Kulturstau wird entfernt, Aue soll entstehen

Einbeck. Die Ilme soll aus ihrem »Korsett« geholt werden: Freies Wandern für die Flussbewohner soll möglich werden zwischen den Brücken am Alten Zollhaus und am Marktanger/Schlachthofstraße. Dazu hat der Leineverband Ende Juli mit umfangreichen Baumaßnahmen begonnen; erste Ergebnisse sind zu sehen.

Ziel ist es, dass sich die jahrzehntelang in ihrem Verlauf eingezwängte und durch einen Stau ihrer ökologischen Durchlässigkeit beraubte Ilme wieder natürlich entfalten darf. Im Rahmen der Renaturierungsmaßnahmen wird der Kulturstau auf Höhe des Alten Zollhauses entfernt (Foto).

Damit sollen natürliche gewässerdynamische Prozesse in Gang kommen. Die Ilme wird so langfristig in ein naturnahes Fließgewässer umgewandelt. Die Einengung des Flusses habe zum Rückgang von Tieren und Pflanzen geführt, hieß es. Zusammen mit der Stahlspundwand und dem Absturz habe es eine Sperre für viele im Fluss lebende Tiere gegeben. Durch die Begradigung sei es zu schnellen Fließgeschwindigkeiten gekommen, die Wanderfische und Kleinstlebewesen nicht überwinden konnten.

Die Fallhöhe des Kulturstaus von etwa einem Meter wird nun auf eine Länge von 1,2 Kilometern verteilt. Es werden 16 Steinriegel mit Schlupflöchern für im Wasser lebende Tiere eingebaut, etwa alle 70 Meter einer. Eine zwei Meter breite Niedrigwasserrinne bietet auch bei geringer Wasserführung ausreichenden Lebensraum. Über ein sogenanntes Bermenprofil wird eine Sekundäraue an der in Fließrichtung linken Seite der Ilme geschaffen. Dafür wird die Erde auf einer Breite von bis zu zwölf Metern abgegraben.

Der in der Böschung vorhandene Uferverbau aus Wasserbausteinen soll entfernt werden. Dreiecksbuhnen auf der rechten Uferseite lenken den Fluss in Richtung der breiten Sekundäraue - das wird zu sich verändernden Uferlinien führen. Etwa 70 Bäume am Ufer, vor allem Pappeln, sind bereits Anfang des Jahres entfernt worden. Auf der Berme ist nun eine natürliche Entwicklung vorgesehen - auetypische Gehölze werden sich auf Weise ansiedeln: Brennnessel, Brombeere, Schwarzerlen, Weiden und Eschen.

Im feuchten Röhricht sind seltene Vogelarten zuhause. Der Leineverband verweist darauf, dass Auwälder an Flüssen und Bächen natürlicherweise regelmäßig überflutet werden. Fluss und Aue stehen in Wechselbeziehung zueinander. Die an der Ilme geplante Sekundäraue soll die Funktionen einer natürlichen Aue übernehmen.

Durch periodisch auftretende Hochwässer entstehen wertvolle Teillebensräume, die einer großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren einen neuen Lebensraum geben. Der Leineverband spricht von einem »Schlaraffenland für Bachforelle, Eisvogel, Libelle und Steinköcherfliege«.

Der für das Projekt bewegte Boden, immerhin rund 19.000 Kubikmeter, kann recycelt werden: 3.200 Kubikmeter werden für die neue Verwallung genutzt und vor Ort wieder eingebaut. Der Rest geht auf Acker- und Grünlandflächen bei Sülbeck. Das Vorhaben wird unterstützt von der Europäischen Union über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und vom Leineverband. sowie vom Landkreis Northeim. Planungs-, Bauleitungs- und Baukosten belaufen sich auf rund 710.000 Euro. Land und EU tragen 90 Prozent der Kosten. Die Maßnahme soll bis Ende dieses Jahres umgesetzt werden.ek

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