Individuell nutzen, was sinnvoll ist

Energetisches Quartierskonzept »Beim Hubeweg«: Bestandsaufnahme und Fördermöglichkeiten erläutert

Sebastian Tränkner von der Niedersächsischen Landgesellschaft, Detlef Schuster von der Verbraucherzentrale, Diplom-Ingenieur Gerd Schwerdtfeger, Clemens Hedwig von PricewaterhouseCoopers, Patrick Güllenbeck von der NLG, Fachbereichsleiter Joachim Mertens und Sachgebietsleiter Jürgen Höper (von links) haben nach der Auftaktveranstaltung im April nun weitere interessante Aspekte der energetischen Quartierssanierung erläutert.

Was ist möglich, was kann sich lohnen, wofür gibt es eine Förderung? Gebäudeeigentümer des Quartiers »Beim Hubeweg« waren jetzt ins Alte Rathaus eingeladen, um sich im Zusammenhang mit der Erstellung des energetischen Quartierskonzepts über Förder­programme und Beratungsangebote zu informieren.

Einbeck. Die Stadt Einbeck hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen ihrer kommunalen Klimaschutzaktivitäten die CO2-Emissionen langfristig zu senken und gleichzeitig die Lebensqualität für die Bewohner zu erhöhen. Stadtwerke Einbeck, Einbecker Wohnungsbaugesellschaft und die Stadt Einbeck haben dafür erfolgreich Fördermittel aus dem Programm »Energetische Stadtsanierung« der KfW-Bank für die Erstellung eines energetischen Quartierskonzepts beantragt. Die Niedersächsische Landgesellschaft als Projektpartner und das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) könnten dazu nach dem Auftakt im April Zwischenstände bekanntgeben, kündigte der Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung, Joachim Mertens, an.

Man wolle eine passende Lösung im System für die Eigentümer finden, so Sebastian Tränkner, Fachbereichsleiter Stadt- und Regionalentwicklung bei der NLG. Ziel des energetischen Quartierskonzepts sei die Sanierung von öffentlichen und privaten Gebäuden vor dem Hintergrund, das klimarelevante Kohlendioxid einzusparen und zugleich die Effizienz in der Energienutzung zu steigern sowie auf erneuerbare Energien umzusteigen. Dazu gehöre auch die Optimierung von Verkehr und Infrastruktur. Das Projekt setze darauf, Bürger zu sensibilisieren und zu mobilisieren. Sie könnten sich davon Kosteneinsparungen und Wertsteigerungen erhoffen, außerdem Know-how-Transfer. Idealerweise sinke der Energiebedarf in der Folge beziehungsweise werde Energie effizienter genutzt, und es erfolge ein Umstieg auf erneuerbare Energien. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen sei entscheidend für die spätere Unterstützung.

Die Bestandsanalyse sei jetzt abgeschlossen; nun gehe es darum, Strategien und Ziele zu erarbeiten, einen Maßnahmenkatalog zu erstellen und sich an die begleitende Umsetzung zu machen.

Das Quartier »Beim Hubeweg« habe etwa 1.100 Einwohner und rund 250 Gebäude: 156 in Privatbesitz, 85 im Eigentum der Einbecker Wohnungsbaugesellschaft. Es gebe unterschiedliche Gebäudestrukturen und eine große Bandbreite beim Sanierungsstand, auch abhängig von den Altersklassen der Gebäude. Clemens Hedwig von PwC erläuterte, man sei bei der Bestandsaufnahme auf den Energieverbrauch eingegangen, der straßenweise vorliege. Zum Teil seien die Gebäude gut saniert, zum Teil lägen sie aber auch im »roten« und somit hohen Bereich.

Der Gesamtenergieverbrauch 2018 betrug 13.400 Megawattstunden, zu 57 Prozent für Wärme, zu einem Drittel für Verkehr und zu zehn Prozent für Strom benötigt. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag dabei um 13 Prozent unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Beim CO2-Ausstoß für Wärme und Verkehr – die Stadtwerke liefern Strom CO2-neutral – lag der Wert um 35 Prozent unter dem Durchschnitt.

