Ganz viel »Goldene Gans«

Wintermärchen in der Jugendkirche »marie« überzeugt mit Wortwitz und erntet viel Applaus

Dank Henrieke Conrad und Louis Fis Francia konnte in diesem Jahr wieder ein Wintermärchen in der Jugendkirche »marie« auf die Beine gestellt werden.

Einbeck. Überzeichnet, komisch und mit Botschaft: Die Jugendkirche »marie« holte das Grimmsche Märchen »Die Goldene Gans« gekonnt in die Moderne. Das diesjährige Wintermärchen sorgte für beste Unterhaltung, und die Zuschauer am Premierenabend quittierten die Leistung der jungen Darsteller mit viel Applaus. Unter der Intendanz von Henrieke Conrad und Louis Fis Francia ist ein Spiel entstanden, das mit Wortwitz, frischer Inszenierung und Tiefgang überzeugt. Die Darsteller glänzten mit Textsicherheit, Spontaneität und ihrem sicheren Spiel. Zudem bezogen sie die Zuschauer auch gerne mit ein.

»Die Goldene Gans« in der Inszenierung der Jugendkirche »marie« transportierte eine Botschaft: Es ist nicht richtig, Menschen nach ihrer Herkunft oder ihrem Aussehen zu beurteilen. In dreimonatiger Probezeit haben die jungen Darsteller das Märchen mitsamt seinen Rollen dahin entwickelt.

Da ist die Familie Chopwood mit Vater Olfa (Tobias Girtzig), der ältesten Tochter Else (Helena Deiters), Tochter Lotte (Anna-Lena Böcker) und Jakob (Benedikt Reichardt). Die Familie braucht Geld, also Holz, und nachdem sich Else und Lotte mit einem Splitter in der Hand und einem verletzten Fuß als untauglich beim Holzschlagen erweisen, wird der Jüngste, Jakob, der immer gut drauf ist, in den finsteren »Fichten-Dickicht-Wald« geschickt. Nur er ist reinen Herzens, teilt mit dem magischen Waldwesen Nelanie (Leonie Tostmann) seinen nicht ganz »besten Proviant«. Mit ein bisschen Magie an ihrer Seite unterstützt sie Jakob.

Währenddessen steht es nicht gut im Schloss: Königin Theodora (Sharleen Dauer) ist besorgt um ihre Tochter Thea (Svenja Thimm), die ihr Lachen verloren hat. Das vermisste Lachen soll mit Hilfe von der emsigen Beraterin Karmen Kanns (brillant: Jana Bracharz) wiedergefunden werden.

Dem »Dummling« Jakob hilft das Waldwesen, schenkt ihm die Goldene Gans (Henrieke Conrad). Doch wer »schlechten Herzens ist« klebt an ihr fest – und damit ist die gesamte Familie Chopwood gefangen – der faule Vater und die beiden unfähigen Töchter. Nur Jakob ist frei. Er trifft auf Prinzessin Thea, die ihr Lachen vermisst und im Wald danach sucht. Beide sind sie unglücklich, leiden unter ihren Familien: hier der vernachlässigte Sohn, dort die Prinzessin im goldenen Käfig. Und beide träumen den selben Traum, der am Ende wahr wird. Mit Hilfe von Freunden werden die gestellten Aufgaben gemeistert – ein Berg Kuchen wird verspeist, ein Keller voll Saft getrunken. Und dass eine Gans sich im Wasser und zu Lande wohlfühlt, ist Jakob klar – auch, wenn er vorher an Spongebob denkt.

Das Stück setzt dem Fluch des Geldes die Macht der Träume entgegen. In der frischen Inszenierung sorgen »gan(s)z, gan(s)z« viel Wortwitz mit bordeauxfarbenem Tee oder einem Tee to go und Spielfreude für beste Unterhaltung. In fantasiereichen Kostümen (besonders das Waldwesen), mit überzeichnetem Spiel der Beraterin, ausdrucksstarker Darstellung von »Dummling«, Töchtern, Königin, Prinzessin und Gans überzeugt das Ensemble der Jugendkirche »marie« beim diesjährigen Wintermärchen. Und dafür gab es den verdienten, lang anhaltenden Applaus der Premieren-Zuschauer.
Pastorin Anne Schrader machte deutlich, dass das Wintermärchen auch Kirche sei – in der Jugendkirche können sich Menschen ausprobieren und in Rollen schlüpfen.

Das Ensemble dankte auf wertschätzende Weise den Intendanten Henrieke Conrad und Louis Fis Francia. Dank geht auch an die Unterstützer hinter dem Rampenlicht: in der Maske: Lisa Marie Nord, Ella Körber und Crew, in der Technik: Tim Rosenberg, Jonathan Hessler & Crew, Lukas Beier, Maurice Förster, fürs Bühnenbild Dominik Wulff, Sharleen Dauer, Timo Ehlert, Hinrich Borchardt, Stella Brandt und Kirsten Gattermann.
Sechs weitere Vorstellungen für Schulen, Kindergärten und andere soziale Einrichtungen sind bereits ausverkauft.sts

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