HEP-Klasse war eine vielfältige Bereicherung

Abschluss der BBS-Fachschule Heilerziehungspflege | Auf Schüler-Initiative: »Schule gegen Rassismus«

Über ihren erfolgreichen Abschluss – unter Corona-Bedingungen mit Abstand gefeiert – konnten sich die Absolventinnen und Absolventen der Fachschule Heilerziehungspflege der Berufsbildenden Schulen Einbeck freuen. Zugleich haben die BBS durch Initiative der Klasse das Zertifikat »Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage« erhalten.

Die Berufsbildenden Schulen Einbeck haben 19 Absolventinnen und Absolventen mit dem Abschluss der Fachschule Heilerziehungspflege (HEP) verabschiedet. Zugleich wurde das Zertifikat als »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« verliehen. Die inhaltliche Arbeit des Projekts wurde von der HEP-Klasse übernommen, als Patin wurde Landrätin Astrid Klinkert-Kittel gewonnen.

Einbeck. Auch wenn die Bedingungen in diesem Jahr anders als sonst seien: Der besondere Tag werde in Erinnerung bleiben, war die stellvertretende Schulleiterin Dörte Kirst-Bode sicher. In einem Berufsbild, das für Nähe stehe, sei jetzt konsequent Abstand gefragt. Aber den Händedruck hole man bei einem späteren Wiedersehen nach, versprach sie. Die Schüler hätten an und in vielen Fächern gelernt, sie hätten sich als Teamplayer erprobt und einen wichtigen Beitrag mitgenommen, das Leben selbstbestimmt zu meistern. Sie stets bestmöglich zu begleiten, sei in letzter Zeit eine Herausforderung gewesen, aber der Jahrgang habe brillante Ergebnisse erzielt. Die Absolventen hätten einen wertvollen Beruf ergriffen, darauf könnten sie stolz sein. Auch für die Schule seien sie eine Bereicherung gewesen, kreativ, mit kritischen Impulsen für ein lebendiges Schulleben.

»Meilenstein Zertifikat«

Zudem gebe es das Zertifikat für »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«, die Aufnahme in ein seit 25 Jahren bestehendes Netzwerk. 70 Prozent der Unterschriften aller an der Schule Tätigen seien erforderlich gewesen für den Beitritt. Mit Young Art habe man dazu ein kreatives Projekt umgesetzt, das deutlich mache, dass die Schule bunt sei und bleibe. Jene zu unterstützen, denen nicht immer alles mit links gelinge, sei für die Schüler wichtig. Das Zertifikat sei ein Meilenstein, erfolgreich trotz Covid-19. Man setze ein Zeichen gegen alle Formen von Diskriminierung, fördere ein gewaltfreies, respektvolles Miteinander. Das sei vorbildliches Wirken in die Schulgemeinschaft hinein. Am Erfolg hätten viele Lehrkräfte mit Leidenschaft und Engagement mitgewirkt, Klassenleiterin Sarah Eberl ebenso wie die Abteilungsleitung mit Frauke Heidemann und Kathrin Düvel. Die BBS wünsche den Absolventen immer die richtige Farbwahl bei der Gestaltung eines glücklichen und gesunden Lebens.

Abschluss unter besonderen Bedingungen

Glückwünsche zur Erlangung des Zertifikats sprach Landrätin Astrid Klinkert-Kittel aus. Sie lobte das Projekt, das auf der Initiative der Schüler basiere. Sie hätten sich mit Gewalt, Rassismus und Diskriminierung intensiv auseinander gesetzt und Ideen entwickelt, wie man eine Schule ohne Rassismus umsetzen könne. »Sie sind Vorbild für alle Schulen im Landkreis«, stellte sie fest. Mitte Juni habe es in Einbeck einen feigen Anschlag der rechten Szene gegeben. Es sei gut, dass viele Menschen danach gegen rechte Gewalt demonstriert hätten. Vielfalt und Toleranz seien Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft. Diese Werte seien in Gefahr, wenn Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus an Raum gewinnen würden. Dieses Probleme sei hier erkannt worden. Man müsse besonders Jugendliche für ein demokratisches Miteinander begeisterten, sie gegen die menschenverachtende Ideologie stärken. Das Projekt sei deshalb sinnvoll und wichtig. Neben den Eltern seien es gesellschaftliche Kräfte, die dazu beitragen müssten, dass extremistisches Gedankengut in keinster Weise akzeptiert werde. Die Schulen könnten dazu einen großen Beitrag leisten. Rassismus sei keine freie Meinungsäußerung. Man müsse laut und deutlich nein dazu sagen, forderte sie die Schüler auf. Sie freue sich, so die Landrätin, dass sich so viele für ein offenes und tolerantes Deutschland einsetzen würden.