Wenn es um Synergieeffekte gehe, könne man beispielsweise auf gemeinsame Heizungsanlagen setzen, schlug Hedwig vor: Mehrere Gebäude teilten sich einen Brennwertkessel, was zu niedrigeren Betriebs- und Anschaffungskosten führe. Allerdings müsse man vertraglich genau regeln, wie man dieses Projekt aufteile, und auch Leitungen oder Übergabestationen müssten gebaut werden.

Eine Möglichkeit, die Qualität im Quartier zu erhöhten, sah die NLK in den Freiflächen. Ein enger und unstrukturierter Straßenraum, untergenutzte Freiflächen, schlechter Zustand bei Straße und Gehwegen, eingeschränkte Barrierefreiheit, das seien Handlungsansätze.

Für die Verbraucherzentrale Niedersachsen stellte Detlef Schuster verschiedene Beratungs- und Check-Angebote vor: Zum einen gebe es schnelle Unterstützung online oder durch telefonische Beratung. Zum anderen sei eine Beratung bei konkreten Problemen möglich. Und schließlich würden Basis-, Gebäude-, Heiz-, Solarwärme- oder Detailschecks zu Hause angeboten. Für die Verbraucher bleibe da nur ein verhältnismäßig geringer finanzieller Eigenanteil, der sich schnell amortisiere.

Einige Gutscheine für solche Checks wurden bei der Veranstaltung ausgegeben. Für die Gebäudeeigentümer im Quartier liegen aber noch weitere Gutscheine für eine kostenlosen individuelle Beratung, direkt vor Ort am Gebäude, bereit. Sie können, solange der Vorrat reicht, bei der Stadtverwaltung abgeholt werden. Um Terminvereinbarung bei Jürgen Höper unter 05561/916-216 oder jhoeper@einbeck.de wird gebeten.

Diplom-Ingenieur Gerd Schwerdtfeger ging auf Förder- und Beratungsmöglichkeiten ein. Ein Energieberater ermittele den Zustand des Gebäudes vor Ort, und dabei würden auch Sanierungs- und Fördermöglichkeiten besprochen. Die Förderung durch die KfW habe dabei das Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands in Deutschland bis 2050. Eigentümer könnten Kredite mit niedrigen Zinsen oder direkte Zuschüsse erhalten. Stichtag sei der
1. Februar 2002 – der Bauantrag für das zu sanierende Gebäude müsse vor diesem Datum gestellt worden sein. Wärmedämmung, Austausch von Fenstern oder Haustüren, eine neue beziehungsweise optimierte Heizung: Der Förderanteil liege zwischen zehn und 20 Prozent, maximal bei 30.000 Euro. Dabei profitiere man nicht nur durch Energieeinsparung, sondern man steigere auch die Wohnqualität, betonte er.

Man mache hier, etwa bei der Heizung, Angebote, die man weiterverfolgen und annehmen könne – aber nicht müsse, so Joachim Mertens. Es würden Visionen erstellt, von denen nicht alles – und auch nicht sofort – umzusetzen sei. Er gehe aber fest davon aus, sagte der Fachbereichsleiter, dass manches umgesetzt werde und dann auch Vorbildcharakter habe.

Wichtig sei ein Überblick, denn viele Eigentümer würden sich im Dschungel der Möglichkeiten gar nicht zurecht finden, und das könnte sie bereits davon abhalten, Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen, berichtete Sebastian Tränk-ner. Es gebe dabei, ergänzte Gerd Schwerdtfeger, aber nicht »die« Lösung, »sondern Sie müssen dahinter stehen und sehen, was Sie für Möglichkeiten haben.« Nützlich sei eine Sanierung auch mit Blick auf steigende Energiekosten. Und schließlich profitiere man auch angesichts von mehr heißen Sommern davon, ein gut gedämmtes Haus zu haben.

Die Präsentationen aus der Veranstaltung werden in Kürze auf der Homepage der Stadt Einbeck unter der Rubrik Stadt + Bürger zum Abruf zur Verfügung gestellt.

Das energetische Quartierskonzept wird im September im Rahmen eins Bürgerworkshops erneut aufgegriffen.ek

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