Einmal von der heiteren Seite: Bei Musik und Gedichten werden Tiere ganz menschlich

Einbeck. Hustende Regenwürmer, schnappende Krokodile, ein deprimierter Fisch, eine Taube, die bei schönem Frühlingswetter lieber zu Fuß geht statt zu fliegen, ein verliebtes Glühwürmchen und ein selbstbewusstes Huhn: Allerlei »Tierisches« hat der Spatzen- und Kinderchor St. Nicolai Einbeck, unterstützt vom Flötenkreis sowie von Jürgen H. Graessner als Rezitator, jetzt in der Neustädter Kirche in Einbeck vorgestellt. Ergänzt wurde das Programm durch Gedichte von Robert T. Odemann. Die Mitwirkenden des Spatzen- und des Kinderchores hätten ihre Stimmen geölt und die Texte gelernt, versicherte Jürgen H. Graessner.

Der Hamburger ist schon mehrfach gemeinsam mit Karin Salzer aufgetreten. Im Ruhestand widmet sich der ehemalige Mitarbeiter des Hamburger Senats dem Dichter Robert T. Odemann (1904 bis 1985), der, so Graessner, leider völlig in Vergessenheit geraten sei. Im reichhaltigen Repertoire fand sich auch vieles, was hervorragend zu den heiteren Tierliedern passte beziehungsweise sie ergänzte. Die beiden Chöre unternahmen unter der Leitung von Karin Salzer einen bunten Streifzug durchs Tierleben, sowohl gemeinsam als auch einzeln. So lernten die zahlreichen Zuhörer unter anderem die von Gott erschaffenen Tiere, große und kleine, wilde und zahme, kennen. Gesungen wurde von sprechenden Fröschen und von Fischen, die »Schubiduh« singen, vom Mäusesport und von einem Huhn, das um die Welt fliegt - bis nach China. Die jungen Sängerinnen und Sänger unternahmen einen ungewöhnlichen Karpfenspaziergang, ließen das Meerwasser flott rocken und amüsierten sich über hustende, klatschende, niesende oder lachende Regenwürmer. »Schnappi«, das kleine Krokodil war ebenso dabei wie die musikalische Version vom »Wolf und den siegen Geißlein«.

Szenisch schön dargestellt wurde dieses bekannte Grimmsche Märchen, das nach einer dramatischen Wendung natürlich noch gut ausging - praktisch, dass der Wolfspelz mit einem Reißverschluss versehen war, da ließen sich die Wackersteine einfacher platzieren. Eine Taube, die zu spät zum Tee erscheint, stellte Jürgen H. Graessner aus dem Odemann-Schatz vor, außerdem philosophierende Enten oder eine Maus, die per Schiff als blinder Passagier in der Haferflockentonne nach Sansibar auswandert.

Eine bescheidene und eine selbstbewusste Henne begleitete er über den Wochenmarkt, und das ganze Herzeleid eines Fischleins konnte man mitempfinden, als dessen Freundin sich in einen Aal verliebte. Von der Verwirrung der Gefühle eines Regenwurms schwenkte er über zum »todsicheren« Tipp, ein Krokodil zu fangen: mit Buch, Zuckerzange, Fernglas und Marmeladenglas - aber nicht vergessen, den Deckel zuzuschrauben. Auch Odemann hat sich auf amüsante Weise dem Wolf und den Geißlein gewidmet. Lediglich mit dem »Kabeljau« musste er eine Anleihe bei Heinz Erhardt nehmen.

Der Flötenkreis mit Bärbel Jantz, Edeltraud Froschhäuser, Jutta Jahns, Sabine Hühold, Silke Fillips, Susanne Schuchardt, Teresa Schmid und Uwe-Jens Salzer sorgte für den musikalischen Rahmen beziehungsweise die Begleitung bei Frühlingsliedern zum Mitsingen. Die Kostüme und die Uhr für das kleinste Geißlein haben Bärbel und Uwe Jantz hergestellt, Manfred Jürges war für die Technik und für den Wolfs-Auftritt verantwortlich. Das Publikum geizte nicht mit Beifall für alle Beteiligten, die ihre Sache hervorragend gemeistert haben. Bei einem Eis für die Kinder und einer prickelnden Erfrischung für die Erwachsenen konnten die Besucher den gelungenen Auftritt ausklingen lassen.oh

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