»Vielen Dank für Ihr großartiges Engagement.«

Der Abschluss habe unter besonderen Bedingungen stattgefunden, Corona habe den Schulalltag abrupt verändert. Dass sie es dennoch geschafft hätten, dazu gratuliere sie. Der Beruf decke ein breites Spektrum ab, man gehe mit Menschen um, die den besonderen Schutz der Gesellschaft brauchten. Die Absolventen hätten das Rüstzeug bekommen, zeigten Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis – das verdiene höchste Anerkennung.
Für das Bündnis »Einbeck ist bunt« sprach Achim Wenzig ein Grußwort. Er schätze den anspruchsvollen Beruf, den die Schüler ergriffen hätten: »Ihre Arbeit ist systemrelevant«, das habe er schon vor Corona gewusst. Neben Applaus sei angemessene Bezahlung wichtig. Sehr gefreut habe er sich über die »Schule ohne Rassismus«; »Einbeck ist bunt« arbeite da mit der BBS zusammen. Junge Menschen müsse man früh einbeziehen in den Kampf gegen rechte Strukturen. 350 Schulen in Niedersachsen seien dabei. Dass die Landrätin die Patenschaft übernommen habe, sei ein wichtiges Zeichen.

»Stehen Sie auf für Toleranz«

»Einbeck ist bunt« wurde 2016 gegründet, als die NPD eine Kundgebung auf dem Marktplatz angemeldet habe. Breit wollte man gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus auftreten: »Wir wollen keine Nazis hier.« Den Rechten sei das Bündnis ein Dorn im Auge, und das sei gut so. Man sei gut vernetzt und engagiert: So gingen am 14. September 2019 in Einbeck rund 1.300 Menschen auf die Straße, Menschen mit Meinung und Haltung, die den Nazis laut, bunt und friedlich gezeigt hätten, was sie von ihnen hielten. Inzwischen werde die Situation schlimmer: Die Stadt werde mit Kundgebungen »überflutet«. Einige Ecken hätten die Rechten zu ihrem »Kiez« gemacht, Bürger würden beschimpft und bedroht: »Das können und dürfen wir nicht hinnehmen.« Nach dem Sprengstoffanschlag vom 10. Juni seien alle entsetzt, aber der Aufschrei allein reiche nicht. Die Politik müsse handeln und wenn sie nicht könne oder wolle, seien Initiativen wie die der Schule oder des Bündnisses unersetzlich. »Bringen Sie sich ein, stehen Sie auf für Toleranz, Respekt und eine bunte Gesellschaft. Bleiben Sie gerade, geben Sie Hass und Hetze keine Chance«, rief er dazu auf, demokratische Werte weiterzugeben.

Viele Herausforderungen gemeistert

Zu jeder Zeit sei sie sehr gern die Klassenlehrerin gewesen, stellte Sarah Eberl fest. Auch wenn die Schüler ihr manchmal den letzten Nerv geraubt hätten: Sie werde sie vermissen, wenn sie jetzt unterschiedliche Richtungen einschlagen würden. Alle hätten ihren Weg gefunden, manche auf einem Feldweg, andere auf einer Autobahn. Sie hätten viele Herausforderungen gemeistert und dürften stolz auf ihren Erfolg sein. Mit 31 Schülern sei man 2017 gestartet. Fußballturnier, Paintball, Grillfest, Weihnachtsfeier, Exkursionen, ein Praktikum in Salzburg, die Klassenfahrt nach Tossens: Viele Abenteuer waren zu bestehen. In den gemeinsamen Jahren sei jeder Schüler etwas Besonderes gewesen. Die Absolventen würden nun Professionalität entwickeln. Sie sollten lieber den richtigen Kurs mit Hindernissen einschlagen, statt sich entspannt in die falsche Richtung zu bewegen. Und weil es keine »richtige« Abschiedsfeier geben könne, traf sie eine Verabredung mit ihren Schülern: Jeden Freitag vor dem vierten Advent werde sie um 17 Uhr an der Marktkirche warten zu einem gemeinsamen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt: »Die erste Runde geht auf mich.«

Jeder habe seinen Platz gefunden

An die große gestartete Gruppe erinnerte Schülerin Juana Göhr: Aber jeder habe seinen Platz gefunden. Die Klasse sei enorm vielseitig gewesen, tierlieb und geistreich. Viele Fragen des Lebens konnten geklärt werden, bunt und laut sei es zugegangen. Man habe Freunde und Kompromisse gefunden und viel miteinander erlebt. Dabei habe man sich schätzen gelernt und die gegenseitigen Macken ertragen. Sie dankte den Lehrern, die diesen »Haufen« geformt hätten. Schulnoten seien nicht das gleiche wie Kompetenz, aber alle hätten den Abschluss verdient. Es gebe viel zu tun, und der künftige Weg halte sicher einiges bereit.ek

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