Gute Erfolgsquote beim Hauptschulprojekt VBOP

Klasse der Wilhelm-Bendow-Schule hat »Vertiefte Berufsorientierung und Praxisbegleitung« durchlaufen und Chancen verbessert

Den Hauptschulabschluss zu schaffen und in die Berufsausbildung einzusteigen, dieses bei einer Projektpräsentation im Vorjahr präsentierte Ziel haben 66 Prozent Schüler der Klasse 9b der Wilhelm-Bendow-Schule erreicht: Sie haben erkannt, dass es gerade für sie als Hauptschüler schwierig sein könnte, einen Ausbildungsplatz zu finden, und sie haben sich angestrengt: Im Modellprojekt »Vertiefte Berufsorientierung und Praxisbegleitung« (VBOP) haben sich die Schüler den Herausforderungen erfolgreich gestellt. Der Lohn sind ein Ausbildungsplatz oder eine schulische Ausbildung.

Einbeck. Durchhaltevermögen war gefragt bei den Schülern, die sich in der Klasse 8b im vergangenen beziehungsweise 9b in diesem Schuljahr am Projekt VBOP beteiligt haben. Zwei Tage Praktikum im Betrieb, drei Tage Schule, das sei für alle Beteiligten sehr anstrengend gewesen, räumen Schüler und Lehrer ein. Dennoch haben die Jugendlichen sich durchgebissen. »Kein Spaziergang«, das war ihnen zu Beginn des Projekts angekündigt worden, aber auch eine Verbesserung der Berufschancen, was sich für viele als Realität erwiesen hat.

Die über zwei Jahre laufende Maßnahme werde leider nicht fortgesetzt, bedauern Schulleiter Siegfried Pinkepank und Praxisbegleiterin Birgitt Sandmüller-Seidel. Es sei sehr schade, dass dies ein einmaliger Durchgang sei, denn die Schulen hätten sich hier sehr engagiert, und es wurde viel Aufwand betrieben. Man könne aber einiges daraus für die Alltagsarbeit ziehen, beispielsweise die Praxistage zur Berufsorientierung oder das Kompetenzfeststellungsverfahren. Aber auch die guten Kontakte in die Betriebe will man weiter nutzen.

Es sei nach wie vor schwierig für Hauptschüler, gerade für weniger Leistungsstarke, einen Ausbildungsplatz zu finden, so ein Grundgedanke des Projekts. Optimal sei es deshalb, wenn hier Berufsorientierung und Vermittlung durch professionelle Hilfe unterstützt würden. Das könne kein Kollegium leisten. Birgitt Sandmüller-Seidel sei hier die wichtige Nahtstelle zwischen Schule und Arbeitsagentur gewesen, und sie habe ihre Aufgabe mit großem Engagement erfüllt.

So sind alle Beteiligten sehr zufrieden mit den Ergebnissen: Zwei Schüler gehen in den Metallbereich, zwei werden Koch, ein weiterer Schüler wird eine Ausbildung bei den Stadtwerken beginnen, vier absolvieren eine berufliche Ausbildung an den Berufsbildenden Schulen, ein Schüler will den Realschulabschluss erwerben, und eine Bewerbung im Bereich Einzelhandel ist noch offen. Nur zwei von zwölf Schülern haben den Hauptschulabschluss nicht geschafft. Angesichts dieser Zahlen könne man von einem »guten Projekt« sprechen, betont der Schulleiter.

Umso bedauerlicher sei es, dass es bisher noch kein »offizielles Schreiben« dazu gebe, dass VBOP nicht fortgesetzt werde. 

»Die Klasse hat mir sehr geholfen, meinen Weg zu finden«, stellt Kevin Lüttge fest. Der 16-Jährige beginnt im August eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker Gas-Wasser-Versorgung bei den Stadtwerken Einbeck. Er ist sehr zufrieden mit diesem Ergebnis, aber die beiden letzten Jahre haben ihm auch Spaß gemacht. Praktikum und Schule, das sei viel Arbeit gewesen, aber letztlich seien es auch die persönlichen Kontakte, die er bei Praktika knüpfen konnte, und der positive Eindruck, den er hinterlassen habe, die ihm zum Ausbildungsplatz verholfen hätten.

Ähnlich sieht es sein Mitschüler Liridon Hitaj. Er ist 17 Jahre alt, und sein Berufsziel ist es, Ergotherapeut zu werden. »Genau mein Ding«, das wusste er schnell, nachdem er die entsprechende Praktikumsstelle gefunden hatte. Die Ausbildung führt ihn zunächst an die Berufsbildenden Schulen Einbeck zur Pflegeassistenz, darauf will er seine weitere Ausbildung aufbauen. Sich für diesen Weg entschieden zu haben, erscheint ihm richtig, für ihn sicher eine bessere Lösung als Einzelhandel, woran er sich zunächst orientiert hat. Beide Schüler sind froh, diese Klasse besucht zu haben. »Häufig war das Praktikum sogar besser als Schule«, schmunzelt Kevin, der VBOP mit großer Motivation angegangen und umso glücklicher ist, mit dem Ausbildungsvertrag einen messbaren Erfolg zu haben.

»Die Betriebe waren uns sehr wohlgesonnen«, sind Klassenlehrer Holger Auer und Sabine Gress sowie Birgitt Sandmüller-Seidel glücklich über die Unterstützung. Bei vielen Betriebsbesichtigung haben die Schüler unterschiedlichste Bereiche des Berufslebens kennenlernen können. Aber auch die Arbeitsverwaltung, das ProAktiv-Center, das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft sowie der Präventionsverein FIPS hätten ihren Anteil am Gelingen des Projekts. »Das waren Möglichkeiten, die man sonst an Schulen nicht hat«, stellt Siegfried Pinkepank fest. Umso mehr bedauert er, dass es voraussichtlich keinen zweiten Durchgang geben wird: »Das geht leider nur in Landkreisen, die Geld haben – hier also nicht.«ek

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