»Eine Oma zieht durch«

»Paulette« erobert das Wilhelm-Bendow-Theater

Das Ensemble von »Paulette« ist zum großen Finale auf der Bühne vereint: Die vormals rassistische »Drogenoma« (Bildmitte) erfährt schließlich noch ihr verdientes Happy End.

Einbeck. Eine Lachsalve nach der nächsten gab es beim Theaterstück »Paulette – Oma zieht durch« im Wilhelm-Bendow-Theater zu hören. Die französische Komödie begeisterte die Gäste im beinahe ausverkauftem Haus und sorgte neben den humorigen Einlagen auch für nachdenkliche Momente.

Oma Paulette, verkörpert von Schauspielerin   Diana Körner, ist zutiefst verbittert, bösartig und obendrein noch offenkundig rassistisch. Gleich zu Beginn wird das Innere der Protagonistin nach außen gekehrt, als sie ihrem geschätzten und afrikanischen Pastor wünscht: »Sie hätten es verdient, weiß zu sein.« Viele der Lacher, die Paulette durch ihre derbe Art einheimste, klangen unterdrückt, weil die Sensibilität des Themas dem Publikum stets vor Augen geführt wurde.

Als der ehemaligen Inhaberin einer Bäckerei, die seit der Insolvenz ihres Betriebes an der Armutsgrenze lebt, vom Gerichtsvollzieher das letzte Hab und Gut genommen wurde, entschloss sie sich, einen neuen Weg zu beschreiten. Fortan verkaufte sie für den Dealer in ihrem Stadtteil Haschisch und das überaus erfolgreich. Im Wege dessen ergaben sich reichlich Verstrickungen. Unter anderem mit ihren beiden Freundinnen, mit denen sie Karten zu spielen pflegte, die nach einer versehentlichen Kostprobe von Paulettes Haschischkuchen, aber in ihr Geschäft miteinstiegen. Paulettes Tochter, die ausgerechnet mit schwarzen Polizisten verheiratet war, lieferte den ungeliebten Enkel regelmäßig bei ihr ab. Das gefiel Paulette natürlich gar nicht. Auch die Drogendealer in ihrer Straße, von der sie anfänglich den »Stoff« bekam, entwickelten sich irgendwann zu Konkurrenten und damit zu gefährlichen Gegnern.

Die turbulente Reise, die Paulette durchlebte, transformierte sie. Auch wenn es zum größten Teil amüsant war, der unbeholfenen »Drogenoma« bei ihrem Schaffen auf die Finger zu gucken, so drangen immer wieder ihre bedrückende Lebensumstände zutage. Die Einsamkeit im Alter, Armut, der Verlust des geliebten Ehemannes und das Gefühl auf der Strecke zu bleiben verliehen der Komödie einen kritischen Unterton.

»Paulette« war am Ende zwar ein heiteres Theaterstück mit »Happy End«, jedoch eines, dass viel mehr bereithielt als einfache Lacher. Es stimmte nachdenklich. Es gab den Zuschauern etwas mit auf den Heimweg, von dem sie noch einen Moment lang zehren werden. Der kräftige Applaus nach dem großen Finale bestärkte den Eindruck, den man während der Vorstellung gewinnen konnte: Das Einbecker Publikum war von »Paulette« begeistert.kw

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