Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Sanierung

Fernradwege umfassend in den Blick genommen

Verwaltung legt Untersuchung zu Leine-Heide-Radweg und Europaradweg R1 im Stadtgebiet vor

Überwiegend gut befahrbar ist der Streckenabschnitt zwischen Einbeck und Volksen, auf dem beide Fernradwege verlaufen. Hier hat die Untersuchung nur wenig Mängel aufgelistet.

Mit einem Sachstandsbericht über die Fernradwege im Gebiet der Stadt Einbeck und Vorschlägen dazu, wie sie verbessert werden könnten, hat sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Sanierung bei seiner jüngsten Sitzung beschäftigt.

Einbeck. Die SPD-Fraktion hatte bereits 2019 den Antrag gestellt, ein Konzept zu erarbeiten, um die Fernradwege im Stadtgebiet, den Europaradweg R1 und den Leine-Heide-Radweg, attraktiver zu gestalten. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen Aktionsplan zur Verbesserung der Fahrbahnoberflächen, Schaffung von geeigneten Abstellmöglichkeiten und Erhöhung der Verkehrssicherheit zu entwickeln. Das ist sehr detailliert geschehen, und der Bericht wurde jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Sanierung vorgelegt.

Im Einbecker Stadtgebiet von Einbeck verlaufen der Leine-Heide-Radweg und der Europaradweg R 1. Beim Leine-Heide-Radweg befinden sich von der Gesamtroute von 23,52 Kilometern im Stadtgebiet nur 4,38 Kilometer in der Unterhaltungsverpflichtung der Stadt Einbeck . Beim Europaradweg R1 sind es von 22,60 Kilometern nur 9,75 Kilometer.

Von den vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrbahnoberflächen wurden für 2021 bereits einige in das Straßenunterhaltungsprogramm mit aufgenommen.

»Einbeck macht (sich) fit«

Bei den Abstellanlagen wurden die vorhandenen Anlagen in 100 und 200 Metern Entfernung von den Radrouten und die zukünftig geplanten aufgenommen. Für die weitere Planung kann auf das zurzeit in Arbeit befindliche Mobilitätskonzept aus dem Programm »Einbeck macht (sich) fit« zurückgegriffen werden.
Für die Erhöhung der Verkehrssicherheit wurden die kritischen Punkte aufgenommen und bewertet. Da sich diese Stellen im Bereich der Landesstraßen befinden, ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr als Straßenbaulastträger zuständig. Die dokumentierten Mängel wurden weitergeleitet.

Komfortable Befahrbarkeit nötig

Der Leine-Heide-Radweg führt auf einer Gesamtlänge von 410 Kilometern durch das Leinebergland und die Lüneburger Heide von Leinefelde bis Hamburg. Im Stadtgebiet Einbeck verläuft die Tour aus Richtung Süden durch Drüber, Sülbeck, Immensen, Einbeck, Volksen, Garlebsen, Ippensen, Kreiensen, Greene, Beulshausen und Leinetal. Der größte Teil der Strecke führt über Asphalt beziehungsweise Beton, kleinere Anteile über eine wassergebundene Decke oder Pflaster. Der Bereich, für den die Stadt Einbeck zuständig ist, ist vorrangig asphaltiert, gefolgt von 1,2 Kilometern gebundener Decke. Zur Oberflächenbewertung heißt es, dass glatte und allwettertaugliche Oberflächen das Optimum darstellen. Wassergebundene Decken haben auch bei bester Ausführung und Pflege den Nachteil, dass sie nicht allwettertauglich sind. Grundlage für eine komfortable Befahrbarkeit einer Route sind nach einer Zertifizierung durch den ADFC eine Reisegeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde, eine Gepäckbelastung von etwa 20 Kilogramm und eine 28-Millimeter-Bereifung.

