Für jeden Besucher etwas Interessantes finden

Dr. Imke Weichert ist Museumspädagogin am Stadtmuseum Einbeck | »Traumjob« und authentisches Objekt

Mit ihrer Arbeit will Museumspädagogin Dr. Imke Weichert verschiedene Schwerpunkte setzen und beispielsweise den Blick auf das Essen im Mittelalter legen – thematisch interessant aufgearbeitet für Besucher jeden Alters.

Einbeck. »Ein tolles Fachwerkstädtchen mit einer speziellen Atmosphäre«, das schätzt Dr. Imke Weichert an Einbeck. Sie ist seit Anfang Juni Museumspädagogin im Stadtmuseum in Einbeck. Als die Stelle zum Jahresanfang ausgeschrieben wurde, dachte sich die promovierte Kulturwissenschaftlerin: »Ich probiere das.« Schon immer habe sie in einem Museum arbeiten wollen, und jetzt habe sie hier ihren »Traumjob« gefunden. »Ich bin super-glücklich damit«, schwärmt sie.
Dr. Imke Weichert hat Kunstgeschichte und Volkskunde, heute Kulturwissenschaften, studiert. Über das Kunsthaus Einbeck, wo sie bereits ausgestellt hat, kennt sie Einbeck schon länger. Das hat sie gereizt, sich zu bewerben. Die Erfahrungen aus ihrer bisherigen Tätigkeit wird sie für ihre neuen Aufgaben gut nutzen können: Sie hat Gruppen angeleitet, beispielsweise bei der wissenschaftlichen Arbeit, als pädagogische Mitarbeiterin, in Kommunikations- und Kunstkursen oder in der Berufsförderung. Unter anderem war sie an der Hochschule HAWK tätig und in der Schulsozialarbeit. Seit Mitte der 90er Jahre lebt sie in Bovenden, wo sie 2005 ein eigenes Atelier eröffnet hat und als freischaffende Künstlerin tätig ist.

Viele Themen, mit denen sie sich künftig intensiver befassen möchte, seien im Einbecker Museum schon verankert, stellt sie fest. Es sei ein gutes Haus mit interessanten Objekten. Ein fremder Blick könne allerdings nicht falsch sein, wenn es darum gehe, neue Ideen zu entwickeln. Sie sei hier mit offenen Armen empfangen worden, und sie freue sich, auf Vorhandenem aufbauen zu dürfen.

Interesse am Museum sowohl bei Schülern als auch bei erwachsenen Besuchern zu wecken, das möchte sie anpacken. Die Gästezahlen möchte sie stabilisieren beziehungsweise steigern. Gerade im Kontakt zu den Schulen gehe es darum, das Profil zu schärfen. Etwa für Kultur-und Alltagsgeschichte des Hochmittelalters sieht sie hier viele Ansätze, die man weiterverfolgen sollte. So schätzt sie beispielsweise besonders die Schreibwerkstatt. Schreiben sei ein Handwerk, eine alte Kulturtechnik, die sie gern weiter und neu vermitteln möchte, Papier, Tinte, Schrift, das alles habe eine gesellschaftliche Bedeutung, die man erschließen könne.

Woher kommt was, war gab es beim jahreszeitlich beschränkten Angebot, was konnten sich höhere Schichten leisten, wovon lebten die Bauern? Beim Essen im Mittelalter sieht sie ebenfalls gute Ansatzpunkte, das Thema interessant aufzuarbeiten. Gewürze werden dabei eine Rolle spielen, aber auch der Umgang mit Tieren. Und ein Sinnesparcours soll die Aufmerksamkeit lenken auf die Düfte der Küche, aber auch des Alltagslebens.

Wenn es um die Verknüpfung zu dem, was war, geht, spielt die Kulturtechnik Töpfern eine wichtige Rolle. Auch da ist das Museum gut aufgestellt, um die Vergangenheit zu betrachten und Rückschlüsse für die Gegenwart zu ziehen.

Personenbezogene Arbeit ist der neuen Museumspädagogin wichtig: Um das Interesse der Besucher an Themen zu wecken, muss man die Inhalte nahbar machen und Geschichte mit Beispielen versehen. So ließen sich beispielsweise Einzelschicksale aus dem Stadtbrand von 1540 herausgreifen, die historisch belegbar und mit Fakten unterfüttert sein müssten. Ansätze seien da. Anschaulich möchte Dr. Imke Weichert ihre Angebote machen, und dafür seien viele interessante Sachen hier.

Blaudruck, Bier als bestens aufbereitetes Thema, Tapeten-Kunst, der Komplex Sertürner, daran findet sie ebenso Gefallen wie am Schulprojekt, das sich mit den 50er Jahren beschäftigt hat. »Da würde ich gern ansetzen und nutzen, was an kreativer Energie vorhanden ist.«

Aus kleinstem Raum sei das Maximum herauszuholen, und dabei könne man für jeden Besucher Interessantes finden, ist sie überzeugt: Das Potenzial sei vorhanden. Dabei setze sich das Museum auch vom klassischen Muster des Heimatmuseums ab – es sei ein authentisches Objekt.

Museumsleiterin Dr. Elke Heege ist »total glücklich«, dass es gelungen sei, die Museums­pädagogin einzustellen. Man habe die Chance genutzt, die Stelle gut zu besetzen, freut sie sich über die Zusammenarbeit.ek

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