Meister unter sich

NDR Bigband widmet sich Barock im Jazzgewand | Konzert in der PS.Halle zu Niedersächsischen Musiktagen

Ein Höhepunkt jagte den nächsten: Die NDR Bigband spannte in der PS.Halle einen großen Bogen vom Barock zum Jazz.

Einbeck. Vor etwa 300 Jahren hat Georg Philipp Telemann die Barockmusik mit erstklassigen Kompositionen bereichert. Die NDR Bigband hat eine Auswahl davon mit neuen Arrangements und Transpositionen in der Einbecker PS.Halle präsentiert. Im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage führte der künstlerische Leiter der Gruppe, Geir Lysne, durch zwei Sets, die an Vielfältigkeit, Präzision und Mut nichts vermissen ließen.

Stefan Beumer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Einbeck, begrüßte die Gäste in der nahezu ausverkauften PS.Halle. Dann betraten die Musiker unter kräftigem Applaus die Bühne.

»Es steckt viel Jazz im Barock«, erklärte Lysne in einer Spielpause. Dieser sinnbildliche »rote Faden« sollte sich durch das gesamte Konzert ziehen. Zu Beginn des ersten Stücks, »Telemann 071 aus Concerto in E TWV«, wurde unmittelbar die klangliche Abkehr vom Ursprung deutlich. An Stelle der Flöte leitete das Tenorsaxophon ein. Und schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass in Lysnes Bearbeitung ein eigenständiges Hörerlebnis steckte.

Eine Erweiterung erfuhren Telemanns Stücke durch die Improvisationen, die stets meisterlich vorgetragen wurden. Beinahe jeder Musiker des Ensembles bekam die Möglichkeit, ein persönliches Ausrufezeichen in den Stücken zu setzen. Dies wurde regelmäßig vom Publikum mit Applaus bedacht. Ob die zarte Gitarre von Sandra Hempel, das kraftvolle Schlagzeug von Gary Husband oder das durchdringende Piano von Vladyslav Sendecki: Die Soli wurden sowohl dynamisch als auch charakteristisch treffend eingebettet.

Fehler im Spiel suchten aufmerksame Musikfreunde vergeblich. Es waren schließlich Profis am Werk. Einzig und allein ein abgebrochenes Intro sorgte kurz für Irritationen, wurde aber sympathisch überspielt.

Im zweiten Set wurde es persönlicher. Mitglieder der Bigband, unter anderem Dan Gottshall, Claus Stötter, Frank Delle und Klaus Heidenreich, präsentierten Eigenkompositionen. Dazu gab es von den Musikern noch ein paar private Einblicke, wie die Songs oder deren Name entstanden sei. »›Lethargent‹ ist eine Mischung aus den Worten ›Lethargie‹ und ›Ende‹«, erläuterte Komponist und Flügelhorn-Spieler Claus Stötter. Nachdem der Song fertig geschrieben war, saß Stötter auf dem Sofa und dachte: »Die Lethargie ist beendet. Doch dann ging sie gleich wieder los«, erinnerte er sich.

Die bandeigenen Songs erweiterten das Spektrum noch einmal, und es gab neben Up-Tempo-Swing, klassischem Jazz und dem einen oder anderen Latinbeat sogar einen Hauch von Rock, der kurzzeitig das Publikum zum Nicken brachte. Zum großen Finale stimmten die Musiker den Jazzfunk-Klassiker »Street Life« von »The Crusaders« aus dem Jahr 1979 an. Die bekannten Hooks und Melodien brachten die Zuhörer am Ende einer dynamischen Achterbahnfahrt wieder auf einen gemeinsamen Nenner. Mit minutenlangem Applaus bedankte sich das Publikum für einen besonderen Konzertabend.kw

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