Entspannung im Männerschutzbunker bei Dosenbier

»Männerhort« im Einbecker Wilhelm-Bendow-Theater / Ein Heimwerkermarkt wird zum Schmuckladen / Reichlich Beifall

Drei genervte Ehemänner haben sich im Heizungskeller eines Einkaufzentrums ein Refugium eingerichtet. Jeden Sonnabend, wenn ihre Frauen noch im Kaufrausch durch die Läden toben, flüchten sie in ihr geheimes Männerparadies. Bei Dosenbier, Pizza und Fernsehgeflimmer genießen sie ihre shoppingfreie Zeit. Die Idylle wird jäh gestört, als plötzlich der Sicherheitsbeauftragte in der Tür steht und das Geheimnis des Frauenschutzbunkers aufdecken will – am vergangenen Wochenende gab es viel Applaus für »Männerhort« im Bendow-Theater.

Einbeck. An diesem Sonnabend ist der Pilot Helmut (dargestellt von Torsten Münchow) der erste Besucher des Männerhorts und bereitet den gemütlichen Teil des Abends vor: Er zieht das Schaumstoffsofa und den Fernseher aus dem Versteck und legt ein Sixpack aus dem Dosenbier-Vorrat bereit. Danach betritt Eroll, der Softwareentwickler (Sebastian Goder), schwer mit Einkaufstaschen beladen, den Heizungsraum. Völlig erschöpft klagt er sein Leid: »Der Heimwerkermarkt hat dicht gemacht. Und was ist nun an seiner Stelle? Ein Laden mit irischem Schmuck«. Seine Frau musste dort unbedingt noch einen »silbernen Klumpen kaufen. Das Teil war so schwer, dass sie nach dem Rausgehen gemerkt hat, wie die Brosche ihre Bluse in die Tiefe zog«. Also musste eine neue Bluse her. Drei Stunden später war die perfekte Bluse gefunden und dazu noch ein neuer BH und ein Top. Aber damit nicht genug. Endlich hatte sie noch den passenden Rock dazu gekauft.

»Doch immer wenn Du denkst, du hat es fast geschafft, ist irgendwo ein Schuhladen«. »Sie konnte sich nicht entscheiden und hat die Lederschuhe mit Schnallen genommen und vorsichtshalber auch noch die Schuhe ohne Schnallen. Jetzt weiß ich auch, warum man Frauen Schnallen nennt«. Eroll muss sich an Helmut mit einer Stunde Spasskampf abreagieren. Kurz danach kommt der Dritte im Bunde dazu: Lars, die Führungskraft (Pascal Breuer), betritt den Raum und bringt Pizza und einen Blondinenwitz mit. »Kennt ihr den? Wird eine Blondine gefragt, soll ich die Pizza in sechs oder in zwölf Stücke schneiden? Bitte nur sechs Stücke, zwölf schaffe ich auf keinen Fall«. Helmut nimmt es philosophisch, »Hemingway hat gesagt, es gibt zwei Arten von Frauen: Die einen sind Engel und die anderen leben noch«. Auch Lars ist schwer genervt. »Meine Frau Anne hat die Hose ihres Lebens gefunden. Hat sich gleich fünf Stück davon gekauft, kann ja sein, dass es die später nicht mehr gibt. Und dann hat sie Fahrräder gesehen, mit einem Korb vorne dran, wo man so ein Dings, äh so ein Dings, ach ja, ein Kind reinsetzen kann ... Und dann diese Gefühlsschwankungen: In fünf Sekunden die ganze Palette von »Ich liebe dich« über »So kann ich nicht mit dir weiterleben« bis »Ich springe jetzt«. Neugierig wollen die anderen wissen »Und? Was hast du gemacht?« »Ich bin ganz schnell durch den Notausgang und bin jetzt hier«. Kurz danach will sie sich vor der »Stinkbude Douglas« im Springbrunnen ertränken. Wie sich später herausstellt ist Anne Notärztin. »Was meinst Du denn, woher sie die vielen Ideen hat?«

Für den Fernseh-Fußball-Abend im Heizungskeller hat Helmut eine Antenne aus Drahtkleiderbügeln gebastelt. Doch die Idylle wird jäh gestört, denn plötzlich steht Mario Macho, der Feuerwehrmann (Michael Schernthammer) in der Tür. »Sie sind Riskostufe 1, ein potentielles Inferno und dieses Sofa ist ein Brandrisiko, Ich muss das melden!« Helmut bietet ihm ein Bier an und die Wogen sind sofort geglättet: »Na ja, ich will mal nicht so sein«. Und schon sind sie zu viert in ihrer Männerrunde. Mario ist seit zwei Wochen verheiratet (zum dritten Mal) und ebenfalls leidgeprüft: »Habt ihr schon mal versucht bei Douglas zu atmen?«

Kurz danach überschlagen sich die Ereignisse: Helmut und Mario werden von ihren Frauen vor die Tür gesetzt und müssen die Nacht auf dem Sofa im Männerhort verbringen. »Ich bin vorübergehend ausquartiert, hatte sowieso nur eine regelmäßige Beischlafsequenz«. In der Nacht stößt auch noch Lars dazu. Als »Lars Lover – Abteilung »Ich kann immer noch mal«, hatte er sich mit seinem zweiten Handy ständig mit anderen Frauen zu Schäferstündchen verabredet. Jetzt müssen sich drei Mann ein Sofa als Schlafplatz teilen, was sich gar nicht so einfach gestaltet.

Schließlich kommt Eroll dazu und die Männer beschließen, die Gunst ihrer Frauen zurückzuerobern Der Männerhort verwandelt sich in ein Trainingszentrum für Frauenversteher und es entwickelt sich ein überraschendes Finale. Eroll, der vermeintlich ständige Verlierer, hat es faustdick hinter den Ohren. Er entpuppt sich als Vater des Kindes von Lars, dem Liebhaber einsamer Frauen. Und Pilot Helmut ist in Wirklichkeit seit einem Monat arbeitslos und völlig überschuldet: »Alexa hat uns arm geshoppt«. Am Ende steht eine neue Geschäftsidee: Die vier Freunde beschließen, die Flucht nach vorn anzutreten und einen offiziellen Männerhort im Einkaufszentrum zu eröffnen.

Zwei Stunden lang klangen die Lachsalven der Zuschauer durch das sehr gut besuchte Wilhelm-Bendow-Theater. Die Komödie von Kristof Magnusson unter der Regie von Michael Wedekind (Produktion der Komödie im Bayerischen Hof in Zusammenarbeit mit der Komödie am Kurfürstendamm, Berlin) traf genau den Geschmack des Publikums. Unter begeistertem Applaus verbeugten sich die vier Schauspieler mehrfach vor ihrem Einbecker Publikum, bis endlich der Vorhang fiel.wk

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