Im Heimathafen legt der Chor am liebsten an

Einbecker Shanty-Chor gibt traditionelle Konzerte im Wilhelm-Bendow-Theater | Maritim, festlich, fröhlich

Mit zwei Konzerten mit maritimen und festlichen Klängen hat der Einbecker Shanty-Chor sein Publikum im Wilhelm-Bendow-Theater begeistert.

Einbeck. Der Heimathafen ist der schönste: »Die Einbecker Konzerte sind und bleiben unser Highlight.« Das stellte der Vorsitzende des Einbecker Shanty-Chores, Klaus Krüger, zur Einstimmung auf die Auftritte im Wilhelm-Bendow-Theater fest. Am Freitagabend und am Sonntagnachmittag luden die Sänger zu Konzerten mit dem Titel »Lieder, so schön wie der Norden« ein, und die Zuhörer konnte sich jeweils über einen maritimen und einen besinnlichen Teil freuen. Mit von der Partie war wieder Bauer Piepenbrink – Eberhard Schmah amüsierte das Publikum mit Geschichten aus dem Norden.

Mit dem Motto ihrer Konzerte eröffneten die Sänger die gut besuchten Veranstaltungen. In seiner Begrüßung berichtete der Vorsitzende Klaus Krüger, dass sich der Chor über drei neue Sänger freuen könne. Man sei im vergangenen Jahr wieder viel unterwegs gewesen, zu größeren und kleineren Auftritten. Die Einbecker Konzerte im Dezember seien aber immer etwas Besonderes. Man wolle die Zuhörer Weltgeschichte, Politik und private Sorgen für ein paar Stunden vergessen lassen – mit Liedern, so schön wie der Norden.

Mit »Volldampf voraus« stiegen die blauen Jungs schmissig ins Programm ein. Einzelne Stücke wurden von Solisten vorgetragen, etwa »It’s a long time ago« von Friedel Nagel, Roger Whittakers »River Lady/Das alte Schiff« von Peter Nickisch oder der »Baltimore Shanty« von Bernd Kirchner. Viele dieser Stücke sind bis ins 20. Jahrhundert hinein tatsächlich auf den Frachtern gesungen worden, um zur gemeinsamen Arbeit den richtigen Takt zu haben, und die Einbecker Sänger interpretierten sie auf eindrucksvolle Weise.

Südseeklänge brachte der Chor mit »Kari waits for me« ins Bendow-Theater, und mit »Sandy goodbye« sangen Stephanie Johanns-Gläser und Hans-Joachim Decker, musikalischer Leiter des Chores und am Bass eine tragende Unterstützung, ein schönes Liebes-Duett. Unglaubliche und lustige Geschichten brachte Friedel Nagel mit in »Oh Seefahrt, wie bist du schön«.

Einen Klassiker des Genres, den »Hamburger Veermaster«, sang Reinhold Malmedy, ein Lied, das einerseits zum Mitklatschen anregte, andererseits aber auch über die manchmal schwierige Situation an Bord berichtete. »Vaya con dios« mit Siegfried Sobotta als Solist brachte die Besucher dann wieder ein bisschen zum Träumen, bevor »Santiano« von Peter Nickisch angestimmt wurde – das Lied der gleichnamigen Gruppe hat das Shanty in den vergangenen Jahren neu und modern aufbereitet und ihm Schwung und Hit-Potenzial gegeben. An Lolita erinnerte Stephanie Johanns-Gläser mit »Seemann, deine Heimat ist das Meer«, bevor mit »Wir lagen vor Madagaskar«, wieder einem Klassiker zum Mitsingen, die Pause eingeläutet wurde.

40-jähriges Jubiläum konnte der Shanty-Chor bereits feiern, und fast genau so lange begleitet Eberhard Schmah als Bauer Piepenbrink viele Auftritte. Stets hat er einen flotten Witz parat oder eine humorvolle Geschichte aus dem Norden. Diesmal berichtete er von seinem Kumpel Hinnerk, einem liebenswerten Vollpfosten, dem man erst einmal erklären muss, dass es auf dem Jacobsweg keinen Kaffee gibt, dass man beim Autorennen nicht auf das Safety-Car wettet und dass die 0800-Nummer an der Tür von Aldi nicht die Bestellannahme ist, sondern dass es sich um die Öffnungszeiten handelt. Betrunken ins CT, das war für Hinnerk ebenso wenig eine gute Idee wie in einem Iglu ein Bügeleisen anzulassen.

Zwischenmenschliches brenne den Zuschauern unter den Nägeln, so Bauer Piepenbrink augenzwinkernd. Er verglich die Liebe mit dem Fußball, warnte Ehepaare davor, auf einer Kreuzfahrt die Sorgen über Bord zu werfen, denn das könne den Ehepartner betreffen, und er verriet ein Rezept gegen das Schnarchen, das bei Hund und Mann gleichermaßen wirkt.

Im Deichgespräch mit Hinnerk ging es schließlich um die Bedürfnisse im Alter: oben klar und unten dicht. Flaschenpfand, so eine weitere Überlegung, eigne sich durchaus als Altersvorsorge, und wer Kondome mit Treuepunkten kaufe, könne sogar fremdgehen.

Zum zweiten Teil des Konzerts öffnete sich der Vorhang begleitet vom »Aahh ... « des Publikums. Zunächst standen noch einige maritime Lieder auf dem Programm, etwa »Die Windjammer kommen« mit dem Solisten Siegfried Sobotta. »Ich wollte dir noch soviel sagen« handelte vom Abschied von Liebespaaren, gesungen von Peter Nickisch, bevor Siegfried Sobotta die Zuhörer wieder mitnahm auf »Das weite Meer«: Wolken, Wind und Weite, das ruft den Seemann in die Ferne, und das bringt ihn wieder nach Hause. »Rio Grande« mit Bernd Kirchner erzählte im Schunkelrhythmus vom brasilianischen Hafen gleichen Namens.

Mit »Rolling Home«, einem weiteren Klassiker, begeisterte Reinhold Malmedy die Besucher: Ein Solist und ein kraftvoller Chor machten einen der bekanntesten englischen Shantys zu einem Erfolg.

Mit dem »Abend am Meer« wurde es besinnlich, und Stephanie Johanns-Gläser stimmte mit »Es ist für uns eine Zeit angekommen« aufs Weihnachtsfest ein. Das »Hallelujah« der Solistin im gemeinsamen Auftritt mit Tochter Katharina Gläser und Hans-Joachim Decker fand ebenso viel Beifall wie der »Weiße Winterwald« in passender Kulisse. Zweimal erklang der Bass von Siegfried Sobotta schließlich mit »Wenn Weihnachten ist« und »St. Niklas war ein Seemann«, bevor mit dem Publikum zusammen »Oh, du fröhliche« gesungen wurde.

Gesammelt wurde wieder für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger – 1.323 Euro sind im vergangenen Jahr zusammengekommen. »Sie waren sehr großzügig«, bedankte sich der Vorsitzende bei den treuen Zuschauern.

Mit ganz viel Applaus für den Chor sowie die Musiker Hans-Joachim Decker, Bass, Wolfgang Hengst, Bernd Kirchner und Marianne Malmedy, Akkordeon, Reinhard Malmedy, Rhythmusbegleitung, und Katharina Gläser, E-Gitarre, dankten die Zuschauer für unbeschwerte Stunden: »Es hat uns gefreut, wieder für Sie singen zu dürfen«, versicherte der Vorsitzende, verbunden mit dem Versprechen, auch im kommenden Jahr wieder in Einbeck vor Anker zu gehen.ek

Ein »bewegter« Blick in die Dorfgeschichte