Leine-Heide-Radweg: Gut bis mäßig

Die gesamte Route im Stadtgebiet wurde befahren und begutachtet. Dabei ergaben sich verschiedene Mängel. Auf Grundlage der Kriterien kann die Befahrbarkeit des Leine-Heide-Radwegs in Einbeck als gut bis mäßig eingestuft werden. Überwiegende Teilbereiche der mäßig befahrbaren Streckenabschnitte befinden sich nicht im Eigentum der Stadt, sie liegen somit auch nicht in deren Unterhaltungspflicht. Die als mäßig beurteilten Abschnitte befinden sich im Bereich der Siedlung Leinetal/Wirtschaftsweg unterhalb des Ortes sowie in Kreiensen/ Weg von der Kläranlage bis Greene und Wirtschaftsweg unterhalb Brunstein. Eine Unterhaltung ist nicht zwangläufig erforderlich, würde jedoch eine gleichbleibende Qualität der Radwegoberfläche schaffen. Die Kosten dafür wurden im Gutachten auf knapp 64.000 Euro beziffert. Der Landkreis Northeim, Initiator zur Förderung der drei großen touristischen Radrouten im Landkreis – neben dem Leine-Heide-Radweg und dem R1 der Weserradweg – wird zur Oberflächenbeschaffenheit und Befahrbarkeit in Kenntnis gesetzt, um mit den zuständigen Baulastträgern Verbindung aufzunehmen zu Verbesserung der Oberflächenqualität.

Der Europaradweg R1 führt über 4.500 beziehungsweise 5.100 Kilometer als Radfernweg von London nach Helsinki beziehungsweise Moskau. Er berührt zwölf europäische Länder. 915 Kilometer lang ist die Wegstrecke quer durch Deutschland – durch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der niedersächsische Teilabschnitt ist etwa 120 Kilometer lang, er beginnt in der Nahe von Holzminden und endet hinter Goslar. Im Einbecker Stadtgebiet verläuft die Route von Westen ab Höhe Juliusmühle durch Holtensen, Hullersen, Einbeck, Volksen, Garlebsen, Ippensen, Kreiensen und Orxhausen. Die Strecke besteht auf 7,7 Kilometern aus Asphalt, der Rest sind wassergebundene Decke und rund 100 Meter Pflaster.

R 1: drei Abschnitte mäßig befahrbar

Auch hier wurde die Befahrbarkeit als gut bis mäßig eingestuft; bei den Eigentumsverhältnissen ergibt sich ein ähnliches Bild wie beim Leine-Heide-Radweg, dass sich nämlich ein Großteil der Wegstrecke nicht im städtischen Besitz befindet. Als mäßig befahrbar wurden drei Abschnitte angesehen: der Wirtschaftsweg zwischen Holtensen und Hullersen mit 1.200 Metern wassergebundener Decke, 210 Meter in Hullersen/Am Wiehenberg, mit Asphaltoberfläche sowie analog zum Leine-Heide-Radweg der Wirtschaftsweg bei Kreiensen unterhalb Brunstein. Als schlecht befahrbarer Abschnitt wurde ein 170 Meter langer Abschnitt in der Königsberger Straße mit einer wassergebundenen Decke eingestuft.

Gutachten: »Unbedingt empfehlenswert«

Hier eine Verbesserung in Asphaltbauweise vorzunehmen, würde rund 30.000 Euro kosten. Das Gutachten sieht diese Maßnahme als »unbedingt empfehlenswert« an. Als »empfehlenswert« wird die Instandsetzung des Wirtschaftsweges zwischen Holtensen und Hullersen erachtet, das würde 41.500 Euro kosten. Die Fahrbahn im Bereich Hullersen zu verbessern, wurde mit 11.250 Euro veranschlagt.

Fahrradparkhaus in der Knochenhauerstraße

Weiter befasst sich die Ausarbeitung mit der Schaffung von geeigneten Abstellmöglichkeiten als zentrale Säule der Radverkehrsförderung. Sie sollen sicher, komfortabel und zielnah sein, wenn sie die Attraktivität der Fahrradmobilität fördern sollen. Und sie sollen dazu anhalten, mit hochwertigen Rädern zu möglichst vielen Zielen zu fahren. Für kurze Pausen werden Anlehnbügel empfohlen; Vorderradklemmbürgel sind unvorteilhaft, sogenannte »Felgenkiller«. Fahrradboxen oder bewachte Stationen sind ein gutes Angebot für Radreisende, die einen Stadtbummel oder Museumsbesuch unternehmen wollen. Auch Schließfächer sind sinnvoll, alles sollte ausgeschildert, leicht zu finden und einfach zu bedienen sein.

