen auf Produkte zur Ladungssicherheit, 14 Prozent auf den Automotive-Bereich. Einbeck sei dabei die Keimzelle für andere Standorte, wobei man sich gegenseitig unter die Arme greife: Es gebe immer mindestens einen weiteren Produktionsstandort als »Back up«.

Forschung und Entwicklung machen in diesem Geschäft einen wesentlichen Teil des Erfolgs aus; dieser Bereich soll aufgewertet werden und an Bedeutung gewinnen. Prozess- und Produktentwicklung werden seit kurzem von Falk Oppermann geleitet.

»Ein Mittelständler wie Sie ist ein Schatz«, stellte die SPD in der abschließenden Diskussionsrunde fest. »Ganz baff« sei man von dem, was hier gezeigt wurde. Das Unternehmen vermittele besondere Werte. Die Firma sei ihm und seiner Familie eine Herzensangelegenheit, bestätigte der Geschäftsführer. Ein Familienunternehmen sei auf lange Sicht angelegt. Wer auf weltweiten Handel bauen wolle, müsse auf Veränderungen eingehen. Sorgen, das bestätigte Beate Oppermann, Human Ressources Manager und zuständig für Personal, bereite der Fachkräftemangel, gerade in Verbindung mit dem demografischen Wandel. Ausbildung zum Produktionsmechaniker und zum Produktveredler, früher bekannt als Weber und Färber, sowie Fortbildung sind deshalb ein wichtiges Thema.

So lange sei man kaum jemals beim Projektsommer unterwegs gewesen, stellten die Gäste nach mehr als zwei Stunden fest – aber es sei eben auch besonders interessant gewesen.

Die nächste SPD-Projektsommer-Termin führt am Dienstag, 30. Juli, zur Diakoniestiftung »Nächstenliebe in Einbeck« ins Büro der »Neuen Nachbarn«, Auf dem Steinwege. Treffen ist dort um 18 Uhr.ek

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