Heimat ist so verschieden wie die Menschen

Neue Ausstellung im Stadtmuseum Einbeck eröffnet | 20 Künstler stellen bis zum 30. Oktober aus

Museumspädagogin Dr. Imke Weichert (am Pult) teilte mit den Besuchern der Eröffnung der Ausstellung »Heimat?« Gedanken zum Thema. Ganz unterschiedliche Interpretationen sind im Stadtmuseum bis zum 30. Oktober zu sehen.

Heimat ist einer der gefühlt derzeit am häufigsten diskutierten Begriffe. Und dabei meint Heimat für jeden etwas anderes: eine Landschaft, ein Gefühl, Dinge. Eine künstl­erische Annäherung ans Thema ist jetzt im Einbecker Stadtmuseum zu sehen, die Ausstellung »Heimat?« ist soeben eröffnet worden. Die Gemeinschaftsausstellung mehrerer Künstler war im ähnlicher Form bereits in Fredelsloh zu sehen; hier ist sie erweitert worden, und neue Werke sind hinzu gekommen.

Einbeck. Die Ausstellung »Heimat?« sei vor kurzem bereits in Fredelsloh zu sehen gewesen, in der Klosterkirche und im Café Klett, berichtete Dr. Elke Heege, und sie war gut besucht. Museumspädagogin Dr. Imke Weichert habe sie auch nach Einbeck geholt, ähnlich und doch anders, denn es seien neue Werke sowie Ergänzungen dabei.

Der Heimatbegriff werde auf unterschiedlichste Weise und unter verschiedensten Interessen diskutiert werde, stellte Dr. Imke Weichert fest. In Deutschland habe man sich damit lange schwer getan. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 habe ihn dagegen befeuert und dem Land ein neues Image verschafft: Man könne hier ausgelassen feiern. »Es hat alles gepasst«, zitierte sie Franz Beckenbauer, »so stellt sich der liebe Gott die Welt vor.« Fortan war es nicht mehr ungewöhnlich, die Flagge zu zeigen, und inzwischen gebe es sogar ein Heimatministerium.

Das Grimmsche Wörterbuch definiere für Heimat unter anderem den Ort, an dem man geboren sei, den Wohnort, aber auch das elterliche Haus und den Besitz. Wikipedia setze den Begriff in den Zusammenhang mit der Siedlung und nehme Bezug auf ein dauerhaftes beziehungsweise langfristig Sich-Niederlassen und Wohnen an einem Ort. »Der Heimatbegriff befindet sich in ständiger Diskussion«, heiße es ergänzend.

Heimat sei ein komplizierter, vielschichtiger und politisch brisanter Begriff«, fuhr sie fort, und ausgerechnet am Tag der Ausstellungseröffnung hätten Rechte, die einen speziellen Begriff von Heimat pflegten, eine Demonstration in Einbeck angekündigt – diejenigen, die keine Toleranz gegenüber Vielfalt zeigten.

In der Ausstellung hätten 20 Künstler einen sehr persönlichen Blick aufs Thema geworfen. Sie zeigten die Familie als Keimzelle von Heimat, heimatliche Landschaften, den Planeten, Fachwerk. Sie spielten mit Klischees, würden mitnehmen in eine abstrakte Bilderwelt, hätten aber auch sehr konkrete Vorstellungen umgesetzt. Persönliche Ausstellungsstücke aus dem Magazin des Museums stehen für Erinnerungen an vergangene Lebensphasen – auch das kann Heimat sein. Und ein verlorenes Land, der erzwungene Aufbruch ins Unbekannte, das wird ebenfalls thematisiert. Heimat ist ein politischer und ein privater Begriff, man kann sie abstrakt betrachten oder ganz konkret. Die ­Bilder der Ausstellung spiegeln das wider. Sie zeigen, dass Heimat so verschieden ist wie die Menschen, und das lasse sich, so Dr. Imke ­Weichert, mit Toleranz auch nachvollziehen. Sie lud die Gäste der Eröffnung und die künftigen Ausstellungsbesucher ein, sich mit diesem komplexen Thema von den Bildern und Künstlern zu neuen Gedanken inspirieren zu lassen und den Horizont zu erweitern.

»Heimat?« ist im Stadtmuseum, Auf dem Steinwege, bis zum 30. Oktober dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr zu sehen. Eine lyrische Annäherung mit Texten von Rolf Dieter Spann aus Dassel wird am Sonntag, 20. Oktober, ab 16 Uhr geboten.ek

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