In Einbeck gibt es entlang der Radrouten derzeit 45 Stellplätze im Abstand bis zu 100 Metern sowie zehn im Abstand von bis zu 200 Metern. Weitere 83 kommen am Bahnhofsvorplatz in Kreiensen hinzu, zum Teil sind sie überdacht. Außerhalb von Ortschaften gibt Abstellmöglichkeiten am Platz an der L 487 an der Leinebrücke kurz vor der Abzweigung in Richtung Greene sowie an der Schutzhütte unterhalb der Siedlung Leinetal. In Einbeck ist außerdem ein Fahrradparkhaus an der Knochenhauerstraße 2 geplant, umzusetzen im Rahmen von »Einbeck macht (sich) fit«. Dort sollen zehn abschließbare Boxen errichtet werden, die über ein digitales Zugangssystem verfügen. Plätze werden zudem im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Neustädter Kirchplatzes entstehen, ebenso Schließfächer für Gepäck.

Sicherheitsmängel an bestimmten Stellen

Schließlich befasst sich das Gutachten mit der Verkehrssicherheit, die sich am Straßenverkehr und an den Oberflächen orientiert. Sicherheitsmängel werden im Bereich der L 487/L 591 in Höhe der Leinebrücke festgestellt, wo ein unübersichtlicher Kurvenbereich, eine stark befahrene Landesstraße und fehlende Querungshilfe aufeinander treffen. Ungünstig ist ebenfalls der Ortseingang Ippensen aus Richtung Kreiensen, wo der Radweg am Ortseingang endet. Problematisch ist der Ortsausgang Garlebsen Richtung Einbeck, wo Radfahrer die Straßenseite im abschüssigen und unübersichtliche Kurvenbereich wechseln und dabei die erhöht befahrene Landesstraße queren müssen. In Volksen endet der Radweg ebenfalls an den Ortsschildern, so dass die Straßenseite gewechselt werden muss. An der Barumstraße/Einmündung Altendorfer Tor ist die Querung der Straße unsicher aufgrund von teilweise längeren Wartezeiten bei starkem Verkehrsaufkommen und schneller Fahrweise.

Querungshilfen sinnvoll

Zwar verlaufen beide Radwege im Stadtgebiet größtenteils auf nahezu autofreien Bereichen oder separat geführten Radwegen, sie sind somit unter Sicherheitsaspekten als optimal einzustufen. Allerdings gebe es auch Gefahrenstellen, so heißt es im Fazit. Sinnvoll wären gesicherte Querungshilfen, die Verlegung der Strecke auf Nebenstraßen oder die Nutzung bestehender Gehwege für den Radfahrer. Außerdem bieten sich bauliche Maßnahmen, etwa ein Lückenschluss des Radwegs innerhalb von Volksen, zur Beseitigung von Gefahrensituationen an.

Lob für diese Ausarbeitung

Im Ausschuss gab es Lob für diese Ausarbeitung: Das sei eine hervorragende Dokumentation, so Rolf Hojnatzki, SPD. Wer über größere Distanzen mit dem Rad reise, freue sich über gute Strecken und einen widerstandsfreien Untergrund. Die Erhebung sei ein richtiger Anfang, um weiter voranzukommen. Eine sehr gute Ausarbeitung sah ebenfalls Joachim Dörge, CDU: Es gebe umfassende Informationen für das Einbecker Stadtgebiet, und es seien auch Maßnahmen vorgeschlagen, die man umsetzen könne. Abgesehen von der Frage der Finanzierung sollte man das auf jeden Fall im Blick behalten. Für die FDP-Grünen-Gruppe betonte Dr. Reinhard Binder, dass man die Vorschläge positiv sehe und Verbesserungen mittragen wolle.ek