Gegenwärtiges Handeln reicht nicht aus

Klimastreik und Fridays for Future: Aktion gestern in Einbeck mit rund 500 Teilnehmern | Klimaziele einhalten

Auf dem Marktplatz haben sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Plakaten und Transparenten gesammelt, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.

Einbeck. Sie fordern »Klimagerechtigkeit jetzt!«, und sie machen sich bemerkbar: »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut«. Rund 500 Teilnehmer waren es am ges-trigen Freitagmittag bei der Fridays-for-Future-Demonstration beziehungsweise beim Klimastreik in Einbeck. So viele Teilnehmer waren es bei den Aktionen bisher noch nie, die mitgemacht haben, um auf Klimawandel, die Bedrohung des Planeten und die Forderungen von Fridays for Future hinzuweisen.

Der Aufruf, am Klimastreik beziehungsweise an der Demonstration teilzunehmen, hatte großen Erfolg: Jung und Alt, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Einwohner aus der Kernstadt, aus den Ortschaften sowie aus der Region, unter anderem eine Schülergruppe aus Dassel, die zu Fuß gekommen ist, und Frauen, die an einem Retreat in Bad Gandersheim teilnehmen, die Verbindung der Erde stärken wollen und das Thema wichtig finden, Bürger, die sich Sorgen machen, wie es mit der Erde weitergeht – sie alle haben sich auf den Weg durch Einbeck gemacht.

In mehr als 2.600 Städten weltweit und über 550 Städten in Deutschland war der Klimastreik ausgerufen. Seit einem Jahr, hieß es, werde weltweit gestreikt, in Deutschland seit neun Monaten. Es sei gelungen, den Klimawandel zum Thema der Politik zu machen, aber wirksame Maßnahmen würden auf sich warten lassen. Deshalb müsse man konkrete Forderungen an die Politik zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens stellen, das die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf der Erde um 1,5 Grad Celsius zum Ziel habe. Dabei renne die Zeit allerdings. Die Klimakrise sei eine existenzielle Bedrohung, eine Gefahr für Frieden und Wohlstand. Man müsse den Klimawandel auch deshalb aufhalten, weil die ­Kosten, die er verursache, höher seien als alle Maßnahmen zu seiner Vermeidung.

Die Fridays-for-Future-Forderungen sehen die Einhalt des 1,5-Grad Ziels vor, die Senkung des CO2-Ausstoßes, den Kohleausstieg bis 2030 und die 100-prozentige Nutzung Erneuerbarer Energien bis 2035. Der Ausstoß von Treibhausgasen müsse gesenkt werden. Schon bis Ende 2019 soll die Nutzung fossiler Energie begrenzt werden. Eine CO2-Steuer soll erhoben werden, und der Ausstieg aus Kohlekraft. In Anlehnung an die Kosten sollte die Steuer 180 Euro pro Tonne CO2 betragen. Klimakrise und Klimanotstand seien bereits eingetreten – man müsse deshalb schnell und effektiv handeln. Das alles, räumten die Sprecher ein, seien ambitionierte Forderungen. Aber man müsse entschlossen handeln, sonst werde man die Ziele verfehlen. Und wenn der Klimawandel entgegen fast allen Forschungsergebnissen doch nicht von Menschen gemacht wäre? Dann hätte man ohne Grund dafür gesorgt, dass das Leben auf der Erde besser werde, und werde man sich ganz schön ärgern, so ein ironisches Zitat aus den »Känguru-Chroniken«.

Mit dem Klimastreik fordern Menschen weltweit eine konsequente, klimagerechte Politik Das deutsche Klimakabinett hatte über ein Paket von Klimaschutzmaßnahmen zu entscheiden, die die Einhaltung des Klimaziels der CO2-Reduktion bis 2030 garantieren sollte. Das sei allerdings mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen nicht ausreichend, hieß es bei der Ansprache vor dem Neuen Rathaus. Das Klimakabinett diskutiere über ein Ziel, das mit der 1,5-Grad-Vorgabe nichts zu tun habe. Wenn die Bundesregierung nicht über die Einhaltung der eigenen Klimaziele diskutieren wolle, werde man Paris nicht einhalten.

Die Regierung sei beim Klimaschutz handlungsunfähig – es gebe nur einen Flicken­teppich von wenig wirksamen Einzelmaßnahmen. »Uns bleiben noch acht Jahre, um die Pariser Klimaschutzziele einzuhalten«, acht Jahre, über die in einer Nachtsitzung debattiert wurde.

1,5 Grad, das wurde deutlich, ließen sich mit gegenwärtigem Verhalten nicht erreichen. Gewohnheiten wären zu überdenken, beispielsweise Fleischkonsum oder die Abholzung wertvoller Wälder – der Schaden bleibe an allen kleben, wenn Arten ihren Lebensraum verlören und das Ökosystem zerstört werde. Wenn die Lunge der Erde, der Amazonas-Regenwald, brenne, zeige das, in welcher Notsituation man sich befinde. »Die Welt zu retten, ist unsere Pflicht«, und das gelte für alle Generationen, überall. Jeder sei aufgerufen, sein Bestes zu geben. Ideen werden bei der Klima-Woche ­thematisiert, die bis zum kommenden Freitag, 27. September, in Einbeck mit täglichen Aktionen läuft.ek

Anders als bisher

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